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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
11. Buch

34. Sind die Engel unter der bei der Erschaffung des Firmamentes erwähnten Teilung der Gewässer zu verstehen, wie manche meinen, und sind die Gewässer, wie andere annehmen, überhaupt nicht erschaffen?

Freilich haben manche gemeint, der Ausdruck „Gewässer“ sei es, der sozusagen die Völkerschaften1 der Engel bezeichnet, und es beziehe sich demnach auf die Engel die Stelle: „Es werde ein Firmament zwischen den Gewässern“, so daß man unter dem Gewässer über dem Firmament die Engel zu verstehen habe, unter dem Gewässer unterhalb aber entweder die wirklichen Gewässer oder die Schar der bösen Engel oder die gesamten Menschenvölker. Ist dem so, dann tritt in jener Stelle nicht die Tatsache der Engelschöpfung, sondern die der Engelscheidung hervor; ja manche gehen soweit, daß sie die Erschaffung der Gewässer überhaupt in Abrede stellen2 , eine ganz verkehrte und gottlose Albernheit; sie steifen sich darauf, daß es nirgends heiße: Gott sprach: Es sollen werden die Gewässer. Mit gleichviel Recht könnten sie das auch von der Erde behaupten; denn nirgends liest man: Gott sprach: Es werde die Erde. Ah, sagen sie, es steht doch geschrieben: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Nun also, dabei ist auch an das Gewässer zu denken; in dem einen Wort Erde nämlich ist beides zusammengefaßt. Denn „sein ist das Meer“, wie es im Psalme heißt, „und er schuf es, und das trockene Land haben seine Hände gebildet“3 . Die aber, die unter den „Gewässern, die über den Himmeln sind“4 , die Engel verstanden wissen wollen, lassen sich dabei leiten von der Tatsache des Schwergewichtes der Elemente und glauben aus diesem Grunde nicht, daß die flüssige und schwere Wassersubstanz in den oberen Regionen des Weltganzen ihre Stelle habe erhalten können; sie würden also, wenn sie den Menschen schaffen könnten, dieser ihrer Begründung gemäß ihm den Schleim, der griechisch flegma heißt und unter den Elementen unseres Körpers etwa dem Wasser entspricht, nicht in den Kopf setzen. Dort aber hat nun einmal der Schleim seinen Sitz und zwar, da es so Gottes Werk ist, natürlich ganz passend, da es aber auf die Mutmaßung jener Elementenwäger ankäme, so verkehrter Weise, daß sie, wüßten wir es nicht und wäre es analog in der Genesis aufgezeichnet, daß Gott eine flüssige, feuchtkalte und demnach schwere Masse in den obersten Teil des ganzen Menschenkörpers verlegt habe, es ganz gewiß nicht glauben und, wofern sie der Autorität der Hl. Schrift fügsam wären, meinen würden, es sei da irgend etwas anderes herauszudeuten.

Doch wenn wir alle Einzelheiten, die in diesem göttlichen Buch über die Weltgründung aufgezeichnet sind, genau durchforschen und darlegen wollten, so wäre noch viel zu sagen und wir müßten von dem Gegenstand des vorliegenden Werkes weit abschweifen; und schon haben wir ja über die beiden unter sich so verschiedenen und gegensätzlichen Genossenschaften der Engel, in denen sich gewisse Anfänge der beiden auch in der Menschenwelt bestehenden Staaten finden, von denen ich nachher zu sprechen gedenke, das Nötige hinreichend, wie ich glaube, erörtert. Darum wollen wir auch dieses Buch nun endlich beschließen.

1: aquae werden in den allegorischen Schriftauslegungen auf Grund von Off. 17, 15 als populi erklärt; daher hier populi angelorum. Zur Sache vgl. August. Retract. 32, 3 [= 1. II c. 6]. Origenes hat diese Ansicht vertreten.
2: So die Elkesaiten, nach Epiphanius, Haeres. 53.
3: Ps. 94, 5.
4: Ebd. 148, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger