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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
21. Buch

14. Die zeitlichen Strafen hienieden, denen das menschliche Dasein unterworfen ist.

Sehr selten aber ist der Fall, daß man nur nach diesem Leben, und nicht hienieden schon Strafe zu erleiden hat. Immerhin hat es, wie ich selbst weiß und gehört habe, Leute gegeben, die bis in das höchste Greisenalter nicht das geringste Fieberchen verspürt und ihr Leben in Ruhe hingebracht haben. Beim Lichte betrachtet freilich ist das Leben von Sterblichen an sich schon lauter Strafe, weil es lauter Versuchung ist, wie die heiligen Schriften klar verkünden in jener Stelle1 : „Ist nicht eine Versuchung das Leben des Menschen auf Erden?“ Wahrlich, nicht eine geringe Strafe ist allein schon Unbildung oder Unwissenheit; mit Recht gilt sie als so meidenswert, daß man durch schmerzvolle Strafen die Knaben nötigt, irgendein Handwerk oder die Wissenschaften zu erlernen; und das Lernen selbst wieder, zu dem sie durch die Strafen angehalten werden, ist für sie so sehr eine Art Strafe, daß sie manchmal lieber die Strafen auf sich nehmen, durch die sie zum Lernen angetrieben werden, als daß sie lernen. Würde man sich vor die Wahl gestellt sehen, den Tod oder noch einmal die Kindheitsjahre über sich ergehen zu lassen, man würde bei dem bloßen Gedanken erschrecken und sich für den Tod entscheiden. Fängt doch die Kindheit das Leben unter der Sonne mit Weinen an und nicht mit Lachen und weissagt so gewissermaßen, ohne Kenntnis davon zu haben, welchen Leidensweg sie da betreten hat. Zoroaster allein soll gelacht haben bei seiner Geburt2 , und ihm hat dieses unnatürliche Lachen nichts Gutes vorbedeutet. Denn er ist, wie man sagt, der Erfinder der magischen Künste geworden, und diese vermochten ihn nicht einmal für das nichtige Glück des irdischen Lebens zu feien wider seine Feinde: er, der Baktrierkönig, ward vom Assyrerkönig Ninus im Kriege besiegt. Erfüllen muß sich, man kommt nicht darüber hinaus, was geschrieben steht3 : „Ein schweres Joch liegt auf den Kindern Adams vom Tag ihres Hervorganges aus dem Schoß ihrer Mutter bis zum Tag ihrer Bestattung in die Allmutter“, erfüllen muß es sich so allgemein, daß selbst die kleinen Kinder, durch das Bad der Wiedergeburt bereits frei gemacht aus der allein sie verstrickenden Fessel der Erbsünde, viel Schlimmes zu erdulden haben, manche sogar mitunter Anfälle böser Geister erleiden. Freilich schadet ihnen das nicht, wenn sie etwa das irdische Leben in solchem Alter beschließen eben infolge Zunahme des Leidens bis zur Verdrängung der Seele aus dem Leibe.

1: Job 7, 1.
2: Plin. 7, 16, 15.
3: Ekkli. 40, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger