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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
17. Buch

18. Von den Psalmen 3, 40, 15 und 67, in denen der Tod und die Auferstehung des Herrn geweissagt wird.

Auch die Auferstehung des Herrn übergehen die Psalmenweissagungen keineswegs. Worauf sonst auch sollten sich die Worte beziehen, die ihm der 3. Psalm in den Mund legt1 : „Ich schlief ein zu tiefem Schlafe; ich stand auf, weil der Herr mich aufnahm“? Oder wäre wirklich jemand so einfältig zu glauben, der Prophet habe uns als etwas Wichtiges mitteilen wollen, daß er schlief und wieder aufstand, wie man doch annehmen müßte, wenn nicht dieser Schlaf der Tod wäre und das Erwachen die Auferstehung, die von Christus geweissagt werden sollte in solcher Form? Denn es zeigt sich das auch und noch viel deutlicher im 40. Psalm, wo demselben Mittler, wie das so üblich ist, Weissagungen künftiger Ereignisse als Erzählung vergangener in den Mund gelegt werden; denn das Kommende hatte sich in der Vorherbestimmung und dem Vorherwissen Gottes gleichsam schon zugetragen, weil sein Eintritt gewiß war. Dort also spricht er2 : „Meine Feinde redeten Böses wider mich: Wann wird er sterben und sein Name vergehen? Und wenn einer herzu kam, um zu sehen, so redete sein Herz Eitles, sammelte in sich Bosheit. Sie gingen hinweg und besprachen sich miteinander. Wider mich flüsterten sich zu alle meine Feinde, wider mich sannen sie auf Böses. Ein arges Gerede erhoben sie wider mich: Wird der, der schläft, nicht wieder aufstehen?“ Hier sind doch sicher diese Worte in einen Zusammenhang gebracht, daß sie nur den einen Sinn haben können: „Wird der, der stirbt, nicht wieder aufleben?“ Denn das Vorangehende zeigt, daß seine Feinde auf seinen Tod sannen und antrugen und daß dies geschah von Seiten dessen, der herzukam, um zu sehen, und hinwegging, um zu verraten. Wer dächte da nicht an Judas, der aus seinem Jünger sein Verräter wurde? Weil sie nun ihr Vorhaben wirklich ausführen, das heißt ihn töten sollten, so fügt er, um zu zeigen, daß sie in eitler Bosheit vergeblich einen zur Auferstehung Berufenen töten würden, diesen Vers bei in dem Sinne, als ob er sagte: Was tut ihr da Eitles? Was für euch ein Verbrechen ist, wird für mich nur ein Schlaf sein: „Wird der, der schläft, nicht wieder aufstehen?“ Daß sie gleichwohl ein so großes Unrecht nicht ungestraft verüben sollten, deutet er in den folgenden Versen an3 : „Denn der Mann, mit dem ich Frieden hatte, auf den ich mein Vertrauen setzte, der mein Brot aß, hat die Ferse auf mich gesetzt“, das heißt, hat mich mit Füßen getreten. „Du aber, Herr, erbarme Dich meiner und erwecke mich wieder, so will ich ihnen vergelten.“ Und wer möchte noch die Vergeltung leugnen, wenn er die Juden nach Christi Tod und Auferstehung durch vernichtende Niederlage im Krieg von Grund aus entwurzelt sieht? Der von ihnen Getötete ist auferstanden und hat ihnen einstweilen mit zeitlicher Züchtigung vergolten, abgesehen von dem, was er für die Unverbesserlichen vorbehalten hat, wenn er die Lebendigen und die Toten richten wird. Hat doch der Herr Jesus selbst, als er eben jenen Verräter durch Darreichung des Brotes seinen Aposteln kundgab, gerade diesen Psalmvers erwähnt und als an sich erfüllt beieichnet4 : „Der mein Brot aß, hat die Ferse auf mich gesetzt.“ Wenn es freilich heißt: „Auf den ich mein Vertrauen setzte“, so gilt das vom Leibe, nicht vom Haupte. Denn der Erlöser kannte ihn sehr wohl; hatte er doch von ihm schon vorher gesagt5 : „Einer von euch wird mich verraten“ und „einer von euch ist ein Teufel“. Er pflegt jedoch die Rolle seiner Glieder auf sich zu übertragen und, was von ihnen gilt, sich zuzuschreiben, weil Haupt und Leib den einen Christus ausmachen; daher das Wort im Evangelium6 : „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben“, was er dahin auslegt: „Was ihr einem von meinen Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ In diesem Sinne also sagte er, er selbst habe von Judas vertrauensvoll das erwartet, was in Wirklichkeit seine Jünger von Judas erwarteten, als er unter die Apostel aufgenommen wurde.

Die Juden aber hoffen, daß der Christus, auf den sie hoffen, nicht sterben werde. Deshalb glauben sie nicht, daß unser Christus der sei, den Gesetz und Propheten verkündet haben, sondern der Ihrige sei irgendeiner, den sie sich als erhaben über Leiden und Tod vorstellen. Deshalb behaupten sie mit befremdender Grundlosigkeit und Blindheit, die angeführten Worte deuteten nicht auf Tod und Auferstehung hin, sondern auf Schlaf und Erwachen. Allein auch der 15. Psalm ruft ihnen mit lauter Stimme zu7 : „Darum ist mein Herz erfreut, und es frohlockt meine Zunge, und überdies wird auch mein Fleisch ruhen in der Hoffnung; denn du wirst meine Seele nicht in der Unterwelt lassen und deinem Heiligen die Verwesung nicht zu schauen geben.“ Wer nun könnte behaupten, sein Fleisch ruhe in solcher Hoffnung, daß es, weil die Seele dieses Fleisches nicht in der Unterwelt belassen wird, sondern alsbald zu ihrem Fleische zurückkehrt, wiederum Leben gewinnt und nicht der Verwesung anheimfällt wie sonst die Leichname? Das kann doch nur der, der am dritten Tage auferstanden ist. Jedenfalls können es die Juden nicht von dem Propheten und König David behaupten. Auch der 67. Psalm verkündet klar8 : „Unser Gott ist ein Gott des Heiles, und der Herr nimmt seinen Ausgang durch den Tod.“ Deutlicher kann man nicht reden. Der Gott des Heiles ist Jesus, was soviel heißt wie Heiland oder heilsam. Denn das ist als Grund für die Beilegung dieses Namens angegeben worden, als es vor seiner Geburt aus der Jungfrau hieß9 : „Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen; denn er wird sein Volk heilen von seinen Sünden.“ Und weil zum Nachlaß dieser Sünden sein Blut vergossen worden ist, so blieb für ihn natürlich kein anderer Ausgang aus diesem Leben übrig als der durch den Tod. Darum wird der Versicherung: „Unser Gott ist ein Gott des Heiles“ sofort beigefügt: „Und der Herr nimmt seinen Ausgang durch den Tod“, um darauf hinzuweisen, daß er durch seinen Tod das Heil bringen werde. Aber wie in heller Verwunderung heißt es: „Und der Herr“, wie wenn damit gesagt würde: „Derart ist das irdische Leben der Sterblichen, daß selbst der Herr nur durch den Tod den Ausgang daraus gewann.“

1: Ebd. 3, 6.
2: Ebd. 40, 6-9.
3: Ps. 40, 10 f.
4: Joh. 13, 18; 26.
5: Joh. 6, 71; 13, 21.
6: Matth. 25, 35; 40.
7: Ps. 15, 9 f.
8: Ps. 67, 21.
9: Matth. 1, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger