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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
16. Buch

27. Das männliche Kind, das am achten Tage nicht beschnitten wird, geht seiner Seele verlustig, weil es den Bund mit Gott gebrochen hat.

So kann man auch eine Schwierigkeit finden in der Auffassung der Stelle: „Das männliche Wesen, das nicht beschnitten werden wird am Fleische seiner Vorhaut am achten Tage, eine solche Seele wird zugrunde gehen aus ihrem Geschlechte, weil sie meinen Bund gebrochen hat“; denn das ist doch nicht eine Schuld des Kindes, dessen Seele dem Untergang geweiht erscheint, noch auch hat das Kind den Bund mit Gott gebrochen, sondern die Eltern, die es nicht beschneiden ließen. Allein auch die Kinder haben, zwar nicht im Hinblick auf die eigene und ihnen zuzumessende Lebensführung, wohl aber im Hinblick auf den gemeinsamen Ursprung des Menschengeschlechtes, alle ohne Ausnahme den Bund mit Gott gebrochen in jenem einen, „in welchem alle gesündigt haben“1 . Denn außer jenen zwei großen Bündnissen, dem Alten und dem Neuen Bunde, werden noch viele andere genannt, wie man sich leicht aus der Schrift überzeugen kann. Der erste Bund aber, der geschlossen wurde mit dem ersten Menschen, ist zweifellos der: „An dem Tage, da ihr davon esset, werdet ihr des Todes sterben“2 . Deshalb heißt es in dem Buche, das man Ecclesiasticus nennt3 : „Alles Fleisch wird alt wie ein Kleid. Denn es ist ein Bund von weltewig her: Des Todes wirst du sterben“. Denn allerdings ist das Gesetz in voller Bestimmtheit erst später gegeben worden und sagt der Apostel4 : „Wo aber kein Gesetz ist, da gibt es auch keine Übertretung“; aber gleichwohl ist wahr, was im Psalme5 steht: „Für Übertreter habe ich erachtet alle Sünder der Erde“; dies kann aber nur den Sinn haben, daß alle, die in irgendeine Sünde verstrickt sind, schuldig sind der Übertretung eines Gesetzes. Wenn also nach der Lehre des wahren Glaubens auch die Kinder als Sünder geboren werden, nicht als persönliche, sondern von ihrem Ursprung her, weshalb wir bekennen, daß für sie die Gnade des Nachlasses der Sünden notwendig sei, so läßt sich leicht erkennen, daß sie, wie Sünder, so auch Übertreter sind, und zwar eben jenes Gesetzes, das im Paradiese gegeben ward; so daß beides wahr ist, was geschrieben steht: „Für Übertreter habe ich erachtet alle Sünder der Erde“, und: „Wo kein Gesetz ist, da gibt es auch keine Übertretung“. Weil demnach die Beschneidung ein Sinnbild der Wiedergeburt war und die Geburt, wenn nicht die Wiedergeburt rettend dazwischen tritt, mit vollem Rechte das Kind zugrunde richtet wegen der Erbsünde, so hat man jenen Ausspruch Gottes so zu verstehen, als wenn es hieße: „Wer nicht wiedergeboren ist, eine solche Seele wird zugrunde gehen aus ihrem Geschlechte“, weil sie den Bund mit Gott gebrochen hat, als sie in Adam mit allen selbst auch sündigte. Hieße es freilich: „weil sie diesen meinen Bund gebrochen hat“, so könnte man nur an die Beschneidung denken; so aber, weil nicht ausdrücklich gesagt ist, welchen Bund das Kind gebrochen hat, steht es frei, das Wort auf einen Bund zu beziehen, von dessen Bruch auch bei dem Kinde die Rede sein kann. Will man aber den Ausspruch durchaus auf die Beschneidung beziehen, also in dem Sinne auffassen, daß in ihr das Kind den Bund mit Gott gebrochen hat, weil es nicht beschnitten worden ist, so möge man sich in einer Weise ausdrücken, die der allein vernünftigen Auffassung gerecht wird, daß das Kind den Bund deshalb gebrochen hat, weil er zwar nicht von ihm, wohl aber an ihm gebrochen worden ist. Indes auch so geht, wie zu beachten ist, die Seele des unbeschnittenen Kindes bei dem Mangel selbstverschuldeter Vernachlässigung gerechterweise nur durch ihre Verwicklung in die Erbsünde zugrunde.

1: Röm. 5, 12
2: Gen. 2, 17.
3: Ekkli 14, 18 [nach der Septuaginta].
4: Röm. 4, 15.
5: Ps. 118, 119.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger