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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum)
Buch III

60. Konstantin schreibt an die Antiochener, sie sollten nicht den Eusebius von Cäsarea wegnehmen, sondern einen andern Bischof suchen .

BRIEF DES KAISERS AN DIE ANTIOCHENER, DASS DAS VOLK SICH EINIGE UND NICHT NACH EINEM FREMDEN BISCHOF VERLANGE.1

„Der Sieger Kaiser Konstantin der Große an das Volk der Antiochener.

„Wie angenehm ist doch für die Welt, soweit sie Verständnis und Weisheit zeigt, die Eintracht bei euch! Auch ich habe beschlossen, Brüder, euch mit unsterblicher Freundschaft zugetan zu sein, bewogen durch das Gesetz, durch euren Lebenswandel und euren Eifer. Das heißt also in Wahrheit gute Früchte ernten, wenn man recht und gesund seinen Verstand anwendet. Denn was könnte euch in d e m Maße anstehen? Ich müßte mich also wundern, wenn ich es erst noch sagen müßte, daß die Wahrheit für euch mehr Quelle des Heiles als des Hasses sein soll. Was könnte also unter Brüdern, denen eine und dieselbe Gesinnung hinsichtlich ihres Wandels auf dem geraden und rechten Wege die Bürgschaft gibt, daß sie für Gott in die heilige und reine Wohnung eingeschrieben werden, was könnte kostbarer für sie sein, als bei eigenem Wohlergehen im Glücke aller einmütig zu sein? Zumal da die Lehre des Gesetzes euren Willen zu besserem und herrlicherem Vorgehen anleitet, wünschen wir, daß auch unser Urteil durch die guten Beschlüsse bestätiget werde.

„Wunderlich scheint es euch vielleicht, was doch die Einleitung meines Schreibens will? Ich werde es nicht verweigern und abschlagen, die Ursache davon zu sagen. Denn ich gestehe, daß ich eure Denkschriften gelesen habe, in denen ich aus euren glänzenden Lobsprüchen und Zeugnissen über Eusebius, der schon Bischof von Cäsarea ist und den auch ich seiner Bildung und maßvollen Milde wegen schon seit langem hochschätze, ersehen habe, ihr ließet euch angelegen sein, ihn für euch zu gewinnen. Was habe ich nun wohl, da es mich drängte, das Richtige genau zu erforschen, bei mir erwogen, welche Sorge eures Eifers wegen bekommen? O heiliger Glaube, der du durch das Wort und den Willen unseres Erlösers uns gleichsam ein Bild des Lebens gibst, wie schwer würde es auch dir, den Fehlern entgegenzutreten, du müßtest dich denn nicht weigern, der Gewinnsucht zu Diensten zu stehen! Auch mir scheint derjenige sogar den Sieg zu überwinden, der mehr nach Frieden strebt; denn wo einem nur erlaubt ist, was sich ziemt, da dürfte keiner gefunden werden, der da nicht Freude empfände! Ich frage also, Brüder: Warum treffen wir eine solche Entscheidung, daß wir durch unsere Wahl andern eine Kränkung zufügen? Warum reißen wir denn an uns, was den Glauben an unsere Einsicht vernichten wird? Ich lobe zwar den Mann, der auch euch der Ehre und Liebe würdig scheint, nicht aber darf, was bei den einzelnen in Kraft und unwandelbar bestehen bleiben muß, so seine Kraft verlieren, daß nicht ein jeder sich mit den eigenen Männern von Einsicht begnügen will oder daß nicht alle ihre eigenen Leute behalten können und daß nicht in der wetteifernden Untersuchung mit diesem Mann nicht nur einer, sondern sogar mehrere verglichen werden könnten. Darum wird auch keine Bestürzung und keine Härte lästig fallen, wenn die kirchlichen Ehren gleich und durchaus in gleicher Weise wünschenswert sind. Denn es wäre nicht vernünftig, wenn die Untersuchung hierüber zu der einen Vorteil ausschlüge, da ja der Geist von allen, mögen sie geringer oder höher zu sein scheinen, in gleicher Weise die göttlichen Satzungen annimmt und bewahrt, so daß durchaus nicht die einen gegen die andern hinsichtlich des gemeinsamen Gesetzes im Nachteil sein dürfen. Wenn wir darum nun die Wahrheit offen und deutlich aussprechen dürfen, so müßte man sagen, dies hieße nicht den Mann gewinnen, sondern ihn vielmehr wegreißen und der Vorgang würde ein Werk der Gewalt, nicht der Gerechtigkeit sein, ob nun das Volk so oder anders denkt. Denn ich spreche es offen und kühn aus, daß dies ein Anlaß zur Klage ist, der nicht gewöhnliche Verwirrung und Aufregung hervorrufen kann. Es zeigen ja auch die Schafe die Beschaffenheit und die Stärke ihrer Zähne, wenn die gewohnte Pflege ihres Hirten allmählich zum Schlechteren sich kehrt und sie der früheren Leitung beraubt werden. Wenn sich das also verhält und wir uns nicht täuschen, dann erwäget das zu allererst, Brüder2 , ob nicht wahrzunehmen ist, daß eure gegenseitige aufrichtige Liebe irgendwie Einbuße erlitten hat. Dann betrachtet, daß auch jener Mann, der gekommen ist euch einen trefflichen Rat zu geben, den gebührenden Lohn durch die göttliche Entscheidung genießt, da er eine ganz außerordentliche Gnade erlangt hat, weil ihr über seine milde Mäßigung ein solches Urteil gefällt habt. Dazu müßt ihr, wie es ja eure Gewohnheit ist, mit aller Einsicht die gebührende Sorgfalt darauf verwenden, einen Mann zu suchen, dessen ihr bedürft, vorerst aber allen aufrührerischen und verworrenen Lärm ausschließen; denn ein solcher ist immer unrecht; und beim Zusammenstoß verschiedener Elemente gibt es Funken und Flammen. So wahr ich also Gott und euch gefallen und nach euren Wünschen immer leben will, liebe ich euch und den Hafen eurer Ruhe, seitdem ihr jenen Schmutz entfernt und dafür in eurer trefflichen Gesinnung die Eintracht eingeführt, die Fahne aufgepflanzt und die Fahrt zum Himmel und zum Lichte mit sozusagen eisernem Steuer angetreten habt. Darum führet ihr auch eine unvergängliche Ladung; denn alles, was das Schiff verunreinigen könnte, ist gleichsam aus dem Kielraum entfernt. Deshalb müßt ihr nun dafür sorgen, daß ihr dies alles so genießen könnet, daß es nicht den Anschein gewinnt, als hätten wir zum zweiten Male in unbesonnenem und nutzlosem Eifer überhaupt etwas festgesetzt oder gleich von Anfang an einen unnützen Versuch gemacht.

„Gott behüte euch, geliebte Brüder!“

1: Der Brief ist ungemein gekünstelt und vielfach kaum verständlich
2: vieles und großes wird euch ja sofort kommen

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger