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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum)
Buch IV

29. Reden und Vorträge Konstantins.

Er selber brachte sogar, um seinen Geist an den göttlichen Schriften zu nähren, schlaflos die Zeit der Nacht hin und in Mußestunden schrieb er dann Reden nieder; denn oft trat er vor dem Volke auf, weil er es für seine Pflicht hielt, seine Untertanen durch das belehrende Wort zu beherrschen und in seiner Herrschaft ganz die Vernunft walten zu lassen. Darum eben berief er die Versammlungen und ungezählte Scharen eilten herbei, die Weisheitslehren ihres Kaisers zu vernehmen. Wenn sich da aber einmal eine Gelegenheit bot, über göttliche Dinge zu sprechen, dann stand er ganz aufrecht da, ernst war sein Antlitz, gedämpft seine Stimme, und er schien die Anwesenden mit aller Frömmigkeit in die Geheimnisse der göttlichen Lehre einzuweihen. Wenn ihm da seine Zuhörer lauten Beifall zuriefen, winkte er ihnen zu, aufwärts gen Himmel zu schauen und allein dem höchsten König Bewunderung, Verehrung und Lob zu zollen. Den Stoff teilend widerlegte er bald den Irrtum der Vielgötterei, indem er dartat, daß der Aberglaube der Heiden Irrtum und lediglich ein Schutz der Gottlosigkeit sei; bald lehrte er die Zuhörer den einen Gott und Herrscher erkennen und er legte im Anschluß daran dar, wie die Vorsehung sich betätige im ganzen sowohl als auch im einzelnen. Von da aus wandte er sich dem Werke der Erlösung zu und zeigte, daß auch dieses notwendig sich in ganz entsprechender Weise vollzogen habe. Darauf berührte er die Lehre von dem göttlichen Gerichte und da setzte er seinen Zuhörern aufs heftigste zu, wenn er die Räuber, die Gewalttätigen und die einer unersättlichen Habgier Frönenden überwies. Und wenn er so gleichsam mit seinen Worten einige von seinen anwesenden Freunden traf und geißelte, zwang er sie, betroffen in ihrem Gewissen, die Augen zu senken. Mit durchdringender Stimme bezeugte und kündete er ihnen an, daß sie Gott Rechenschaft geben müßten für ihre Handlungen; ihm habe nämlich der höchste Gott die Herrschaft über die Bewohner der Erde verliehen, er selber habe nach dem Beispiel des Höchsten ihnen die verschiedenen Bezirke seiner Herrschaft anvertraut, jeder müsse aber seinerzeit vor dem großen König Rechenschaft für seine Taten ablegen. Das bezeugte er unablässig, daran erinnerte er immer wieder, das verkündete er als Lehrer. Obwohl er aber im Vertrauen auf seinen aufrichtigen Glauben also dachte und gebot, erwiesen sich jene doch als ungelehrig und gefühllos gegen alles Gute. Mit der Zunge wohl und mit lautem Beifallsrufen stimmten sie seinen Worten bei, bei ihren Werken aber achteten sie in ihrer unersättlichen Habgier nicht darauf.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger