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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
17. Buch

10. Ganz anders, als Gott hier verheißen hatte, trug es sich im irdischen Jerusalem zu, damit man erkenne, dass sich die Verheißung in Wirklichkeit auf die Herrlichkeit eines anderen Königs und Reiches beziehe.

Auf diese so feierlichen und bestimmten Zusagen folgt nun, damit man sie nicht in Salomon für erfüllt halte, wie wenn es gälte, eine solche vergebliche Hoffnung abzuwehren: „Du aber hast verworfen und zunichte gemacht, o Herr“1 . Das nämlich hat sich zugetragen mit dem Reiche Salomons unter dessen Nachkommen, und zwar in einem Maße, daß das irdische Jerusalem selbst, der Sitz jenes Reiches, zerstört wurde und insbesondere auch der von Salomon erbaute Tempel zugrunde ging. Damit man aber deshalb nicht meine, Gott habe wider seine Verheißungen gehandelt, schloß der Psalmist unmittelbar die Worte daran: „Du hast hinausgezögert Deinen Gesalbten.“ Wenn also der Gesalbte des Herrn hinausgezögert wird, so ist nicht Salomon noch auch David dieser Gesalbte. Obwohl nämlich als Gesalbte des Herrn alle Könige bezeichnet wurden wegen der Weihe mit jenem geheimnisvollen Chrisma, nicht erst von König David ab und weiterhin, sondern schon von Saul an, der als der erste König für dieses Volk gesalbt worden ist [David selbst nennt ihn ja den Gesalbten des Herrn2 ], so gab es doch nur einen wahren Gesalbten, und jene Könige waren nur dessen Schatten vermöge der vorbildlichen Salbung. Dieser wahre Gesalbte verzog sich in die Länge nach der Ansicht der Leute, die ihn in David oder Salomon zu sehen vermeinten; nach dem Ratschluß Gottes dagegen wurde dessen zur bestimmten Zeit erfolgende Ankunft vorbereitet.

Was sich unterdessen, während der Gesalbte hinausgezögert wurde, mit dem Reiche des irdischen Jerusalems zutrug, wo er ja doch die Herrschaft übernehmen sollte, wie man hoffte, das schildert der Psalm in den sich anschließenden Worten: „Du hast den Bund mit Deinem Knechte umgestoßen, sein Heiligtum zur Erde entweiht; all seine Mauern hast Du zerstört, seine Befestigungen erzittern gemacht; geplündert haben es alle, die des Weges kamen, zum Gespötte ward es seinen Nachbarn; Du erhöhtest die Hand seiner Feinde, all seine Feinde erfülltest Du mit Jubel; Du wandtest ab die Hilfe seines Schwertes und standest ihm nicht bei im Kriege; seinen Glanz hast Du zernichtet, seinen Thron zu Boden geschleudert; verkürzt hast Du die Tage seines Thrones und es mit Schmach übergossen.“ All das ist hereingebrochen über die Magd Jerusalem, in der allerdings auch manche Söhne der Freien regierten, die dieses Reich nur inne hatten in zeitlicher Verwaltung, das Reich des himmlischen Jerusalems aber, dessen Kinder sie waren, in wahrem Glauben festhielten und im wahren Gesalbten erhofften. Wie aber all das Unheil über jenes Reich kam, das zeigt der Tatsachenbericht der Geschichte.

1: Ebd. 88, 39-46.
2: 1 Kön. 24, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger