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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum)

Des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen

I. Kapitel: Die Vorrede gedenkt des Osterfestes und der mannigfaltigen Verfolgungen, die der Logos Gottes von den Menschen für alle erwiesenen Guttaten hat erleiden müssen.

Inhaltsangabe:

1. Der Tag des Leidens ist die Quelle großer Güter und großer Freude.
2. Die Natur, die ihr Sein dem Schöpfer verdankt, hat nichts Derartiges geleistet.
3. Gott wurde, bevor Christus erschien, weder erkannt noch geehrt, die Gerechten verfolgt.
4. Christus schuf Ordnung und gründete die Kirche.
5. Christi Gnade wurde zurückgewiesen, die Kirche verfolgt.
6. Die Bosheit ist besiegt, es soll von Gebührendem gesprochen werden.

Das Licht, das heller strahlt als das Licht des Tages und der Sonne, das Vorspiel der Auferstehung, die Neufügung der einst schwer geprüften Leiber, die Bürgschaft der Verheißung und der Weg, der zum ewigen Leben führt, der Tag des Leidens ist da, o vielgeliebte Lehrer und ihr, all meine übrigen Freunde…. Viel seliger ist er für die Menge der Gottesverehrer und für Gott selber, dem die Verehrung gilt, da die inneren Gefühle eines jeden in ununterbrochenen Lobgesängen ausströmen …1 .

Du aber, Allmutter Natur2 , was hast du je solches der Welt gebracht?3 Dieser hat dich geschmückt, da das Leben nach der Natur Schmuck der Natur ist4 . Überhandgenommen hatte ja ohne Maß, was gegen die Natur ist: niemand verehrte nach Gebühr den Gott des Alls und man glaubte, nicht durch die Vorsehung, sondern von ungefähr, ordnungslos und fehlerhaft sei das All entstanden. Und doch hatte die göttliche Eingebung durch Propheten es immerfort verkündet5 , denen man hätte Glauben schenken müssen, während ihnen tatsächlich gottlose Verruchtheit voll Haß gegen das Licht der Wahrheit und voll freudiger Empfänglichkeit für die schwer zu widerlegende Finsternis mit allen möglichen Mitteln widerstand. Ja, es fehlte dabei nicht einmal Gewalttätigkeit und Grausamkeit, zumal da sich der unbesonnenen Leidenschaft der gemeinen Volksmassen der Wahn der Machthaber zugesellte oder vielmehr selber zum Führer der unzeitigen Wut aufwarf6 . So hat denn auch ein solches Leben, das viele Menschenalter hindurch fortgewuchert hatte, überaus große Leiden über jene gebracht.

Kaum war aber das Licht der Erkenntnis des Erlösers aufgegangen, als Gerechtigkeit an die Stelle der ungerechten Werke kam, nach allen möglichen Stürmen Meeresstille eintrat und sich alles erfüllte, was von Propheten vorausgesagt worden war. So gründete er dann auch, nachdem er mit dem Glanze der Gottesfurcht und Besonnenheit den ganzen Erdkreis geziert hatte und in die Wohnung seines Vaters aufgefahren war, auf Erden in der Kirche einen heiligen Tempel der Tugend, einen ewigen, unvergänglichen, auf daß in ihm frommer Sinn darbringe, was Gott, dem höchsten Vater, und ihm selber gebührt7 .

Was hat nun nach diesem die tolle Verruchtheit der Heiden ersonnen? Sie bemühte sich die Gnaden Christi zu vereiteln und indem sie die zur Rettung aller Menschen gegründete Kirche zu verwüsten trachtete, suchte sie ihren eigenen Aberglauben zurückzuführen, um, was ebenfalls der Verruchtheit nicht wesentlich eigen ist8 , bald mit glänzenden Hoffnungen zu berücken, bald durch Furcht niederzuschmettern, sobald wiederum Aufruhr, Krieg, Kampf, schwieriger Erwerb des Lebensunterhaltes, Gier nach Reichtum kämen. Doch wie es die Grechtigkeit verlangt, soll die Verruchtheit am Boden liegen, überwunden von der Tugend, vor Reue berstend und sich selbst zerfleischend. Uns aber obliegt es jetzt zu sagen, was der göttlichen Lehre ziemet.

1: Der Eingang der Rede ist vielfach verstümmelt.
2: Allmutter heißt die Natur, weil von ihr alles kommt [vgl. Kap. 6]. Daß der Ausdruck im strengen Sinne genommen nicht berechtigt ist, zeigt die folgende Parenthese.
3: Was ist denn überhaupt dein Werk, da ja der Urheber des Alls auch der Urheber deines Seins ist?
4: Das Große, das der Leidenstag gebracht hat, ist das naturgemäße Leben, das in der Erkenntnis und Verehrung des wahren Gottes besteht. Dieses naturgemäße Leben mußte Christus bringen, weil er vordem geschwunden war.
5: Es ist nicht bloß an die Propheten in Israel zu denken; auoh den Heiden wurden solche geschickt wie z. B. die Sibylle [Kap. 18].
6: Von solchen Verfolgungen berichten die Kap. 16 u. 17
7: Es ist wohl an die durch die Sendung des Hl. Geistes am Pfingstfest vollendete Gründung der Kirche gedacht. Der Hl. Geist wird in der Rede nicht erwähnt; darum kann sich Konstantin auch, wenn er zeigen will, daß es nur einen Gott gibt mit dem Vorsuche begnügen, die Wesenseinheit des Vaters und des Sohnes zu erweisen [Kap. 8 u. 9].
8: Wie schon früher gesagt war, daß die Verruchtheit, das ist das Heidentum, sich nicht einmal von Gewalttat freihielt, so wird jetzt bemerkt, daß das Heidentum an sich ebenfalls nicht durch Hoffnung und Furcht betören und erschrecken müsse.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger