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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
11. Buch

32. Was zu halten ist von der Meinung, die Erschaffung der Engel falle vor die Erschaffung der Welt.

Man mag nun immerhin anderer Ansicht sein und in Abrede stellen, daß die heiligen Engel gemeint seien in der Stelle: „Es werde Licht, und es ward Licht“; man mag vielmehr die Ansicht haben und vertreten, das Licht, das damals erst erschaffen wurde, sei ein körperhaftes, welcher Art immer1 ; dagegen seien die Engel vorher erschaffen worden, nicht allein vor der Feste, die, aufgerichtet zwischen den Gewässern, den Namen Himmel erhalten hat, sondern überhaupt vor all dem, was gleich eingangs zusammengefaßt ist in den Worten: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“; und der Ausdruck „Im Anfang“ sei nicht mit Bezug auf den Anfang der Schöpfung gebraucht2 , da ja Gott vorher die Engel erschaffen habe, sondern mit Bezug darauf, daß er „alles in der Weisheit erschaffen“ hat3 , die sein Wort ist, welches Wort die Schrift den Anfang nennt [wie der Herr selbst im Evangelium den Juden auf die Frage, wer er sei, erwiderte, er sei der Anfang4 . Ich werde meinerseits den Streit nicht aufnehmen, um so weniger, als es mir gar sehr zusagt, daß bei solcher Auffassung gleich zu Alleranfang des heiligen Buches der Genesis die Dreifaltigkeit eingeführt wird. Wenn nämlich die Stelle: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ in dem Sinne aufzufassen ist, daß der Vater in seinem Sohne die Schöpfung ins Dasein gerufen hat, wie es der Psalm bezeugt in den Worten5 : „Wie groß sind Deine Werke, o Herr! Alles hast Du in der Weisheit erschaffen“, dann fügt es sich ja trefflich, daß alsbald auch der Heilige Geist erwähnt wird. Nachdem nämlich zunächst noch in den Worten: „Die Erde aber war unsichtbar und wüst, und Finsternis breitete sich aus über dem Abgrund“ geschildert worden ist, von welcher Beschaffenheit die Erde war, als Gott sie erschuf, und welche stoffliche Masse der künftigen Weltbildung den Namen Himmel und Erde erhielt, heißt es auch schon, um die Erwähnung der Dreifaltigkeit vollständig zu machen: „Und der Geist Gottes schwebte über dem Gewässer“. Man mag also so oder so eine Stelle auffassen, die so tiefsinnig ist, daß sie zur Anregung der Leser eine Mehrzahl von Auffassungen, die von der Glaubensregel6 nicht abweichen, hervorzurufen vermag, wofern man nur daran festhält, daß die heiligen Engel in ihren erhabenen Wohnsitzen zwar nicht mit Gott gleichewig, jedoch ihrer immerwährenden und wahren Glückseligkeit sicher und gewiß sind7 . Denn da, wo der Herr lehrt, daß seine Kleinen zu ihrer Gemeinschaft gehören, sagt er nicht bloß: „Sie werden sein wie die Engel Gottes“8 , sondern offenbart auch, welcher Art die Anschauung ist, deren die Engel genießen, und zwar in den Worten9 : „Sehet zu, daß ihr keines aus diesen Kleinen verachtet; denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel schauen immerdar das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist“.

1: Vgl. oben XI 7 am Anfang.
2: Vgl. oben XI 9.
3: Ps. 103, 24.
4: Joh. 8, 25.]
5: Ps. 103, 24.
6: Vgl. darüber XI 19.
7: Vgl. XI 13.
8: Matth. 22, 30.
9: Ebd. 18, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger