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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
17. Buch

8. Was dem König David in seinem Sohne verheißen ward, trifft in vollem Umfang durchaus nicht auf Salomon zu, wohl aber auf Christus.

Nunmehr werde ich aufzuzeigen haben, was Gott — soweit es zu unserem Gegenstand gehört — dem David selbst verheißen hat, der dem Saul im Königtum nachfolgte, ein Wechsel, der jenen letzten Wechsel vorbildete, um dessentwillen alle göttlichen Aussprüche ergingen, alle aufgezeichnet wurden. Nachdem dem König David vieles glücklich vonstatten gegangen war, gedachte er Gott ein Haus zu bauen, jenen hoch- und weitberühmten Tempel, der nachmals von seinem Sohne, König Salomon, erstellt worden ist. Während er sich mit diesem Gedanken trug, erging das Wort des Herrn an den Propheten Nathan1 mit dem Auftrag, es dem König zu übermitteln. Dabei wies Gott zunächst darauf hin, daß ihm nicht von David selbst das Haus erbaut würde und daß er die ganze lange Zeit her niemand in seinem Volke den Auftrag gegeben habe, ihm ein Haus aus Zedern zu errichten. Dann fährt er fort: „Und nun sollst du zu meinem Knechte David sagen: Dies spricht der Herr, der Allmächtige: Ich nahm dich von der Schafhürde, ein Fürst zu sein über mein Volk, über Israel, und ich bin mit dir gewesen in allem, was du unternahmst, und habe alle deine Feinde vertilgt vor dir her und habe dir einen Namen gemacht gleich dem Namen der Großen, die auf Erden sind; und ich will meinem Volk Israel eine Stätte gewähren und es einpflanzen, und es soll gesondert wohnen und weiterhin nicht bekümmert sein; und der Sohn der Bosheit wird es fürder nicht mehr demütigen wie von Anbeginn an seit den Tagen, da ich Richter gesetzt habe über mein Volk Israel; und ich will dir Ruhe geben vor allen deinen Feinden, und der Herr wird dir verkünden, daß du ihm ein Haus bauen sollst. Und es wird geschehen: Wenn deine Tage zu Ende gegangen sind und du bei deinen Vätern ruhen wirst, da will ich nach dir deinen Samen erwecken, der aus deinen Lenden kommen soll, und werde ihm ein Reich bereiten. Der wird meinem Namen ein Haus erbauen, und ich werde seinen Thron aufrichten auf ewig. Ich will ihm zum Vater sein und er soll mir zum Sohne sein. Und wenn es zu Missetat bei ihm kommt, so werde ich ihn strafen mit der Rute der Männer und mit Schlägen, wie man Menschenkinder züchtigt; mein Erbarmen aber will ich nicht verrücken von ihm, wie ich es verrückt habe von denen, von welchen ich mein Antlitz abgewendet habe; und treu wird sein Haus sein, und seine Herrschaft soll dauern vor mir auf ewig und sein Thron aufrecht stehen auf ewig.“

Weit gefehlt wäre es, diese großartige Verheißung in Salomon erfüllt sehen zu wollen. Das kann man nur, wenn man sich einseitig an das Wort hält: „Der wird mir ein Haus erbauen“, im Hinblick darauf, daß Salomon jenen weltberühmten Tempel errichtet hat, und nicht berücksichtigt, daß es heißt: „Treu wird sein Haus sein, und seine Herrschaft soll dauern vor mir auf ewig“. Salomons Haus, voll von fremdvölkischen Weibern, die falsche Götter verehrten, und der König selbst, einst so weise, von ihnen zur gleichen Abgötterei verführt und hinabgezogen! Das soll man doch im Auge behalten, und man wird sich vor die unannehmbare Wahl gestellt sehen, Gott entweder eine lügenhafte Verheißung zuzuschreiben oder ihm das Vorherwissen um diesen Wandel bei Salomon und seinem Hause abzusprechen. Daß hier Salomon nicht selbst gemeint ist, müßte uns auch dann feststehen, wenn wir diese Verheißung nicht schon an Christus, unserem Herrn, sich erfüllen sähen, der geboren ist aus Davids Samen dem Fleische nach2 , was uns der vergeblichen Mühe überhebt, hierfür noch erst nach einem anderen zu suchen, wie die fleischlich gesinnten Juden. Denn selbst auch sie verstehen unter dem Sohne, der hier dem König David verheißen erscheint, durchaus nicht den Salomon; vielmehr versichern sie, daß sie erst noch einen erwarten, geschlagen mit unfaßbarer Blindheit, da sich doch der Verheißene schon in so großartiger Deutlichkeit kundgetan hat. Bis zu einem gewissen Grad ist ja auch in Salomon ein Vorbild des Künftigen eingetreten, sofern er den Tempel erbaut und Frieden gehabt hat, wie es schon sein Name besagt3 , und zu Beginn seiner Regierung ausnehmend preiswürdig war; aber in dieser seiner Person verkündete eben auch er, ohne selbst schon die Erfüllung zu sein, Christum, den Herrn, als ein vorausgeworfener Schatten. Daraus erklärt es sich, daß sich manches, was über ihn geschrieben steht, wie eine Weissagung über Christus liest, weil eben die Hl. Schrift auch durch Geschehnisse prophezeit und so auch in Salomon bis zu einem gewissen Grad ein Bild des Künftigen entworfen hat. So ist außer den Büchern der göttlichen Geschichte, worin seine Regierung geschildert wird, auch der 71. Psalm ihm gewidmet laut Titelüberschrift, die seinen Namen trägt. Und darin ist soviel enthalten, was auf ihn in keiner Weise paßt, dagegen auf Christus den Herrn aufs klarste und genaueste, daß es in die Augen springt, wie in Salomon nur in beschränktem Maße ein Vorbild entworfen, in Christus dagegen die wirkliche Erfüllung dargeboten ist. Es sind zum Beispiel, um nur eines herauszugreifen, die Grenzen des Reiches Salomons bekannt; in dem Psalm aber heißt es4 : „Er wird herrschen von einem Meere zum anderen und vom Flusse bis zu den Grenzen des Erdkreises“, was wir in Christus sich erfüllen sehen. Vom Flusse nahm ja seine Herrschaft ihren Ausgang, dort ward er nach der Taufe durch Johannes und auf dessen Hinweis zuerst von den Jüngern erkannt, die ihn nicht nur Meister, sondern auch Herrn nannten.

Und wenn Salomon noch bei Lebzeiten seines Vaters David die Regierung antrat5 , was bei keinem anderen König der Juden sich wiederholte, so erhellt auch daraus zur Genüge, daß nicht er mit jener Weissagung gemeint ist, die seinem Vater verheißt: „Und es wird geschehen : Wenn deine Tage zu Ende gegangen sind und du bei deinen Vätern ruhen wirst, da will ich nach dir deinen Samen erwecken, der aus deinen Lenden kommen soll, und werde ihm ein Reich bereiten.“ Diese Vorhersage darf man doch nicht wegen der folgenden Worte: „Der wird mir ein Haus erbauen“ auf Salomon beziehen; man muß sie vielmehr wegen der vorangehenden Worte: „Wenn deine Tage zu Ende gegangen sind und du bei deinen Vätern ruhen wirst, da will ich nach dir deinen Samen erwecken“ als Verheißung eines anderen Friedensfürsten auffassen; denn der, von dem hier die Rede ist, sollte nicht, wie Salomon, vor Davids Tode, sondern nach dessen Tode erweckt werden gemäß der Vorhersage. Mochte Christus auch erst lange Zeit hernach kommen, jedenfalls mußte auf Grund dieser Verheißung erst nach König Davids Tode der kommen, der Gott ein Haus erbauen sollte, nicht von Holz und Stein, sondern aus Menschen, wie Christus — des freuen wir uns — eines baut. An dieses Haus, d. i. an die Christgläubigen, richtet ja der Apostel die Worte6 : „Denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“

1: 2 Kön. 7, 4-16.
2: Vgl. Röm. 1, 8.
3: Salomon heißt nämlich soviel wie friedreich
4: Ps. 7l, 8.
5: 3 Kön. 1, 32-40.
6: 1 Kor. 3, 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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