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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum)
Buch I

12. Wie Moses wird Konstantin in den Palästen von Tyrannen erzogen.

Ein Bericht aus alten Zeiten1 erzählt, Gott habe sich einst, als ein gewalttätiges Geschlecht von Tyrannen das Volk der Hebräer bedrückte, den Bedrückten gnädig gezeigt und an dem damals noch unmündigen Moses mitten im Palaste der Tyrannen, ja selbst an ihrem Busen einen Propheten erziehen und in der Weisheit ausbilden lassen, die jene besaßen. Da dieser aber in der Folge der Zeit zum Manne herangereift war und die Gerechtigkeit, die treue Helferin der ungerecht Bedrängten, die Bedränger ereilen sollte, da trat der Prophet Gottes eben aus dem Hause der Tyrannen hervor, um in Treue dem Ratschlüsse des Allerhöchsten zu dienen; in allem, was er sprach und tat, wandte er sich von den Tyrannen ab, die ihn aufgezogen hatten und machte die zu seinen Freunden, welche in Wahrheit seine Brüder und Verwandten waren. Darauf bestellte Gott ihn zum Führer des ganzen Volkes, um durch ihn die Hebräer aus der Knechtschaft in Feindesland zu befreien und das Geschlecht der Tyrannen mit vom Himmel verhängten Strafen heimzusuchen.

Dieser alte Bericht, den meisten nur wie eine Sage überliefert, ist wohl früher allen zu Ohren gekommen, jetzt aber hat der nämliche Gott es auch uns gewährt, deutlich mit eigenen Augen Wunder zu sehen, die größer sind als die, von denen alte Sagen berichten, Wunder, die, weil sie erst in jüngster Vergangenheit geschaut wurden, mehr das Gepräge der Wahrheit an sich tragen als alle, von denen man bloß gehört hat. Denn die Tyrannen unserer Zeiten haben sich an den Kampf gegen Gott, den Herrn aller, gewagt und seine Kirche unterdrückt; mitten unter ihnen aber weilte, gerade so wie jener Diener Gottes, am Herde der Tyrannen Konstantin, der nach kurzer Zeit schon die Tyrannen stürzen sollte, damals noch im zartesten Knabenalter und im Reize seiner Jugendblüte, da ihm eben die ersten Milchhaare sproßten. Nicht zeigte er jedoch, trotz seiner Jugend, die nämlichen Sitten wie die Gottlosen; denn es zog ihn schon damals im Verein mit dem Geiste Gottes seine vortreffliche Natur zu einem frommen und Gott wohlgefälligen Leben hin, wie ihn auch nicht minder der Eifer seines Vaters anleitete und antrieb, dem Guten nachzustreben. Denn sein Vater Konstantius, dessen Andenken bei dieser Gelegenheit auch aufzufrischen ja nur billig ist, war einer der ausgezeichnetsten Gewalthaber unserer Zeit; über ihn muß ich darum, was seinem Sohne Ruhme zu verleihen vermag, in Kürze mitteilen.

1: Exod. 1 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger