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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
17. Buch

9. Im 88. Psalm findet sich eine Weissagung über Christus, die ganz ähnlich ist der in den Büchern der Königreiche durch den Propheten Nathan verkündeten Verheißung.

Deshalb werden die an den König David ergangenen Verheißungen Gottes auch im 88. Psalm erwähnt, der überschrieben ist: „Eine Unterweisung für Äthan, den Israeliten“, und es kommt dort manches vor, was ähnlich lautet wie die aus dem Buch der Königreiche angeführte Stelle. So heißt es1 ; „Ich habe David, meinem Knecht, geschworen: In Ewigkeit will ich bereiten deinen Samen.“ Und wieder2 : „Damals redetest du im Gesichte zu deinen Söhnen und sprachst: Ich habe Hilfe gelegt auf einen Mächtigen, einen Auserwählten aus meinem Volke habe ich erhöht. Ich habe David gefunden, meinen Knecht, mit meinem heiligen Öle habe ich ihn gesalbt. Denn meine Hand soll ihm helfen und mein Arm ihn stärken. Nichts soll der Feind über ihn vermögen, und der Sohn der Bosheit soll ihm nicht schaden. Und ich will zermalmen seine Feinde vor seinem Angesicht und in die Flucht schlagen, die ihn hassen. Meine Wahrheit und meine Barmherzigkeit sei mit ihm, und in meinem Namen soll sein Horn erhöht werden. Ich will aufs Meer legen seine Hand und auf die Ströme seine Rechte. Er wird mich anrufen: Mein Vater bist Du und der Hort meines Heiles. Und ich will ihn zum Erstgeborenen machen, erhaben bei den Königen der Erde. In Ewigkeit werde ich ihm mein Erbarmen wahren und treu meinen Bund. Ich will seinen Samen in alle Ewigkeit dauern lassen und seinen Thron gleich den Tagen des Himmels.“ All das bezieht sich, recht verstanden, auf den Herrn Jesus, der hier unter dem Namen Davids eingeführt wird wegen der Knechtsgestalt, die er, der Mittler, vom Samen Davids aus der Jungfrau angenommen hat. Im Anschluß daran ist auch die Rede von Sünden seiner Söhne, in Worten, wie sie auch im Buch der Königreiche stehen und voreilig auf Salomon bezogen werden. Dort nämlich, im Buch der Königreiche, heißt es3 : „Und wenn es zu Missetat bei ihm kommt, so werde ich ihn strafen mit der Rute der Männer und mit Schlägen, wie man Menschenkinder züchtigt; mein Erbarmen aber will ich nicht verrücken von ihm“; wobei mit Schlägen Strafheimsuchungen gemeint sind, wie es an anderer Stelle heißt4 : „Schlaget meine Gesalbten nicht“, was doch soviel heißt wie „tut ihnen kein Leid“. In unserem Psalme also, der dem Wortlaut nach von David handelt, kommt, wie gesagt, ebenfalls etwas Derartiges vor; es steht dort nämlich5 :“ Wenn aber seine Söhne mein Gesetz verlassen und nicht in meinen Rechten wandeln, wenn sie meine Satzungen entweihen und meine Gebote nicht beobachten, so werde ich mit der Rute ihre Missetaten heimsuchen und mit Schlägen ihre Sünden; mein Erbarmen aber werde ich nicht von ihm abwenden.“ Es heißt nicht „von ihnen“, obwohl von Davids Söhnen die Rede ist und nicht von David, sondern es heißt „von ihm“, was richtig verstanden dasselbe bedeutet. Denn an Christus selbst, der das Haupt der Kirche ist, findet sich keinerlei Sünde, die Gott strafen müßte durch menschliche Heimsuchungen unter Wahrung seines Erbarmens; wohl aber an seinem Leib und seinen Gliedern, das ist an seinem Volke. Deshalb heißt es im Buch der Königreiche: „Missetat bei ihm“, dagegen im Psalm ist von Missetat seiner Söhne die Rede; es wird damit unserem Verständnis nahegelegt, daß in einem gewissen Sinne von ihm selbst ausgesagt wird, was von seinem Leibe gilt. Darum ließ er sich auch selbst vom Himmel her vernehmen, als Saulus seinen Leib, das ist seine Gläubigen, verfolgte6 : „Saulus, Saulus, was verfolgst du mich?“ Sodann heißt es weiter im Psalm7 : „Noch werde ich es fehlen lassen an meiner Wahrheit, noch meinen Bund entweihen oder zunichte machen, was von meinen Lippen gekommen ist. Einmal habe ich geschworen bei meinem Heiligtum: Wenn ich dem David das Wort bräche“; das heißt, nach dem Sprachgebrauch der Schrift, nimmer werde ich dem David das Wort brechen. Worin er ihm aber Wort hält, ist angegeben in der beigefügten Verheißung8 : „Sein Same währt in Ewigkeit; und sein Thron wie die Sonne vor meinem Antlitz und wie der Mond so vollkommen in Ewigkeit, und treu ist der, der Zeugnis gibt im Himmel.“

1: Ps. 88, 4 f.
2: Ebd. 88, 20-30.
3: 2 Kön. 7, 14 f.
4: Ps. 104, 15.
5: Ps. 88, 31-34.
6: Apg. 9, 4.
7: Ps. 88, 34-36.
8: Ps. 88, 37 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger