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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
22. Buch

18. Von dem „vollkommenen Manne“, womit Christus gemeint ist, und seinem Leibe, d. i. der Kirche, die seine „Fülle“ ist.

Ferner ist bei dem Ausspruch des Apostels, daß wir alle zum vollkommenen Manne gelangen werden, der ganze Zusammenhang der Stelle wohl im Auge zu behalten. Die Stelle lautet so1 : „Der Niedergefahrene ist derselbe wie der, der aufgefahren ist über alle Himmel, um alles zu erfüllen. Und er ist es, der geschenkt hat die einen als Apostel, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen tüchtig zu machen, ihren Dienst auszuführen, den Leib Christi zu bauen, bis wir endlich alle miteinander gelangen zur Einheit im Glauben und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollkommenen Manne, zum Maß des Vollalters Christi; denn wir sollen nicht länger unschlüssige Kinder sein und von jedem Wind der Lehre uns hin- und hertreiben lassen durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch Schlauheit, die auf Irreleitung sinnt, sondern wir sollen, die Wahrheit in Liebe betätigend, in allen Stücken zunehmen in dem, der das Haupt ist, Christus; von ihm aus wird der ganze Leib zusammengehalten und zusammengefügt und tut jedes Gelenk seinen Dienst mit der Wirksamkeit, die dem Maße jedes einzelnen entspricht; und die Folge ist, daß der Leib wächst und erbaut wird in Liebe.“ Hier steht es ja, wer der vollkommene Mann ist, Haupt und Leib, aus der Gesamtheit der Glieder bestehend, die vollständig sein werden zu ihrer Zeit, unterdessen aber Tag für Tag hinzutreten zu demselben Leibe, bis die Kirche erbaut ist, von der es heißt2 : „Ihr aber seid Christi Leib und Glieder“, und an anderer Stelle3 : „Für seinen Leib, der die Kirche ist“, und wieder anderswo4 : „Ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen.“ Von dem Bau dieses Leibes ist auch in unserer Stelle die Rede mit den Worten: „Um die Heiligen tüchtig zu machen, ihren Dienst auszuführen, den Leib Christi zu bauen“, und daran schließen sich dann die Worte, die uns hier beschäftigen; „Bis wir alle miteinander gelangen zur Einheit im Glauben und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollkommenen Manne, zum Vollmaß des Alters Christi“ und so weiter; welchen Leib er da im Auge hat, wo er vom Maße spricht, das sagt er dann in den Worten: „Wir sollen in allen Stücken zunehmen in dem, der das Haupt ist, Christus; von ihm aus wird der ganze Leib zusammengehalten und zusammengefügt und tut jedes Gelenk seinen Dienst mit der Wirksamkeit, die dem Maße des einzelnen entspricht.“ Wie es also ein Maß gibt für jeden Teil, so gibt es für den ganzen Leib, der aus der Gesamtheit seiner Teile besteht, ganz von selbst ein Vollmaß, und von ihm heißt es: „zum Vollmaß des Alters Christi“. Von dieser Fülle spricht er auch an der Stelle, wo er von Christus sagt5 : „Und ihn hat er zum Haupte gegeben über die ganze Kirche, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“ Indes selbst dann, wenn „der vollkommene Mann“ und „das Vollmaß des Alters Christi“ auf die Auferstehungsgestalt jedes einzelnen zu beziehen wäre, so könnten wir dennoch ohne Bedenken unter dem allein genannten Manne auch das Weib verstehen, gerade so gut wie in der Stelle6 : „Selig der Mann, der Gott fürchtet“ auch die Frauen mit inbegriffen sind, die Gott fürchten.

1: Eph. 4, 10-16.
2: 1 Kor. 12, 27.
3: Kol. 1, 24.
4: 1 Kor. 10, 17.
5: Eph. 1, 22 f.
6: Ps. 111,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger