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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
11. Buch

3. Über die Glaubwürdigkeit der vom göttlichen Geist eingegebenen kanonischen Schriften.

Er hat zuerst durch die Propheten, sodann in eigener Person und danach durch die Apostel mündlich soviel mitgeteilt, als er hinreichend erachtete, und ist weiterhin der Urheber einer Schrift von alles überragender Autorität; sie heißt die kanonische und wir schenken ihr Glauben in den Dingen, die nicht zu wissen keineswegs frommt, die wir aber aus uns selbst zu wissen nicht imstande sind1 . Denn wenn man durch unsere Bezeugung Dinge inne werden kann, die unseren Sinnen, sei es den inneren2 oder auch den äußeren gegenwärtig sind [weshalb man sie sinnenfällig nennt, womit man sagen will, daß sie so in die Sinne fallen, wie das, was vor Augen liegt, in die Augen fällt], so suchen wir für Dinge, die unsern Sinnen ferne liegen, mit einer gewissen Selbstverständlichkeit, weil wir eben von ihnen durch eigene Bezeugung kein Wissen haben können, die Bezeugung durch andere und messen dabei denen Glauben bei, von welchen wir überzeugt sind, daß sie mit ihren Sinnen dem Bezeugten nahe seien oder nahe gewesen seien. Wie wir also in Bezug auf die sichtbaren Dinge, welche wir nicht selbst gesehen haben, denen glauben, die sie gesehen haben, und so auch in Bezug auf die übrigen Objekte der einzelnen Sinne, so müssen wir in Bezug auf das, was mit dem Geiste wahrgenommen wird [denn auch der Geist wird mit vollem Recht Wahrnehmungsvermögen, sensus, genannt, woher auch das Wort sententia sich ableitet], d. h. in Bezug auf solche unsichtbare Vorgänge, die unserem inneren Sinne ferne liegen, denen Glauben beimessen, die sie in jenem unkörperlichen Lichte als Anordnungen inne geworden oder als darin ruhend schauen.

1: Vgl. oben X 31, erster Satz.
2: Über den sensus interior handelt Augustinus namentlich in der Schrift De libero arbitrio II 3—5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger