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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
16. Buch

25. Agar, die Magd der Sara, von Sara dem Abraham zum Beischlaf überlassen.

Nun folgen bereits die Zeiten der Söhne Abrahams, des von der Magd Agar und des von der freien Sara geborenen, von denen wir schon im vorigen Buche gesprochen haben1 . Was jedoch die Begebenheit als solche betrifft, so darf wegen dieser Beischläferin durchaus kein Makel auf Abraham geheftet werden. Er bediente sich ihrer ja zur Gewinnung von Nachkommenschaft, nicht zur Befriedigung der Lust, und nicht zum Schimpf für seine Frau, sondern vielmehr ihr fügsam, die es für einen Trost in ihrer Unfruchtbarkeit erachtete, wenn sie den fruchtbaren Schoß ihrer Magd, da sie sich ihn nicht leiblich aneignen konnte, wenigstens dem Willen nach zu ihrem eigenen machte und als Weib ihr Recht wahrnahm, aus einer anderen zu gebären, was sie aus sich selbst nicht vermochte, gemäß dem Wort des Apostels2 : „Ebenso hat auch der Mann keine Macht über seinen Leib, sondern das Weib“. Da findet sich keine Spur von geiler Lust oder schandbarer Schlechtigkeit. Von der Frau wird zur Erzielung von Nachkommenschaft die Magd dem Manne übergeben, vom Manne wird sie zur Erzielung von Nachkommenschaft übernommen; von beiden Seiten hat man es nicht auf sündhafte Wollust, sondern auf die Frucht der Natur abgesehen. Und endlich, als die schwangere Magd mit Verachtung hinsah auf die unfruchtbare Herrin und Sara dies in ihrer weiblichen Eifersucht dem Manne zur Last legte, auch da bewies Abraham, daß er kein Sklave der Leidenschaft, sondern ein freier Erzeuger war und in Agar seiner Frau Sara die Keuschheit bewahrte und nicht seine Lust, sondern ihren Willen befriedigte, daß er nicht begehrte, sondern nur nicht verwehrte, hinzuging, aber nicht anhing, erkannte, aber nicht Liebe zuwandte3 . Er sprach nämlich ganz gelassen4 : „Siehe, deine Magd ist in deiner Hand, mache mit ihr, was dir gut dünkt“. Wahrlich ein Mann, der manneswürdig mit Weibern umgeht, mit der Frau in Mäßigkeit, mit der Magd in Botmäßigkeit, mit keiner in Unmäßigkeit!5

1: XV 3.
2: 1 Kor. 7, 4. Vgl. Augustini Sermo 51 [nach, der Maurinerausgabe], n. 28.
3: Die Stelle lautet in echt augustinischer Rhetorik: accepisse nec petisse, accessisse nec haesisse, seminasse nec amasse.
4: Gen. 16, 6.
5: Auch hier die bestechenden Wortspiele: O virum viriliter utentem feminis, coniuge temperanter, ancilla obtemperanter, nulla intemperanter!

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger