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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
11. Buch

11. Haben wohl auch jene Geister, die in der Wahrheit nicht standhielten, teilgehabt an der Seligkeit, die die heiligen Engel seit ihrer Erschaffung immerdar genossen haben?

Da es sich nun so verhält mit der Erschaffung jener Geister, die wir Engel nennen, so waren sie durchaus nicht eine Zeitlang zunächst Finsternis, sondern sie wurden sofort als Licht erschaffen, nicht aber so erschaffen, daß sie nur irgendwie Dasein und Leben gehabt hätten, vielmehr auch erleuchtet, so daß sie ein weises und glückseliges Leben hatten. Von dieser Erleuchtung haben sich gewisse Engel abgewandt und so die Auszeichnung eines weisen und glückseligen Lebens nicht behauptet, das nur denkbar ist als ein ewiges und seiner ewigen Dauer durchaus sicheres Leben; das Vernunftleben jedoch, wenn auch ein in Torheit verkehrtes, ist ihnen in einer Weise eigentümlich, daß sie es nicht verlieren können, auch nicht, wenn sie wollten. Freilich, inwieweit sie vor ihrer Sünde an jener Weisheit teilgenommen haben, wer könnte das feststellen? Jedenfalls werden sie in der Teilnahme daran nicht gleich gewesen sein denen, die deshalb wahrhaft und vollkommen glückselig sind, weil sie über die ewige Dauer ihrer Glückseligkeit nicht dem leisesten Irrtum unterliegen1 ; denn wären sie ihnen darin gleich gewesen, so hätten auch sie in der ewigen Dauer der Teilnahme gleich glückselig sein müssen, weil sie die gleiche Sicherheit der ewigen Dauer gehabt hätten. Denn ein Leben, das ein Ende nimmt, kann, mag es währen, solang es will, doch nur Leben, nicht ewiges Leben genannt werden. Leben hat ja seinen Namen allein schon von leben, ewiges Leben dagegen davon, daß es kein Ende nimmt. Nun ist freilich nicht alles, was ewig ist, sofort auch schon glückselig [denn auch das Straffeuer wird als ewig bezeichnet] ; allein wenn es zum Wesen des wahrhaft und vollkommen glückseligen Lebens gehört, daß es ewig sei, so war von der Art nicht das Leben jener Geister, von denen hier die Rede ist. Denn es sollte einmal aufhören und war also nicht ewig, gleichviel ob sie das wußten oder in Unwissenheit darüber einer anderen Meinung waren: wußten sie es, so war es die Furcht, wußten sie es nicht, so war es der Irrtum, was sie an der Glückseligkeit hinderte. War aber etwa ihr Nichtwissen in diesem Punkte von der Art, daß sie einem trüglichen und unsicheren Zustand nicht trauten, vielmehr hin und her schwankten zwischen den beiden Möglichkeiten, daß ihre Glückseligkeit ewig sei oder daß sie einmal ein Ende nehme, so schloß eben diese Unsicherheit einem so großen Glück gegenüber jene Fülle glückseligen Lebens aus, die wir bei den heiligen Engeln annehmen. Wir schränken ja den Begriff „glückseliges Leben“ nicht zu so enger Bedeutung ein, daß wir es Gott allein zuschrieben. Er freilich ist in Wahrheit so glückselig, daß es eine größere Glückseligkeit nicht geben kann, und was bedeutet ihr gegenüber die den Engeln eigene Glückseligkeit, auch die höchste, deren sie fähig sind!

1: Vgl. zu den folgenden Ausführungen oben XI 4, letzter Absatz.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger