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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
18. Buch

29. Des Isaias Weissagungen über Christus und die Kirche.

Der Prophet Isaias findet sich nicht im Buche der zwölf Propheten, die man als die kleinen bezeichnet deshalb, weil ihre Mitteilungen kurz sind. Die Bezeichnung ist vergleichsweise zu verstehen gegenüber den großen Propheten, die deshalb so heißen, weil sie umfassende Bücher angelegt haben; zu ihnen gehört Isaias, den ich wegen der Gleichzeitigkeit seiner Prophetie hier gleich an die zwei vorigen anschließe. Er hat neben Rügen des Unrechts und Mahnungen zur Gerechtigkeit und Weissagung von Unheil, das dem sündhaften Volk zustoßen werde, auch über Christus und die Kirche, d. i. über den König und den von ihm gegründeten Staat, weit mehr als die übrigen Propheten verkündet, so daß manche ihn lieber einen Evangelisten als einen Propheten nennen1 . Ich werde indes, um mit meinem Werk zu einem Ende zu kommen, statt vieler nur eine Weissagung anführen. In der Person Gott-Vaters sprechend, sagt er2 : „Siehe, mein Knecht wird Einsicht haben und sehr erhöht und verherrlicht werden. Wie über dich viele staunen werden, so wird deine Gestalt und dein Ansehen von den Menschen beraubt werden der Herrlichkeit; so werden sich viele Völker über ihn wundern und Könige ihren Mund verschließen; denn schauen werden ihn solche, denen nichts über ihn verkündet worden ist, und verstehen die, die nichts gehört haben. Herr, wer hat unserer Verkündigung auf Anhören hin geglaubt, und wem wäre der Arm des Herrn kund? Wir haben vor ihm verkündet, wie ein Kind, wie eine Wurzel in dürrer Erde: Gestalt und Herrlichkeit hat er keine. Wir haben ihn gesehen, und er hatte nicht Gestalt noch Schönheit; vielmehr ist seine Gestalt ohne Auszeichnung, dahinwelkend mehr als die irgendeines anderen Menschen. Er ist ein in Pein versunkener Mensch und erfahren darin, Schwachheit zu tragen; denn abgewendet ist sein Antlitz, mißehrt ist er und wenig gilt er. Er trägt unsere Sünden und leidet für uns; und wir glaubten, er sei um seinetwillen in Leid und Pein und Bedrängnis. Doch um unserer Missetaten willen ist er verwundet, um unserer Sünden willen ist er schwach geworden. Die Anleitung zu unserem Frieden ist in ihm enthalten; durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Alle gingen wir in die Irre wie Schafe, der Mensch ist abgewichen von seinem Weg; und der Herr hat ihn dahingegeben für unsere Sünden; und er hat darüber, daß er heimgesucht ward, den Mund nicht aufgetan. Wie ein Schaf ließ er sich zur Schlachtbank führen, und wie ein Lamm vor dem, der es scheert, keinen Laut von sich gibt, so tat auch er seinen Mund nicht auf. In Niedrigkeit ward sein Recht beseitigt. Wer wird von seinem Geschlechte sprechen? Wird doch sein Leben entwurzelt aus der Erde! Die Missetaten meines Volkes haben ihn zum Tode geführt. Und ich werde die Bösen für sein Begräbnis geben und die Reichen für seinen Tod. Denn er hat kein Unrecht getan und keinen Trug in seinem Munde geführt; und der Herr will ihn frei machen von der Plage. Wenn ihr eure Seele hingebt für die Sünde, werdet ihr langwährendes Leben schauen; und der Herr will seine Seele herausnehmen aus der Pein, ihm Licht zeigen und seine Einsicht bilden, den Gerechten rechtfertigen, der so vielen trefflich dient; und ihre Sünden wird er selbst tragen. Darum wird er gar viele beerben und die Beute der Mächtigen teilen, weil seine Seele dahingegeben worden ist in den Tod und er zu den Missetätern gezählt ward und doch nur die Sünden vieler getragen hat und um ihrer Sünden willen dahingegeben wurde.“ Soviel über Christus.

Wollen wir nun hören, was er im Anschluß daran über die Kirche sagt3 : „Freu dich, Unfruchtbare, die du nicht gebierst; frohlocke und jauchze, die du keine Wehen hast; denn mehr Kinder hat die Verlassene als die, die einen Mann hat. Erweitere den Raum deines Zeltes und deiner Vorhänge; schlage ein, und nicht zu nahebei, verlängere deine Seile und befestige deine

Pfähle, weiter, noch weiter nach rechts und nach links. Und dein Same wird die Völker beerben, und du wirst verlassene Städte bewohnen. Fürchte dich nicht, weil du beschämt worden bist, habe keine Scheu, weil man dich beschimpft hat; denn ewige Schande wirst du vergessen und der Schmach deiner Witwenschaft nicht mehr gedenken. Denn der Herr ist’s, der dich geschaffen, Herr der Heerscharen ist sein Name; und der dich erlöst, er wird der Gott Israels auf der ganzen Erde genannt werden“; und so weiter. Dies möge genügen; und auch davon bedürfte manches noch erst der Auslegung; aber ich glaube, es ist darunter dessen genug, was so deutlich ist, daß selbst unsere Gegner es verstehen müssen, ob sie wollen oder nicht.

1: Hieron, epist. 117.
2: Is. 52, 13-15; 53, 1-12.
3: Is. 54, 1-5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger