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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
14. Buch

6. Die Beschaffenheit des Willens macht es aus, ob die von ihm beherrschten Gemütsbewegungen schlecht oder gut sind.

Es kommt indes auf die Beschaffenheit des Willens im Menschen an; ist der Wille verkehrt, so werden auch diese Regungen in ihm verkehrt sein; ist er dagegen gerade gerichtet, so werden sie nicht nur untadelhaft, sondern selbst lobenswert sein. Denn in allen Regungen ist Wille vorhanden, ja sie alle sind nichts anderes als Willensregungen. Begierde und Lust sind lediglich der Wille in der Bejahung dessen, was wir wollen; Furcht und Traurigkeit der Wille in der Verneinung dessen, was wir nicht wollen. Wenn wir bejahen durch Streben nach dem, was wir wollen, so heißt man das Begierde; und wenn wir bejahen durch Genießen dessen, was wir wollen, so nennt man das Lust. Und umgekehrt, wenn wir uns ablehnend verhalten gegen Dinge, deren Eintritt wir nicht wollen, so ist eine solche Willensregung Furcht; und wenn wir uns ablehnend verhalten gegen Dinge, die wider unsern Willen eingetreten sind, so ist eine solche Willensregung Traurigkeit. Und ganz allgemein wandelt und wendet sich der Wille zu Regungen so oder so, wie er angezogen oder abgestoßen wird je von den verschiedenen Gegenständen, die man anstrebt oder meidet. Deshalb braucht der Mensch, der nach Gott und nicht nach dem Menschen lebt, nur ein Freund des Guten zu sein; daraus ergibt sich dann von selbst, daß er dem Bösen seinen Haß zuwendet. Und einen „vollkommenen Haß“ schuldet er den bösen Menschen1 , das will sagen: da niemand seiner Natur nach böse ist, sondern jeder Böse nur durch die Sünde böse ist, so darf der, welcher nach Gott lebt, weder den Menschen hassen wegen der Sünde noch die Sünde lieben wegen des Menschen, sondern muß die Sünde hassen und den Menschen lieben. Denn wenn die Sünde beseitigt ist, so bleibt nur solches zurück, was er zu lieben hat, und nichts, was er zu hassen hätte.

1: Ps. 138, 22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger