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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
22. Buch

4. Erwiderung auf den Einwurf der Weisen dieser Welt, daß der irdische Menschenleib nicht in eine himmlische Wohnstätte versetzt werden könne.

Doch die Gelehrten und Weisen natürlich glauben gegen die Wucht so gewaltiger Autorität, die alle Arten von Menschen, wie sie es längst vorher verkündet, zu solchem Glauben und solcher Hoffnung bekehrt hat, mit scharfsinnigen Gegenbeweisen wider die Auferstehung des Leibes aufkommen zu können, und sie machen sich dabei zu eigen, was Cicero im dritten Buch „Über den Staat“1 erwähnt. Er bemerkt dort im Anschluß an die Behauptung, daß Herkules und Romulus aus Menschen zu Göttern geworden seien: „Jedoch nicht ihr Leib ist in den Himmel erhoben worden; denn die Natur würde es nicht dulden, daß etwas, was von der Erde kommt, anderswo als auf der Erde bliebe.“ Das also ist die großartige Beweisführung der Weisen, deren „Gedanken der Herr als nichtig erkennt“2 . Wären wir nun aber nur Seelen, d. i. reine Geister ohne Leib, und wüßten wir, im Himmel wohnend, nichts um irdische Leibeswesen, und sagte man uns, wir würden dereinst durch ein wunderbares Band mit irdischen Leibern zu deren Beseelung verbunden werden, würden wir da nicht mit viel größerem Nachdruck uns dagegen wenden, den Glauben daran verweigernd, und uns darauf berufen, die Natur dulde es nicht, daß etwas Unkörperliches durch ein körperliches Band gefesselt werde? Und doch ist die Erde voll von Seelen, die solch irdische Glieder beleben, welche mit ihnen auf wunderbare Weise verbunden und verflochten sind. Warum sollte also, wenn der nämliche Gott, der solche Leibeswesen erschaffen hat, es will, nicht ein irdischer Leib zu einem himmlischen Leib erhoben werden können, da doch der Geist, der vorzüglicher ist als jeder Leib, also selbst als ein himmlischer, an einen irdischen Leib gebunden werden konnte? Sollte ein so winziges Fleischklümpchen, damit es Empfindung und Leben besitze, etwas, was besser ist als ein himmlischer Leib, festhalten dürfen, und der Himmel es verschmähen, dasselbe, nun jedoch mit Empfindung und Leben ausgestattete Klümpchen aufzunehmen, oder nicht imstande sein, es zu behalten, da es doch Empfindung und Leben gewinnt von etwas, was besser ist als jeder himmlische Leib? Zurzeit freilich geschieht das nicht; es ist eben die Zeit dazu noch nicht gekommen nach dem Willen dessen, der das eine wie das andere gewirkt hat, nämlich die viel wunderbarere Verbindung der Seele mit dem irdischen Leib, die nur eben, weil sie immer vor Augen steht, keinen Eindruck mehr macht, und die Aufnahme des Leibes in den Himmel, an die unsere Gegner nicht glauben wollen. Warum auch wundern wir uns nicht weit mehr darüber, daß unkörperliche Geister, vorzüglicher als himmlische Leiber, an irdische Leiber gebunden werden, als darüber, daß Leiber, wenn auch nur irdische, erhöht werden zu himmlischen Wohnsitzen, die immerhin auch körperhaft sind? Doch nur deshalb, weil wir das eine stets vor Augen haben und selber solche Wesen sind, während wir das andere noch nicht sind und auch nie noch gesehen haben. Denn ohne Zweifel zeigt sich bei nüchterner Betrachtung, daß es ein wunderbareres Gotteswerk ist, mit Unkörperlichem Körperliches sozusagen zu verflechten, als Körper und Körper zusammenzugesellen, mögen sie auch als himmlisch und irdisch voneinander verschieden sein.

1: Cicero, De republ. III 28.
2: Ps. 93, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger