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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
16. Buch

21. Die dritte Verheißung Gottes, in der dem Abraham und seinem Samen das Land Chanaan auf immer zugesagt wird.

Als nun Abraham und Loth voneinander gegangen waren und jeder seinen gesonderten Wohnsitz genommen, Abraham im Lande Chanaan, Loth in Sodoma, nicht aus häßlicher Zwietracht, sondern zum besseren Unterhalt ihrer Familien, da sprach Gott zum drittenmal im Orakel zu Abraham1 : „Schau auf mit deinen Augen und blicke von dem Ort aus, wo du jetzt bist, gen Nord und Süd, gen Ost und Meer; denn alles Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinem Samen auf Weltzeit, und ich will deinen Samen machen wie den Sand der Erde. Wenn jemand den Sand der Erde zählen kann, so wird er auch deinen Samen zählen. Mach dich auf und zieh durch das Land nach seiner Länge und Breite; denn dir will ich es geben“. Ob in dieser Verheißung auch die enthalten ist, wonach er der Vater aller Völker ist, tritt nicht klar hervor. Es kann ja darauf scheinbar das Wort bezogen werden: „Und ich will deinen Samen machen wie den Sand der Erde“, was in der Redeweise der Hyperbel gesagt ist, wie die Griechen sie nennen; und die ist bekanntlich eine übertragene, nicht die eigentliche Redeweise. Daß sich indes die Schrift der Hyperbel wie auch der sonstigen übertragenen Ausdrucksweisen häufig bedient, darüber ist niemand im Zweifel, der sie kennt. Der Tropus oder die Redeweise der Hyperbel entsteht dann, wenn der Ausdruck viel stärker ist als das, was damit bezeichnet wird. Jeder sieht ohne weiters ein, daß die Zahl der Sandkörner unvergleichlich größer ist, als die Zahl aller Menschen je sein kann von Adam an bis zum Ende der Weltzeit; um wieviel mehr dann als der Same Abrahams, und nicht bloß als der, der auf das israelitische Volk Bezug hat, sondern auch als der, der sich findet und finden wird auf Grund der Nachahmung seines Glaubens auf dem ganzen Erdkreis bei allen Völkern! Dieser Same findet sich ja allerdings im Vergleich mit der großen Zahl der Gottlosen nur in wenigen; doch auch diese wenigen machen eine unzählbare Menge aus, wie sie dem Bild vom Sand der Erde zugrunde liegt. In Wirklichkeit ist natürlich die Menge, die dem Abraham verheißen wird, nur für die Menge unzählbar, nicht auch für Gott; aber für ihn ist ja auch der Sand der Erde nicht unzählbar. Sofern also der Vergleich mit dem Sand der Erde besser paßt, wenn bei der dem Abraham verheißenen Menge nicht bloß das israelitische Volk gemeint ist, sondern die gesamte Nachkommenschaft Abrahams, bei der auch eine große Zahl nicht im leiblichen, sondern im geistigen Sinne verheißener Söhne inbegriffen ist, läßt sich in dieser Stelle die Verheißung leiblicher und geistiger Vaterschaft ausgedrückt finden. Aber klar tritt das, wie gesagt, nicht hervor; denn auch schon das eine Volk, das leiblich von Abraham abstammte durch seinen Enkel Jakob, wuchs zu einer solchen Menge heran, daß es fast alle Teile des Erdkreises erfüllte. Und so konnte auch dieses allein hyperbolisch dem Sande der Erde verglichen werden, weil es allein schon unzählbar ist für den Menschen. Jedenfalls steht von dem Lande, das verheißen wird, fest, daß nur jenes gemeint ist, welches Chanaan benannt wird. Freilich wenn es heißt: „Dir will ich es geben und deinem Samen auf Weltzeit“, so kann das manche irre machen, wenn man nämlich das „auf Weltzeit“ versteht im Sinne von „auf ewig“. Allein wenn man „Weltzeit“ [saeculum] hier so auffaßt, wie wir im Glauben festhalten, daß die künftige Ewigkeit mit dem Ende der gegenwärtigen Welt anhebt, so wird sie die Stelle nicht weiter irre machen; denn die Israeliten wohnen, wenn auch aus Jerusalem vertrieben, doch in anderen Städten des Landes Chanaan und werden dort bis zum Ende wohnen; und würde auch das ganze Land von Christen bewohnt, so sind doch eben auch sie Same Abrahams.

1: Gen. 13, 14-17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger