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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
XIX. Kapitel

102.

1. Und der Pythagoreer Hippodamos schreibt, wie mir scheint, sehr schön: "Von den Freundschaften stammt die eine aus der Kenntnis der Götter, die andere aus der Freigebigkeit der Menschen, die dritte aus der Lust der [S. 224] Tiere."1 Also ist die eine Freundschaft die eines Philosophen, die zweite die eines Menschen, die dritte die eines Tieres.2

2. Denn tatsächlich ist Abbild Gottes ein Mensch, der Wohltaten erweist,3 wodurch er aber auch selbst Wohltaten erhält. Denn wie der Steuermann rettet er und wird zugleich gerettet. Wenn deshalb jemand um etwas bittet und es erhält, so sagt er zu dem Geber nicht: "Du hast recht gegeben", sondern: "Du hast recht empfangen."4 Auf diese Weise erhält der Geber, und gibt der Empfänger.

3. "Gerechte haben Mitleid und erbarmen sich."5 "Gute werden Bewohner des Landes sein; Unschuldige werden auf ihm wohnen bleiben; die Gottlosen aber werden von ihm vertilgt werden."6

4. Auch Homeros scheint mir auf den Gläubigen vorahnend hingewiesen zu haben, wenn er sagt: "Gib einem Freunde!"7 Man muß dem Freunde Liebe erweisen, auf daß er noch mehr Freund bleibe, dagegen dem Feind helfen, damit er nicht Feind bleibe. Denn durch die Hilfe wird das Wohlwollen befestigt, Feindschaft aber getilgt.8

5. "Denn wenn auch guter Wille vorhanden ist, so ist er Gott wohlgefällig, je nach dem, was er vermag, nicht nach dem, was er nicht vermag. Denn der Zweck ist nicht, daß anderen eine Erleichterung, euch aber eine Belastung entstehe. Vielmehr auf Grund der Gleichheit in dem gegenwärtigen Zeitpunkt",9 und die folgenden Worte, "Er hat reichlich ausgeteilt, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit",10 sagt die Schrift.

6. Denn mit dem Ausdruck "nach Gottes Bild und Ähnlichkeit"11 wird, wie wir auch schon früher sagten,12 nicht die leibliche Ähnlichkeit bezeichnet; denn es ist nicht verstattet, daß Sterbliches Unsterblichem in anderem ähnlich werde als in bezug auf Geist und Denken, wodurch der Herr ihm auch die Ähnlichkeit hinsichtlich des Wohltuns und Herrschens in angemessener Weise aufprägt.13

7. Denn ein Führeramt wird nicht durch körperliche [S. 225] Eigenschaften, sondern durch verständige Urteile richtig verwaltet.
"Denn durch der (frommen) Männer Klugheit geht der Stadt es gut
Und gut dem Hause."14

1: Vgl. E. Zeller, Philos. d. Griechen III 2, 4. Aufl.S 116 Anm.
2: Sacr. Par. 226 Holl.
3: Vgl. Cicero, Pro Q. Ligario 12,38.
4: Vgl. Apg 20,35.
5: Spr 21,16.
6: Ebd. 2,21f.
7: Nicht wörtlich bei Homeros; aber vgl. Od. 17,345.415.
8: Sacr. Par. 227 Holl.
9: 2 Kor 8,12-14.
10: Ebd. 9.9 (= Ps 111,9).
11: Vgl. Gen 1,26.
12: Vgl. Strom. II 97,1.
13: Vgl. Philon, De opif. mundi 69.
14: Euripides, Antiope Fr.200;vgl. Diog. Laert. VI 104; Stob. Flor. 54,5; 46,82; Pseudo-Plut. Vit. Hom. II 156 u.a.; das griechische Wort für "frommen" hat Clemens in den Vers eingesetzt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger