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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Über die Märtyrer in Palästina (De martyribus palaestinae).

VI.

Im vierten Jahre der gegen uns gerichteten Verfolgung, zwölf Tage vor den Kalenden des Dezember, das ist am zwanzigsten Tage des Monats Dios1 , am Tage des Vorsabbats2 , fand in derselben Stadt Cäsarea das folgende Martyrium statt, daß es wirklich verdient erwähnt zu werden. Es war damals der Tyrann Maximin anwesend und gab dem Volke, um sich bei ihm beliebt zu machen, anläßlich seines Geburtstages Spiele. Und es war von jeher Sitte, die Spiele, bei denen der Kaiser zugegen war, für die Zuschauer großartiger zu gestalten als sonst, durch neue, fremdartige und ungewöhnliche Darbietungen, indem man Tiere aus Indien oder Äthiopien oder sonst woher bringen ließ oder indem Männer durch kunstvolle Leibesübungen den Zuschauern ein besonderes Vergnügen bereiteten. Und da ja der Kaiser die Spiele gab, so verlangte es der Ehrgeiz, daß auch jetzt etwas Großartiges und Ungewöhnliches geboten werde. Was war es? Ein Bekenner unseres Glaubens wurde vorgeführt, um öffentlich für die allein wahre Religion zu kämpfen: Agapius, von dem kurz vorher schon erwähnt wurde3 , daß er zugleich mit Thekla für die wilden Tiere zum Fraße bestimmt worden war. Er war auch sonst schon drei oder viermal mit Verbrechern im Zuge aus dem Gefängnisse in das Stadium geführt worden, aber immer wieder hatte es der Richter bei der Drohung bewenden lassen und ihn, sei es aus Mitleid, sei es in der Hoffnung, er werde in seinem Vorhaben noch wankend werden, für andere Kämpfe zurückgestellt. Jetzt in der Gegenwart des Kaisers wurde er vorgeführt. Es war, als ob er absichtlich für diesen Augenblick aufbewahrt worden wäre, damit auch an ihm in Erfüllung gehe das Wort des Heilandes, das derselbe zu seinen Jüngern in göttlichem Wissen vorhergesagt: „auch vor Könige würden sie geführt werden zum Zeugnisse für ihn“4 . Er wurde in die Mitte des Stadiums hereingeführt, zugleich mit einem Verbrecher, der, wie es hieß, der Tötung seines Herrn schuldig war. Und als der Mörder seines Herrn den wilden Tieren vorgeworfen wurde, fand er, geradezu wie jener Barrabas zur Zeit des Heilandes, Mitleid und Gnade und das Theater widerhallte von stürmischen Beifallsbezeigungen, als der Kaiser menschenfreundlich dem Mörder das Leben geschenkt und ihm Ehre und Freiheit wiedergegeben hatte. Den Kämpfer für das Christentum aber ließ der Tyrann zunächst vor sich rufen, verlangte von ihm die Verleugnung des Glaubens, wofür er ihm die Freiheit anbot. Agapius aber erklärte mit lauter Stimme, daß er nicht für eine schlechte Sache, sondern für den Glauben an den Schöpfer des Weltalls gerne und freudig alles ruhig ertragen wolle, was ihm auch bevorstehe5 . Und kaum hatte er es gesprochen, ließ er dem Worte die Tat folgen, ging in raschem Schritte geradewegs einer auf ihn losgelassenen Bärin entgegen und bot sich ihr willig zum Fraße dar. Noch atmend brachte man ihn in das Gefängnis zurück, wo er noch einen Tag lebte. Am nächsten Tage wurde er mit Steinen, die ihm an die Füße gebunden waren, mitten in das Meer versenkt6 . Das war das Martyrium des Agapius.

1: 20. November 306
2: Der Wochentag [auch in S gegeben] scheint unrichtig überliefert zu sein [Schwartz], der 20. November 306 war ein Mittwoch.
3: vgl.3. Kap., S. 7 [279].
4: Matth. 10, 18
5: Die längere Fassung [S] bietet hier Erweiterungen
6: „Die Seele aber, so fährt die längere Rezension [S] weiter, entflog in die Luft, gelangte zu dem Himmelreiche, wohin sie geeilt war, und wurde unter die Scharen der heiligen Märtyrer zu den Engeln aufgenommen.“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger