Cyprian von Karthago († 258) - Briefe 55. Brief
15. Kapitel Wenn wir nun die Buße solcher Leute, die bestimmt glauben, daß ihre Schuld nur gering sei, zurückweisen wollen, so fallen sie auf die Lockung des Teufels sofort samt Weib und Kindern, die sie unversehrt erhalten hatten, den Ketzern oder den Abtrünnigen zu. Uns aber wird am Tage des Gerichtes zur Last gelegt werden, wir hätten nicht nur das verwundete Schaf nicht gepflegt, sondern auch wegen des einen verwundeten viele gesunde verloren gehen lassen [Ezech. 34,4]. Und während der Herr die neunundneunzig gesunden verlassen und das eine verirrte und erschöpfte gesucht, und, als er es gefunden, auf seinen eigenen Schultern getragen hat [Vgl. Luk. 15, 4 f.], sollten wir es nicht nur unterlassen, die ermatteten zu suchen, sondern sogar die herbeikommenden fernhalten? Und während die falschen Propheten jetzt unablässig die Herde Christi verwüsten und zerfleischen, sollten wir den Hunden und Wölfen Gelegenheit dazu geben und durch unsere eigene Härte und Unmenschlichkeit die zugrunde richten, die die feindselige Verfolgung verschont hat? Wo bleibt denn da, teuerster Bruder, das Wort des Apostels, der da sagt: “Allen gefalle ich in allem, indem ich nicht suche was m i r nützlich ist, sondern vielen, damit sie gerettet werden. Ihr sollt meine Nachahmer sein, wie ich der Nachahmer Christi bin [1 Kor. 10,33; 11, 1];" und wiederum: “Den Schwachen bin ich schwach geworden, um die Schwachen zu gewinnen [1 Kor. 9,22];" und abermals: “Wenn ein Glied leidet, leiden auch die übrigen Glieder mit, und wenn e i n Glied sich freut, freuen sich auch die anderen Glieder mit [1 Kor. 12,26]."
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