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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
19. Buch

16. Von der rechten Ausübung der Herrschgewalt.

Wenn schon darum auch unsere gerechten Väter Sklaven gehabt haben, so walteten sie doch des Hausfriedens in der Weise, daß sie nur hinsichtlich der zeitlichen Güter einen Unterschied machten zwischen dem Los der Kinder und der Lage der Sklaven, dagegen zur Verehrung Gottes, in welchem man die ewigen Güter zu erwarten hat, alle Glieder ihres Hausstandes in gleicher Liebe anleiteten. Das ist so sehr eine Forderung der natürlichen Ordnung, daß davon die Bezeichnung Hausvater kommt, die so allgemein verbreitet ist, daß sich auch die ungerechte Gewaltausübung gern damit benennen läßt. Aber die wahren Hausväter leiten all ihre Hausangehörigen wie Kinder an zur Verehrung und Gewinnung Gottes und wünschen dabei sehnlichst, in jenes himmlische Haus einzugehen, wo ein Amt Sterblichen zu befehlen nicht nötig ist, weil das Amt der Anleitung sich von selbst erübrigt solchen gegenüber, die bereits in jener Unsterblichkeit glückselig sind; bis man dorthin gelangt, müssen eigentlich mehr die Väter das Befehlen in Geduld aushalten, als die Sklaven das Dienen. Wenn aber ein Hausangehöriger durch Ungehorsam den Hausfrieden stört, so wird er zurechtgewiesen durch Scheltworte oder Schläge oder sonst eine gerechte und erlaubte Strafart, so gut es eben Gesetz und Herkommen unter den Menschen gestatten, und zwar zu seinem eigenen Besten, damit er sich dem Frieden, von dem er abgewichen war, wieder füge. Denn so wenig, als es Wohlwollen ist, wenn man jemand dazu verhilft, ein höheres Gut zu verlieren, ist es auch ohne Fehl, wenn man durch Schonung geschehen läßt, daß einer in noch schwereres Übel gerät. Es gehört also zu den Pflichten des Rechtlichen, nicht allein niemand ein Übel zuzufügen, sondern auch von der Sünde zurückzuhalten oder die Sünde zu strafen, damit entweder der Betroffene selbst durch Erfahrung gebessert werde oder andere durch das Beispiel abgeschreckt werden. Weil nun die menschliche Familie den Anfang oder ein Teilchen des staatlichen Gemeinwesens bilden soll, jeglicher Anfang aber zu einem seiner Art entsprechenden Ziele, und jeglicher Teil zur Vollständigkeit des Ganzen, wovon er ein Teil ist, in Beziehung steht, so folgt daraus ganz klar, daß der Hausfriede zum Frieden des Gemeinwesens, d. h. daß die geordnete Eintracht der Hausgenossen im Befehlen und Gehorchen zu der geordneten Eintracht der Bürger im Befehlen und Gehorchen eine Beziehung hat. Daher kommt es, daß der Hausvater aus dem Gesetze des Gemeinwesens die Vorschriften zu entnehmen hat, nach denen er sein Haus so leiten soll, daß es sich dem Frieden des Gemeinwesens anpaßt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger