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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
16. Buch

34. Die Bedeutung der Vermählung Abrahams mit Cetturra nach dem Tode der Sarra.

Was hat es nun damit für eine Bewandtnis, daß Abraham nach dem Tode der Sarra die Cetturra zur Frau nahm? An Unenthaltsamkeit dürfen wir dabei entfernt nicht denken, schon das vorgeschrittene Alter und die sattsam erwiesene Glaubensheiligkeit verbieten es. War sein Sinn vielleicht noch auf weitere Nachkommenschaft gerichtet, da er doch auf Gottes Verheißung hin in heilig erprobtem Glauben festhielt an der Vermehrung der Nachkommenschaft aus Isaak nach der Zahl der Sterne des Himmels und des Sandes der Erde? Aber wenn Agar und Ismael nach der Weisung des Apostels1 die fleischlich Gesinnten des Alten Testamentes bedeuten, warum sollen dann Cetturra und ihre Kinder nicht die fleischlich Gesinnten bedeuten, die sich zum Neuen Testamente rechnen? Die eine wie die andere wird sowohl Abrahams Frau wie auch seine Beischläferin genannt, während Sarra nie Beischläferin heißt. Bei der Übergabe der Agar an Abraham heißt es2 : „Da nahm Sara, Abrams Frau, ihre ägyptische Magd Agar, zehn Jahre, nachdem Abram im Lande Chanaan seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte, und gab sie ihrem eigenen Manne Abram zur Frau“. Über Cetturra aber, die Abraham nach dem Tode der Sarra zu sich nahm, lesen wir3 : „Da nahm Abraham abermals eine Frau; sie hieß Cetturra“. Also Frauen werden sie beide genannt; aber beide waren offenbar Beischläferinnen, da die Schrift nachher sagt4 : „Abraham gab all sein Vermögen seinem Sohne Isaak, und den Söhnen seiner Beischläferinnen gab er Spenden und wies sie noch bei seinen Lebzeiten von seinem Sohne Isaak hinweg in das Land des Ostens“. Immerhin haben also die Söhne der Beischläferinnen manche Gaben, aber zur verheißenen Herrschaft gelangen sie nicht, weder die Häretiker noch die fleischlich gesinnten Juden, weil außer Isaak niemand Erbe ist und „nicht5 die Kinder des Fleisches Kinder Gottes sind, sondern die Kinder der Verheißung zum Samen gerechnet werden“, von dem es heißt6 : „In Isaak wird dein Same gerufen werden“. Ich sehe nämlich außer dieser geheimnisvollen Beziehung keinen andern Grund, weshalb auch Cetturra, die doch erst nach dem Tode der Frau heimgeführt wurde, Beischläferin genannt wird. Aber auch wer diese Deutungen nicht annehmen will, hüte sich gleichwohl, Abraham in schlechtes Licht zu setzen. Am Ende ist gerade wider Häretiker, welche Gegner einer zweiten Heirat werden sollten, auch dadurch Vorsorge getroffen worden, daß an keinem geringeren als dem „Vater vieler Völker“ die sittliche Zulässigkeit einer weiteren Verehelichung nach dem Tode des Gatten erwiesen wurde. Und Abraham starb, da er hundert und « fünf und » siebzig Jahre alt war7 . Er ließ also seinen Sohn Isaak, den er im Alter von hundert Jahren gezeugt hatte, als einen Mann von « fünf und » siebzig Jahren zurück.

1: Gal. 4, 24.
2: Gen. 16, 3.
3: Ebd. 25, 1.
4: Ebd. 25, 5 f.
5: Röm. 9, 8.
6: Gen. 21, 12.
7: Gen. 25, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger