Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
16. Buch

6. Die Bedeutung des Sprechens Gottes mit den Engeln.

Man könnte auch das bei Erschaffung der Menschen gesprochene Wort: „Lasset uns den Menschen machen“ auf die Engel beziehen, da es ja nicht heißt: „Ich will machen“; weil jedoch darauf folgt: „nach unserm Bilde“ und die Annahme unzulässig ist, der Mensch sei nach dem Bilde der Engel gemacht oder das Bild der Engel und das Bild Gottes sei ein und dasselbe, so bezieht man hier die Mehrzahl mit Recht auf die Dreifaltigkeit. Aber diese Dreifaltigkeit ist ein Gott, und darum heißt es, obwohl voranging: „Lasset uns machen“, im folgenden: „Und es schuf Gott den Menschen nach dem Bilde Gottes“; nicht aber: „es schufen die Götter“, noch auch „nach dem Bilde der Götter“. Auch in unserer Stelle: „Kommet, lasset uns hinabsteigen und ihre Sprache daselbst verwirren“ könnte man diese Dreifaltigkeit verstehen, als habe das der Vater zum Sohne und zum Heiligen Geist gesprochen, wenn irgend etwas die Beziehung auf die Engel verbieten würde, denen es besser ansteht, zu Gott zu kommen durch heilige Bewegungen, d. i. durch fromme Gedanken, durch die sie die unwandelbare Wahrheit als das ewige Gesetz an ihrem himmlischen Hofe zu Rat ziehen. Denn sie sind nicht sich selbst die Wahrheit, sondern, teilhaft der schöpferischen Wahrheit, bewegen sie sich zu ihr hin wie zum Quell ihres Lebens, um aus ihr zu schöpfen, was sie nicht aus sich selbst haben. Und diese Bewegung ist bei ihnen eine feststehende, immer auf das Ziel gerichtet, nie von ihm abgekehrt. Auch spricht Gott mit den Engeln nicht so wie wir miteinander oder mit Gott oder den Engeln oder die Engel ihrerseits mit uns oder Gott mit uns durch sie, sondern auf seine unaussprechliche Art; dagegen uns wird das mitgeteilt als ein Sprechen nach menschlicher Art. Das erhabenere Sprechen Gottes vor seinem Handeln ist die unwandelbare Vorstellung eben dieses Handelns, der nicht ein tönender und entschwebender Laut eigen ist, sondern ewig bleibende und zeitlich wirkende Kraft. In dieser Sprache redet er zu den Engeln, zu uns dagegen, die wir weit von ihm sind, redet er anders. So oft aber auch wir etwas von solcher Sprache mit unsern inneren Ohren vernehmen, nähern wir uns den Engeln. Ich brauche also nicht immer wieder von neuem in diesem Werke Aufschluß zu geben über das Sprechen Gottes. Entweder spricht die unwandelbare Wahrheit unmittelbar zum Geiste des vernünftigen Geschöpfes, oder sie spricht durch ein wandelbares Geschöpf, und dann entweder mittels geistiger Bilder zu unserm Geiste oder mittels hörbarer Stimme zu unserm Leibessinn.

Die Worte1 : „Und nun wird nicht alles mißlingen von dem, was sie zu tun unternommen haben“, sind nicht behauptend, sondern gleichsam fragend gemeint, so wie man sich bei Drohungen ausdrückt, wie zum Beispiel, wenn es heißt2 :

„Waffnen die Leute sich nicht, aus allen Toren ihm folgend?“

Es ist also so aufzufassen, wie wenn es hieße: „Wird denn nicht alles mißlingen von dem, was sie zu tun unternommen haben? Doch bei dieser Fassung kommt die Drohung nicht zum Ausdruck. Jedoch wegen der schwächeren Leser haben wir ein Umstandswort beigefügt, nämlich „denn“ [ne], und gesagt: „Wird denn nicht“ [nonne]; die Betonung läßt sich eben nicht schreiben.

Von jenen drei Menschen also, den Söhnen Noes, nahmen ihren Ausgang die dreiundsiebzig, oder vielmehr, wie sich aus der Begründung ergeben wird, die zweiundsiebzig Völker mit ebenso vielen Sprachen über die Erde hin und sie bevölkerten in ihrem Anwachsen auch die Inseln. Doch wuchs die Zahl der Völker weit stärker als die der Sprachen. Wie wir denn in Afrika eine sehr große Zahl von Barbarenvölkern kennen, die die gleiche Sprache haben.

1: Gen. 11, 6.
2: Verg. Aen. 4, 592.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. 8. Buch
. 9. Buch
. 10. Buch
. 11. Buch
. 12. Buch
. 13. Buch
. 14. Buch
. 15. Buch
. 16. Buch
. . 1. Lassen sich nach ...
. . 2. Die Söhne Noes ...
. . 3. Die Geschlechtsfolgen ...
. . 4. Die Sprachenverwirrung ...
. . 5. Gottes Herabsteigen ...
. . 6. Die Bedeutung des ...
. . 7. Erhielten auch die ...
. . 8. Sind auch die manch...
. . 9. Sind auf dem nach ...
. . 10. Von der Nachkommen...
. . 11. Die ursprüngliche ...
. . 12. Der Zeitabschnitt, ...
. . 13. Warum wohl bei ...
. . 14. Das Lebensalter ...
. . 15. Der Zeitpunkt des ...
. . 16. Reihenfolge und ...
. . 17. Von den drei bedeu...
. . 18. Die zweite Ansprache, ...
. . 19. Sara, die von Abra...
. . Mehr
. 17. Buch
. 18. Buch
. 19. Buch
. 20. Buch
. 21. Buch
. 22. Buch

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger