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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
XXI. Kapitel

129.

1. Andererseits hält der Stoiker Zenon für das höchste Ziel ein tugendhaftes Leben,1 Kleanthes aber ein Leben in Übereinstimmung mit der Natur,2 und Diogenes glaubte, das höchste Ziel liege in dem vernünftigen Handeln, von dem er annahm, daß es auf der Wahl des Naturgemäßen beruhe.3

2. Sein Schüler Antipatros nimmt an, daß das höchste Ziel darin liege, daß man ununterbrochen und ohne den rechten Weg zu verlassen das Naturgemäße wähle und das Naturwidrige verwerfe.4

3. Archedemos wieder erklärte das höchste Ziel folgendermaßen: man müsse so leben, daß man von dem Naturgemäßen das Wichtigste und Hauptsächlichste auswähle, was nicht übertroffen werden könne.5

4. Außerdem erklärte noch Panaitios als höchstes Ziel das Leben nach dem uns von der Natur gegebenen Antrieben,6 und nach allen schließlich Poseidonios das Leben unter Betrachtung der Wahrheit und der Ordnung des Weltalls und mit dem Bemühen, sie nach Kräften selbst mitherzustellen, indem man sich in nichts von dem unvernünftigen Teil der Seele leiten läßt.7

5. Einige der jüngeren Stoiker haben so gelehrt: höchstes Ziel sei das der Veranlagung des Menschen entsprechende Leben.

6. Was soll ich dir noch den Ariston anführen? Höchstes Ziel, sagt dieser, ist die Gleichgültigkeit; das Gleichgültige läßt er aber einfach gleichgültig sein.8

7. Oder soll ich dir die Lehren des Herillos [S. 243] vortragen? Das Leben auf Grund des Wissens setzt als höchstes Ziel Herillos an.9

8. Ferner geben die jüngeren Akademiker, wie einige behaupten, als höchstes Ziel die sichere Zurückhaltung den Vorstellungen gegenüber an.

9. Wieder andere sagte der Peripatetiker Lykon,10 die wahre Freude der Seele sei das höchste Ziel, ähnlich wie Lykiskos11 die Freude am Schönen als Ziel nannte.

10. Kritolaos aber, gleichfalls ein Peripatetiker, nannte als höchstes Ziel die Vollkommenheit eines der Natur entsprechend glücklich verlaufenden Lebens, womit er die aus den drei Arten (von Gütern) sich vervollständigende dreiteilige Vollkommenheit meinte.12

1: Zenon Fr. 180 v. Arnim.
2: Kleanthes Fr. 552 v. Arnim.
3: Diogenes von Babylon Fr. 46 von Arnim.
4: Antipatros von Tarsos Fr. 58 v. Arnim.
5: Archedemos von Tarsos Fr. 21 v. Arnim.
6: Vgl. Zeller Philos. der Griechen III 1, 4. Aufl. S. 586 Anm. 3.
7: Vgl. ebd. S. 603 f. Anm. 6. – Die überlieferte Lesart (xxx) ist richtig.
8: Ariston Fr. 360 v. Arnim.
9: Hilleros Fr. 419 v. Arnim. – Die Tilgung des Namens im Text war falsch; vgl. Tengblad S. 29.
10: Vgl. Diels, Vorsokr. 5. Aufl. I 445 f.
11: So ist statt leukimos zu lesen; vgl. Leukippos A 37 Diels, Vorsokr. 5. Aufl. II 79,31.
12: Vgl. Stob. Ecl. II 7,3b p. 46,10-13 Wachsmuth.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger