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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
16. Buch

13. Warum wohl bei der Auswanderung Tharas, die ihn von den Chaldäern weg nach Mesopotamien führte, von seinem Sohne Nachor mit keinem Wort die Rede ist.

Hierauf wird erzählt, wie Thara mit den Seinigen das Land der Chaldäer verließ und nach Mesopotamien kam, wo er in Charra wohnte. Dabei ist aber von einem seiner Söhne, von Nachor, mit keinem Wort die Rede, als habe er ihn gar nicht mitgenommen. Der Bericht lautet nämlich so1 : „Da nahm Thara Abram, seinen Sohn, und Loth, den Sohn Arrans, den Sohn seines Sohnes, und Sara, seine Schnur, das Weib Abrams, seines Sohnes, und führte sie aus dem Gebiete der Chaldäer, um in das Land Chanaan zu ziehen; und er kam bis Charra und nahm da seinen Wohnsitz“. Nirgends ist hier Nachor genannt und sein Weib Melcha. Doch finden wir später, als Abraham seinen Knecht aussandte, ein Weib zu nehmen seinem Sohne Isaak, folgendes bemerkt2 : „Da nahm der Knecht zehn Kamele von den Kamelen seines Herrn und nahm von allen Gütern seines Herrn mit sich und erhob sich und zog hin gen Mesopotamien in die Stadt des Nachor“. Aus dieser Stelle und anderen Zeugnissen dieser heiligen Geschichte geht hervor, daß auch Nachor, der Bruder Abrahams, aus dem Gebiete der Chaldäer ausgezogen ist und in Mesopotamien seinen Sitz aufgeschlagen hat, wo Abraham mit seinem Vater gewohnt hatte. Warum also hat ihn die Schrift nicht erwähnt da, wo sie berichtet, daß Thara mit den Seinigen wegzog vom Volk der Chaldäer und in Mesopotamien Wohnsitz nahm, während doch dabei nicht nur sein Sohn Abraham, sondern auch seine Schnur Sara und sein Enkel Loth unter seiner Begleitung erwähnt werden? Ich denke, Nachor wird etwa von der Frömmigkeit des Vaters und des Bruders abgewichen sein und sich dem Aberglauben der Chaldäer ergeben haben, ist aber nachmals auch von dort ausgewandert, sei es, daß es ihn reute, oder daß er Verfolgung erlitt, weil er für verdächtig gelten mochte. In dem Buche nämlich, das den Titel Judith führt, antwortet Achior, der Anführer der Ammaniter, auf die Frage des Holofernes, des Feindes der Israeliten, was denn das für ein Volk sei, ob man wider es zu Felde ziehen soll, mit folgenden Worten3 : „Unser Herr wolle anhören ein Wort aus dem Mund seines Knechtes, und ich werde dir die Wahrheit berichten über das Volk, das neben dir dieses Gebirge bewohnt, und keine Lüge soll aus meinem Munde kommen. Es ist ein Zweig des Volkes der Chaldäer, und vordem bewohnten sie Mesopotamien, weil sie den Göttern ihrer Väter nicht dienen wollten, die glorreich waren im Lande der Chaldäer; vielmehr kehrten sie sich ab von dem Wege ihrer Vorfahren und beteten den Gott des Himmels an, den sie erkannten, und man vertrieb sie von dem Angesicht der Götter, und sie flohen gen Mesopotamien und wohnten dort viele Tage. Da sprach zu ihnen ihr Gott, sie sollten ausziehen von ihrem Wohnsitz und ins Land Chanaan wandern, und hier wohnten sie nun“, und was sonst noch der Ammaniter Achor erzählt. Daraus geht klar hervor, daß das Haus des Thara Verfolgung erlitt von Seiten der Chaldäer für die wahre Gottseligkeit, mit der es den einen wahren Gott verehrte.

1: Gen. 11, 31.
2: Ebd. 24, 10.
3: Judith 5, 5-9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger