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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
22. Buch

10. Die Märtyrer, die viel Wunderbares zu dem Zweck erlangen, daß der wahre Gott verehrt werde, verdienen viel eher Ehrung als die Dämonen, die nur mitunter und lediglich zu dem Zweck Wunder vollbringen, damit sie selbst für Götter gehalten werden.

Hier werden unsere Gegner vielleicht darauf hinweisen, daß ihre Götter ebenfalls manches Wunderbare vollbracht haben. Immerhin erfreulich, wenn sie schon so weit sind, daß sie ihre Götter mit unseren verstorbenen Menschen auf gleiche Stufe stellen. Werden sie am Ende auch noch zugeben, daß die Götter, die sie haben, weiter nichts sind als verstorbene Menschen, wie Herkules einer ist oder Romulus und viele andere, die sie unter die Zahl der Götter versetzt wähnen? Uns jedoch gelten die Märtyrer freilich nicht als Götter, weil wir nur einen Gott kennen, wie die Märtyrer nur den einen gekannt haben. Gleichwohl dürfen die Wunder, die angeblich in den Göttertempeln geschehen, durchaus nicht mit denen auf gleiche Stufe gestellt werden, die sich an den Gedächtnisstätten unserer Märtyrer zutragen. Vielmehr sind, wenn überhaupt Ähnlichkeiten vorliegen, ihre Götter von unseren Märtyrern ebenso übertroffen worden wie die Magier von Moses1 . Ferner haben die Dämonen solche Werke vollbracht in jenem unlauteren Hochmut, der ihnen eingab, die Götter der Menschen sein zu wollen; dagegen die Märtyrer vollbringen ihre Wunder oder vielmehr Gott vollbringt sie unter Mitwirkung oder auf Bitten von Märtyrern zur Förderung jenes Glaubens, der uns lehrt, daß sie nicht unsere Götter sind, sondern daß sie mit uns den einen Gott gemeinsam haben. Endlich haben die Heiden diesen ihren Göttern Tempel erbaut und Altäre errichtet, ihnen Priester eingesetzt und Opfer dargebracht; wir dagegen2 bereiten unseren Märtyrern nicht Tempel wie Göttern, sondern Gedächtnisstätten wie verstorbenen Menschen, deren Geister bei Gott leben; und die Altäre, die wir darin errichten, dienen nicht dazu, den Märtyrern, sondern Gott zu opfern, dem einen Gott, den sie mit uns gemeinsam haben; bei diesem Opfer werden sie wie Gottesmänner, die die Welt im Bekenntnis zu Gott überwunden haben, ihrem Ort und der Reihe nach genannt, nicht aber vom Priester in seiner Eigenschaft als Darbringer des Opfers angerufen. Er opfert ja nur Gott, nicht ihnen, auch dann, wenn er zu ihrem Gedächtnis das Opfer darbringt; denn Gottes Opferpriester ist er, und nicht der ihrige. Die Opfergabe selbst aber ist der Leib Christi, und dieser wird nicht ihnen dargebracht, weil sie ja selbst auch der Leib Christi sind. Welchen hat man also eher zu glauben, wenn sie Wunder vollbringen? Solchen, die selbst für Götter gehalten werden wollen von denen, zu deren Gunsten sie ihre Wunder wirken, oder solchen, die alles, was sie Wunderbares tun, nur tun, damit man an Gott glaube, was auch Christus ist? Solchen, die sogar ihre eigenen Schandtaten als ihren heiligen Dienst gefeiert wissen wollten3 , oder solchen, die nicht einmal ihre Ruhmestaten als ihren heiligen Dienst gefeiert, sondern alles, was mit Recht an ihnen gerühmt wird, auf die Verherrlichung dessen bezogen wissen wollen, in dem sie sich rühmen, auf den Herrn, in dem ja eben ihre Seelen sich rühmen?4 Glauben wir also ihnen, die Wahres sagen und Wunderbares vollbringen. Darum nämlich, daß sie Wahres sagten, haben sie gelitten, um dann Wunderbares vollbringen zu können. Und unter diesem Wahren steht an der Spitze, daß Christus von den Toten auferstanden ist und die Unsterblichkeit des Auferstehungsleibes, die für uns nach seiner Verheißung zu Beginn der neuen oder am Ende der jetzigen Weltzeit eintreten wird, an seinem Fleische zuerst dargetan hat.

1: Exod. 8.
2: Vgl. oben VIII 27 [1. Band S. 440-442].
3: Vgl. oben II 8 [1. Band S. 88 f.].
4: Vgl. Ps. 33, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger