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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
11. Buch

24. Die göttliche Dreifaltigkeit und die Spuren ihrer Andeutung, die sie über all ihre Werke ausgegossen hat.

Wir halten im Glauben fest und verkünden unentwegt, daß der Vater das Wort erzeugt hat, d. i. die Weisheit, durch die alles erschaffen worden ist, den eingeborenen Sohn, der Eine den Einen, der Ewige den gleich Ewigen, der unerreichbar Gute den gleich Guten; und daß der Heilige Geist zumal sowohl des Vaters als auch des Sohnes Geist ist; auch er gleichwesentlich und gleichewig den beiden; und daß dieses Ganze einerseits eine Dreifaltigkeit ist wegen der Besonderheit der Personen, andrerseits der eine Gott wegen der untrennbaren Gottheit, sowie der eine Allmächtige wegen der untrennbaren Allmacht, jedoch so, daß auch, wenn man nach dem einzelnen fragt, die Antwort lautet: Jeder von ihnen ist sowohl Gott als auch allmächtig; und wenn nach allen zumal: Es gibt nicht drei Götter oder drei Allmächtige, sondern nur einen allmächtigen Gott; so vollständig ist hier in dreien die untrennbare Einheit, und so will sie verkündet werden.

Ob es aber richtig ist, des guten Vaters und des guten Sohnes Heiligen Geist, weil er beiden gemeinsam ist, als die Gutheit beider zu bezeichnen, darüber getraue ich mir nicht vorschnell eine immerhin gewagte Meinung auszusprechen; ihn jedoch als die Heiligkeit der beiden zu bezeichnen, würde ich weniger Bedenken tragen, nicht im Sinne einer Eigenschaft der beiden, sondern im Sinne einer Wesenheit und der dritten Person in der Dreifaltigkeit. Für diese Annahme finde ich nämlich einen Fingerzeig darin, daß, obwohl der Vater Geist ist und der Sohn, und der Vater heilig ist und der Sohn, dennoch recht eigentlich er der Heilige Geist genannt wird als die wesentliche und gleichwesentliche Heiligkeit der beiden. Wenn jedoch die göttliche Gutheit nichts anderes ist als die göttliche Heiligkeit, nun, dann ist es auch das Ergebnis eifrigen Forschens1 und nicht dreiste Vermessenheit, wenn man die Sache so auffaßt, daß uns in den Werken Gottes in geheimnisvoller Ausdrucksweise, durch die unsere Aufmerksamkeit angeregt werden soll, gerade eben die Dreifaltigkeit angedeutet wird [in dem dreifachen Hinweis], wer jegliche Kreatur erschaffen, wodurch und weshalb sie erschaffen. Denn als Vater des Wortes erkennt man den, der gesprochen hat: Es werde; was aber auf sein Sprechen hin ward, ist ohne Zweifel durch das Wort geworden; in der Bemerkung aber, Gott sah, daß es gut sei, ist hinlänglich angedeutet, daß Gott nicht aus irgendeiner Notwendigkeit noch aus Bedürfnis, sich irgendwelchen Nutzen zu schaffen, sondern rein nur aus Gutheit das geschaffen hat, was geworden ist, d. h. weil es gut ist. Erst nach dem Schöpfungsakt wird dies erwähnt deshalb, weil darauf hingewiesen werden sollte, daß das erschaffene Wesen der Gutheit entspreche, um derentwillen es geschaffen worden ist. Ist es nun richtig, unter dieser Gutheit den Heiligen Geist zu verstehen, so wird uns die ganze Dreifaltigkeit in ihren Werken angekündigt. Aus dieser gewinnt die heilige Stadt, „die“ in den heiligen Engeln „oben ist“2 , ihren Ursprung, ihre Erkenntnis und ihre Seligkeit. Denn fragen wir nach dem Quell ihres Daseins: Gott hat sie gegründet; nach dem Quell ihrer Weisheit: Von Gott wird sie erleuchtet; nach dem Quell ihrer Seligkeit: Gott ist ihr Genuß. Durch ihr Bestehen gewinnt sie ihre Seinsweise, durch Schauen ihre Erleuchtung, durch innigen Anschluß ihre Seligkeit; sie existiert, sie schaut, sie liebt; in der Ewigkeit Gottes wurzelt ihr Leben, in der Wahrheit Gottes ihr Licht, in der Gutheit Gottes ihre Freude.

1: Die Konjektur intellegentia statt des durch die Handschriften überlieferten et illa diligentia ist -völlig überflüssig.
2: Gal. 4, 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger