Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Eusebius von Cäsarea († um 340) - Über die Märtyrer in Palästina (De martyribus palaestinae).

IV.

Um1 gleichsam allen die Beweise seines ihm angeborenen Gotteshasses und seiner Ruchlosigkeit vorzulegen, nahm Cäsar Maximin2 , der jetzt zur Herrschaft gelangte, in heftigerer Weise als die vorigen die Verfolgung gegen uns auf. Aber während nun alle nicht geringe Verwirrung erfaßte, die einen sich dahin, die andern dorthin zerstreuten und der Gefahr zu entgehen suchten und eine gewaltige Aufregung alles im Banne hielt, — wie könnte ein Wort genügen, um eine vollentsprechende Schilderung zu geben von der Gottesliebe und der Freimütigkeit in dem Bekenntnisse Gottes, wie sie eigen war dem seligen und wahrhaft einem schuldlosen Lamme vergleichbaren Märtyrer, den ich meine, Apphianus, in dem allen Bewohnern Cäsareas vor den Toren der Stadt ein wundervolles Beispiel des Glaubens an den einen Gott vor Augen geführt ward? Noch hatte er damals das zwanzigste Lebensjahr nicht erreicht. Er stammte von Eltern, welche große irdische Reichtümer ihr eigen nannten und so hatte er sich früher längere Zeit zum Studium der weltlichen Wissenschaften der Griechen in Berytus aufgehalten3 . Es wäre herrlich zu erzählen, wie er in dieser Stadt die Leidenschaften der Jugend überwand und weder durch die Jugendkraft seines Körpers noch durch die Gesellschaft seiner jugendlichen Genossen an seinem Charakter Schaden litt, wie er vielmehr die Mäßigung liebte, sich nach den Lehren des Christentums sittlich, ernst und fromm betrug und sein Leben danach gestaltete. Geziemend ist es, auch seiner Heimat zu gedenken und sie dadurch zu ehren, nachdem ein solch edler Kämpfer für den Gottesglauben aus ihr hervorgegangen, und man wird es berechtigt finden, wenn ich es tue. Wenn einer Gagä kennt, eine nicht unberühmte Stadt Lyciens, nun, aus ihr stammte der Jüngling. Nach der Rückkehr von seinen Studien in Berytus in die Heimat, wo sein Vater eben die erste Stellung bekleidete, vermochte er mit ihm und seinen Angehörigen nicht zusammenzuleben, weil sie nicht nach den Geboten des Christentums leben wollten. Er aber, von einem sozusagen göttlichen Geiste erfaßt, richtete in einer in gewissem Sinne schon in der Natur begründeten, noch mehr aber von Gott gegebenen wahren Philosophie seinen Sinn auf Größeres, als auf den angeblichen Ruhm der Welt, und verachtete das Genußleben des Leibes. So verließ er heimlich seine Familie, und völlig unbekümmert um seinen täglichen Lebensunterhalt, ließ er sich nur vom Vertrauen und Glauben an Gott leiten; und es war der Geist Gottes, der ihn nach Cäsarea führte, wo die Märtyrerkrone für den Glauben seiner harrte. Er wohnte mit uns selbst im Hause zusammen, vervollkommnete soweit als möglich seine Erkenntnis durch Reden über göttliche Dinge und bereitete sich eifrig durch aszetische Übungen darauf vor. Und wen hätte es nicht aufs tiefste ergriffen, der da sah, wie herrlich sich das Lebensende dieses Mannes gestaltete, und wen, der davon hörte, hätte nicht berechtigte Bewunderung überkommen über seine Unerschrockenheit, seine Freimütigkeit, seine Standhaftigkeit, vor allem aber über die Kühnheit seiner Tat selbst, die von einem Glaubenseifer und einer Geistesgröße zeugte, die wahrhaft übermenschlich sind? Im dritten Jahr der gegen uns gerichteten Verfolgung brach nämlich auf Veranlassung Maximins ein zweiter Sturm gegen uns los. Es erging damals zum erstenmal ein Schreiben des Tyrannen, die Beamten in den Städten hätten mit Eifer dafür zu sorgen, daß allenthalben alle ohne Umstände wenigstens einmal opfern. Infolge dessen riefen unter Hinweis auf den behördlichen Befehl Herolde Männer, Frauen und Kinder in die Göttertempel und außerdem forderten Chiliarchen nach einer Liste noch jeden einzelnen mit Namen hierzu auf. Unsagbar viel waren die Leiden, die allenthalben hereinbrachen. Da trat Apphianus, ohne daß jemand von seinem Vorhaben etwas ahnte, und ohne daß wir, die wir doch mit ihm in einem Hause wohnten, und ohne daß die ganze militärische Umgebung des Statthalters etwas davon bemerkte, zu Urbanus, der eben ein Trankopfer brachte, faßte ihn unerschrocken bei der rechten Hand und hinderte ihn ohne weiteres am Opfern. Und dringend bat und mahnte er ihn mit sozusagen göttlichem Ernste, doch abzulassen von seinem Wahne; unrecht sei es, den einen, allein wahren Gott zu verlassen und Göttern und Dämonen zu opfern. Es war wohl die göttliche Macht, die den Jüngling drängte, das zu wagen, eine göttliche Macht, die dadurch es geradezu deutlich kund tun wollte, daß Christen, die es wirklich sind, von dem Glauben an den Gott des Alls, den sie einmal durch Gottes Gnade empfangen, so wenig abfallen, daß sie im Gegenteil erhaben sind über alle Drohung und nachfolgende Strafe, ja sogar den Mut besitzen, in edler und furchtloser Sprache offen zu sprechen und wenn möglich, die Verfolger selbst zu mahnen, abzulassen von ihrem Irrtum und sich der Erkenntnis des einen Gottes zuzuwenden. Wie es sich nach einem solchen Wagnis erwarten ließ, wurde der genannte Bekenner sofort von der Umgebung des Statthalters wie ein wildes Tier gepackt und nach zahllosen Schlägen am ganzen Leibe, die er aufs mannhafteste ertrug, vorerst in das Gefängnis gebracht, wo er einen Tag und eine Nacht lang mit beiden Füßen in den Stock gelegt ward. Am folgenden Tage wurde er vor den Richter geführt. Er sollte zum Opfern gezwungen werden; nicht nur ein oder zweimal, sondern des öfterenmalen wurden ihm die Seiten bis auf die Knochen, ja bis auf die Eingeweide aufgerissen, und ins Angesicht und auf den Nacken erhielt er soviel Schläge, daß ihn in seinem aufgeschwollenen Angesichte selbst diejenigen, welche ihn früher ganz genau gekannt, nicht mehr zu erkennen vermochten. Aber er bewahrte inmitten der Foltern und furchtbaren Qualen völlig seine Standhaftigkeit. Und als er auch auf diese so großen Martern sich nicht fügte, mußten die Folterknechte seine Füße in leinene Tücher hüllen, die mit Öl getränkt waren, und dieselben anzünden. Wohl waren die Schmerzen unbeschreiblich, die der Selige dabei erdulden mußte; denn das Feuer verzehrte das Fleisch und drang bis auf die Knochen, so daß die Feuchtigkeit des Körpers wie Wachs schmolz und in Tropfen herabfloß. Allein auch jetzt wankte er nicht, und da die Gegner bereits unterlegen waren und sich von seiner übermenschlichen Standhaftigkeit geradezu besiegt erklären mußten, brachte man ihn ins Gefängnis zurück. Drei Tage später wurde er jedoch nochmals vor das Gericht gestellt; er wiederholte sein Bekenntnis und wurde, übrigens schon halbtot, in die Fluten des Meeres versenkt. Eine Erzählung der Ereignisse, wie sie unmittelbar darauf folgten, wird wahrscheinlich bei einem, der's nicht mitangesehen, keinen Glauben finden. Aber trotzdem wir das sehr gut wissen, halten wir es doch für richtig, den Vorfall völlig wahrheitsgemäß in unser Geschichtswerk aufzunehmen, umsomehr, da ja auch, man darf ruhig sagen, alle Einwohner von Cäsarea Zeugen davon sind; denn bei diesem merkwürdigen Schauspiel fehlte kein Lebensalter. Kaum schien man den Heiligen und dreimal Seligen inmitten des Meeres in die unermeßlichen Tiefen versenkt zu haben, da ging auf einmal eine ungewöhnliche Bewegung und Erschütterung durch das Meer und die ganze Luft, so daß die Erde und die ganze Stadt davon erbebte. Und zugleich mit jenem auffallenden und plötzlichen Beben spülte das Meer den Leichnam des gottseligen Märtyrers, gleich als ob es ihn nicht zu behalten vermöchte, vor die Tore der Stadt. So schloß das Leben des herrlichen Apphianus ab, am zweiten Tag des Monats Xanthikus, das ist am vierten Tage vor den Nonen des April, an einem Rüsttage4 .

1: Von dem nun folgenden Martyrium des Apphianus liegt die längere Rezension griechisch [G 2] und syrisch [S] vor.
2: Daja
3: Berytus besaß eine berühmte Rechtsschule.
4: 2. April 306. Nonä ist die Bezeichnung für den fünften, bezw. in den Monaten März, Mai, Juli und Oktober für den siebenten Tag des Monats. Der Rüsttag ist der Freitag, der bei den Juden als Vorbereitungstag für den Sabbat galt.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. . Einleitung
. . I.
. . II.
. . III.
. . IV.
. . V.
. . VI.
. . VII.
. . VIII.
. . IX.
. . X.
. . XI.
. . XII.
. . XIII.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger