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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Über die Märtyrer in Palästina (De martyribus palaestinae).

V.

Zu derselben Zeit und in denselben Tagen mußte auch in Tyrus ein junger Mann, namens Ulpianus, schreckliche Mißhandlungen und fürchterliche Geißelungen ertragen und wurde sodann zugleich mit einem Hund und einer Aspis, der giftigen Schlange, in eine rohe Rindshaut eingenäht, in das Meer geworfen; aus diesem Grunde glaubten wir berechtigt zu sein — im Zusammenhang mit dem Martyrium des Apphianus — auch ihn zu erwähnen. Das Schicksal des Apphianus teilte bald darauf Ädesius1 , sein Bruder nicht nur im Herrn, sondern auch der leiblichen Abstammung nach: er hatte den gleichen Vater. Oftmals hatte er seinen Glauben bekannt, lange Zeit die Leiden des Kerkers getragen und war durch den Spruch des Statthalters in die Bergwerke von Palästina gesandt worden. Dabei hatte er allezeit in ärmlichem Philosophenmantel ein philosophisches Leben geführt.2 Schließlich kam er nach Alexandrien. Er sah, wie der dortige Richter Christen aburteilte und sie gegen alles Recht behandelte, wie er bald angesehene Männer verschiedenfach misshandelte, bald durchaus ehrbare Frauen und reine Jungfrauen Bordellhaltern zu schmachvoller Entehrung übergeben ließ. Und da ihn diese Dinge unerträglich schienen, wagte er die gleiche Tat wie sein Bruder. Festen Schrittes trat er vor den Richter und überhäufte ihn in Worten und Tätlichkeiten mit Schimpf und Schande. Die verschiedenen Folterqualen, die darauf über ihn verhängt wurden, ertrug er aufs mannhafteste und fand schließlich wie sein Bruder den Tod im Meere. Dieser Vorfall spielte in der geschilderten Weise, wie schon bemerkt, kurze Zeit später.

1: Auch die längere Fassung des Martyriums des Ädesius liegt außer in der syrischen Übersetzung [S] im griechischen Originaltext [G 2] vor. Danach war Ädesius ein Schüler des Pamphilus; der Statthalter von Ägypten hieß Hierokles. Ädesius schlug ihm entrüstet über sein ungesetzliches Verfahren, mit beiden Händen ins Gesicht, warf ihn zu Boden, und ehe sein Gefolge zu Hilfe kommen konnte, versetzte er ihm wuchtige Schläge mit den Worten: „Du sollst dich nicht unterstehen, Gottes Diener unnatürlich zu beschimpfen . .“
2: Er besaß mehr wissenschaftliche Bildung als sein Bruder und fühlte sich besonders von der philosophischen Wissenschaft angezogen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger