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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
22. Buch

25. Welcher Starrsinn es ist, die Auferstehung des Fleisches zu bestreiten, die doch die ganze Welt glaubt, wie es vorhergesagt worden ist.

Nun besteht freilich bezüglich der geistigen Güter, jener Güter also, die der Geist nach diesem Leben in voller Glückseligkeit genießen wird, keine Meinungsverschiedenheit zwischen uns und den großen Philosophen; nur die Auferstehung des Fleisches bestreiten sie, die leugnen sie nach Kräften. Es bekennt sich indes zu diesem Glauben eine so große Mehrheit, daß nur herzlich wenige Leugner übrig geblieben sind, und Gebildete und Ungebildete, Weise dieser Welt und Unweise haben sich gläubigen Herzens zu Christus bekehrt, der in seiner eigenen Auferstehung das vor Augen geführt hat, was jenem Häuflein widersinnig erscheint. Damit nämlich hat die Welt etwas geglaubt, was Gott vorhergesagt hat, der zugleich auch vorhergesagt hat, daß die Welt den Glauben an diese Wahrheit annehmen würde. Und er ist doch sicher nicht durch Petri Zauberkünste1 dazu gebracht worden, die Auferstehung Christi mitsamt der jubelnden Zustimmung der Gläubigen so lange vorher schon zu verkünden. Es handelt sich ja um den Gott, vor dem [wie ich schon öfters gesagt habe2 nach dem Geständnis des Porphyrius, der das auch noch durch Aussprüche seiner Götter beweisen will, selbst die Gottheiten erschaudern, den er als Gott-Vater und König zu rühmen keinen Anstand nimmt. Denn davon kann keine Rede sein, daß Gottes Vorhersage so aufzufassen wäre, wie die es gerne sähen, die nicht mit der ganzen übrigen Welt das gläubig angenommen haben, dessen gläubige Annahme Gott vorhergesagt hat. Warum sollte denn das, dessen gläubige Annahme seitens der Welt vorhergesagt worden ist, gerade so aufzufassen sein, wie die wenigen Schwätzer sagen, die es nicht mit der ganzen übrigen Welt glauben wollen, und nicht vielmehr so, wie dessen gläubige Annahme vorhergesagt ist? Wollen sie etwa mit ihrer Behauptung, es sei anders aufzufassen, eine Unbill fernhalten von dem Gott, für den sie ein so großartiges Zeugnis ablegen, weil sie sonst sagen müßten, es sei etwas vorhergesagt, was sich nicht erfüllt? Aber da fügen sie ihm erst recht eine Unbill zu, ja eine noch größere, wenn sie sagen, es sei nicht so aufzufassen, wie die Welt es gläubig angenommen hat, deren gläubiges Verhalten gerade eben Gott hervorgehoben, verheißen und herbeigeführt hat. Ist er etwa nicht imstande zu bewirken, daß das Fleisch auferstehe und ewig lebe, oder verbietet sich die Annahme, daß er solches bewirken werde, deshalb, weil es ein Übel und etwas seiner Unwürdiges ist? Doch über seine Allmacht, womit er so vieles gar Unglaubliche bewirkt, habe ich mich schon reichlich ausgesprochen. Wollen sie etwas ausfindig machen, was der Allmächtige nicht kann, nun ja, ich will’s ihnen sagen: lügen kann er nicht. Indem wir es ablehnen zu glauben, was er nicht kann, werden wir von selbst zum Glauben geführt, daß er das kann, um was es sich hier handelt. Und so sollen auch jene, wenn sie nicht glauben, daß er lügen kann, glauben, daß er etwas wirklich vollbringen wird, dessen Ausführung er verheißen hat, und sie sollen es so glauben, wie die Welt es gläubig angenommen hat, deren Glauben er vorhergesagt, gebilligt, verheißen und augenscheinlich zur Annahme gebracht hat. Daß aber die Auferstehung ein Übel sei, sollen sie nur erst einmal beweisen. Bei ihr ist jegliches Verderbnis beseitigt, das ein Übel ist für den Leib. Daß die Elementenordnung kein Hindernis bildet, habe ich schon nachgewiesen3 ; und ebenso habe ich mich über die sonstigen Schwierigkeiten, die erhoben werden, zur Genüge ausgesprochen4 ; wie groß die Leichtigkeit der Bewegung bei einem unvergänglichen Leibe sein wird, habe ich durch den Hinweis auf den dermaligen Zustand bei guter Gesundheit, die doch noch lange nicht mit der Unsterblichkeit auf gleiche Stufe gestellt werden darf, im dreizehnten Buch verständlich zu machen gesucht5 . Man lese diese früheren Stellen nach, wenn man sie nicht gelesen hat oder sich den Inhalt wieder in Erinnerung bringen will.

1: Vgl. oben XVIII 53 f.
2: Vgl. oben XIX 22 und 23, erster Absatz.], aber gern nochmals wiederhole
3: XXII 11.
4: XXII 12-20.
5: XIII 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger