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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
12. Buch

3. Feinde Gottes der Natur nach gibt es nicht, sondern nur solche, die es durch gegensätzlichen Willen sind, und dieser ist ihnen und damit selbstverständlich ihrer guten Natur verderblich, da sich ein Gebrechen nur verderblich geltend machen kann.

Als Feinde Gottes aber werden in der Hl. Schrift die bezeichnet, die sich aus Verderbtheit, nicht ihrer Natur nach, seiner Herrschaft widersetzen, ohnmächtig, ihm zu schaden, wohl aber sich selbst zum Schaden. Sie sind eben nur ihrem widersetzlichen Willen nach Feinde, nicht als feindliche Macht. Gott ist ja unwandelbar und in jeder Hinsicht unverletzlich. Demnach gereicht die Verderbtheit, wodurch die sogenannten Feinde Gottes ihm widerstreben, nicht der Gottheit, sondern ihnen selbst zum Übel, und zwar einfach deshalb, weil dadurch in ihnen verdorben wird, was von Natur aus gut ist. Nicht die Natur also ist Gott entgegengesetzt, wohl aber ist die Verderbtheit, weil sie ein Übel ist, dem Guten entgegengesetzt. Sofern nun freilich Gott schlechthin gut ist, ist die Verderbtheit Gott entgegengesetzt als Übel gegenüber dem Guten. Ein Gut ist aber auch die Natur, die durch das Gebrechen verdorben wird. Daher ist die Verderbtheit natürlich auch diesem Gut entgegengesetzt; jedoch der Gottheit nur als Übel gegenüber dem Guten, der Natur aber, die sie verdirbt, nicht nur als Übel, sondern auch als Schädling. Der Gottheit kann ja kein Übel an, wohl aber den wandelbaren und dem Verderben ausgesetzten Naturen, die jedoch eben durch die Gebrechen als «gut erwiesen werden1 . Denn wären sie nicht gut, so könnten ihnen Gebrechen nicht schaden. Sie schaden ihnen aber, und zwar gerade dadurch, daß sie ihnen die Unversehrtheit, die Schönheit, die Wohlfahrt, die Kraft nehmen und was sonst noch Gutes der Natur durch ein Gebrechen entzogen oder verkürzt zu werden pflegt. Wäre derlei überhaupt nicht vorhanden, so könnte das Verderben nichts Gutes hinwegnehmen und also nicht schaden und wäre demnach auch gar kein Verderben. Denn ein unschädliches Verderben ist ein Widerspruch in sich selbst. Daraus ergibt sich, daß das Verderben, obwohl es dem unwandelbaren Gut nicht schaden kann, doch nur einem Gut schaden kann, da es sich nur da findet, wo es schaden kann. Derselbe Gedanke läßt sich auch so ausdrücken: Ein Verderben kann es einerseits im höchsten Gut nicht geben, andrerseits aber doch nur an einem Gut. Also Gutes schlechthin kann irgendwo existieren, Böses schlechthin nirgends2 ; denn auch die Naturen, die auf Anregung seitens eines bösen Willens verderbt sind, sind gut, sofern sie Naturen sind, und nur, sofern sie verderbt sind, sind sie böse. Und wenn eine verderbte Natur sich im Strafzustande befindet, so ist daran, abgesehen von ihrer Eigenschaft als Natur, auch das noch gut, daß sie nicht straflos ist. Denn das ist gerecht, und was gerecht ist, ist immer auch gut. Die Strafe trifft ja nicht natürliche Gebrechen, sondern freiwillige. Hat doch selbst eine durch Gewohnheit und stetige Zunahme gefestigte und gleichsam zur Natur gö-wordene Verderbtheit ihren Ausgang vom Willen genommen. Wir sprechen hier ja von Gebrechen jener Natur, der ein Geist innewohnt, fähig des übersinnlichen Lichtes, durch das man gerecht und ungerecht zu unterscheiden vermag.

1: Vgl. oben XI 17.
2: Das Böse ist wesenlos; vgl. unter XIV 11, erster Absatz gegen Schluß, und XIX 13, letzter Absatz.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger