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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
XX. Kapitel

107.

1. Deshalb lassen die Tragödiendichter ihm spöttisch folgende vorwurfsvollen Worte zurufen:
"Doch als die Brust du schautest, warfst das Schwert zu weg,
Und ließt dich küssen, streichelnd die Verräterin".1
Und an einer anderen Stelle:
"Doch wurden gegen Schönheit wohl die Schwerter stumpf?"2

2. Ich muß aber den Antisthenes loben, der sagte: "Die Aphrodite würde ich sogar mit einem Pfeil niederschießen, wenn ich sie erwischte, da sie viele und wackere Frauen unter uns verführt hat."3

3. Und das Liebesverlangen nennt er ein Übel der Natur; ihm unterliegen die Unseligen und nennen die Krankheit eine Göttin. Hierdurch soll gezeigt sein, daß die Toren aus Unwissenheit der Lust erliegen, die man nicht an sich herankommen lassen sollte, auch wenn sie eine Göttin heißt, das bedeutet, auch wenn sie von Gott zum Zweck der Kindererzeugung gegeben ist.4

4. Und Xenophon nennt die Lust geradezu ein Laster mit [S. 228] den Worten: "O du Unglückselige, was ist denn das für ein Gut, das du kennst, was das für ein Glück, nach dem du strebst? Wartest du ja doch nicht einmal das Verlangen nach dem Genuß ab, sondern issest, bevor es dich hungert, trinkst, bevor es dich dürstet; und damit du mit Genuß essen kannst, hast du Köche nötig.

5. Und damit du mit Genuß trinken kannst, verschaffst du dir kostbare Weine und läufst im Sommer nach Schnee herum, und um angenehm zu schlafen, mußt du nicht nur weiche Betten, sondern auch noch ein kunstvoll bewegliches Untergestell für sie haben."5

1: Euripides, Andromache 629f. (aus Chrysippos Fr. mor. 473 v. Arnim).
2: Euripides, Orestes 1287.
3: Antisthenes Fr. 35 Mullach FPG II p. 280.
4: Vgl. Dümmler, Academica S. 37.
5: Xenophon, Memorab. II 1,30; die angeführten Worte spricht dort in der Fabel des Prodikos von "Herakles am Scheidewege" die Personifikation der Tugend zum Laster.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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