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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
21. Buch

17. Manche wollen eine ewige Dauer der Strafen für Menschen überhaupt nicht gelten lassen.

Nun werde ich aber noch mit unseren eigenen mitleidigen Seelen verhandeln und mich friedlich auseinandersetzen müssen, mit denen, die nicht glauben wollen, daß die Strafe eine ewige sein wird auch nur für einen jener Menschen, die der Allgerechte der Pein der Hölle für würdig erklärt, oder doch für gar alle, sondern meinen, nach Ablauf einer bestimmten, je nach der Große der Sünde längeren oder kürzeren Frist würden sie daraus befreit werden müssen. In diesem Punkte war Origenes sicher noch mitleidiger, der sogar den Teufel samt seinen Engeln nach allerdings schwereren und länger dauernden Strafen, wie sie ihren Mißverdiensten entsprächen, diesen Peinen entrissen und den heiligen Engeln beigesellt werden läßt. Jedoch ihn hat die Kirche mit Recht abgelehnt, wegen dieser Anschauung sowohl, wie auch wegen mancher anderen, besonders über einen endlosen Wechsel von Seligkeit und Unseligkeit und ein unaufhörliches Hin- und Herschwanken zwischen den beiden Zuständen in bestimmten Weltalterzeiten; er hat sich ja auch des scheinbaren Mitleids selber begeben, indem er den Heiligen wirkliches Elend zudachte, worin sie Strafe zu erdulden hätten, und andererseits eine falsche Glückseligkeit, worin sie keine wirkliche und sichere, d. i. aller Furcht überhobene Freude am ewigen Gut haben könnten. Aber ganz anders verhält es sich in unserem Fall mit dem Irrtum: das Mitleid fließt hier nur aus Mitgefühl für die Menschen; man denkt sich die Unseligkeit von Menschen, die bei jenem Gerichte verdammt werden, als zeitlich begrenzt, dagegen die Seligkeit, zu der alle früher oder später erlöst werden, als ewig dauernd. Wenn diese Meinung deshalb gut und richtig wäre, weil sie mitleidsvoll ist, so müßte sie ja um so besser und richtiger sein, je mehr sie mitleidsvoll wäre. Man lenke und vertiefe also doch diesen Strom von Mitleid bis zu den verdammten Engeln, sie zu erlösen, wenn auch erst nach vielen und beliebig langen Weltzeiten! Warum ergießt er sich nur über die gesamte Menschenwelt und versiegt mit einem Mal, sowie es zur Engelswelt geht? Aber sie getrauen sich nicht, ihr Mitleid weiter zu erstrecken und bis zur Erlösung auch des Teufels zu gehen. Getraut sich’s aber einer, so ist er ohne Zweifel den anderen über. Und dennoch irrt er, wie zutage liegt, um so gewaltiger und gerät mit dem wahren Gotteswort um so stärker in Widerspruch, je milder er zu empfinden sich schmeichelt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger