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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
10. Buch

10. Eine Täuschung ist die Reinigung, welche die Theurgie verheißt, bewirkt durch Anrufung von Dämonen.

Wie nun? Ein anderer Platoniker, der für gelehrter gilt als Apuleius, Porphyrius, erklärt sogar die Götter selbst als zugänglich den Leidenschaften und Aufregungen durch das Mittel einer theurgischen Kunst, da sie ja durch Gebete beschworen und abgehalten werden konnten, der Seele die Reinigung zu gewähren; der Böses begehrte, vermochte sie so einzuschüchtern, daß der, der Gutes erbat, durch die gleiche theurgische Kunst die Furcht nicht von ihnen zu bannen und ihnen die Freiheit zur Gewährung einer Wohltat nicht zurückzugeben vermochte. Um Blendwerk trügerischer Dämonen also handelt es sich hier, und man muß schon ihr ganz elender Sklave und völlig unberührt von der Gnade des wahren Befreiers sein, um das nicht einzusehen. Denn wären es gute Götter, die man mit Theurgie beschwört, so müßte doch wohl mehr ausrichten, wer der Seele die Wohltat der Reinigung zuwenden will, als wer die Reinigung hintertreibt. War aber der Mensch, für den man sich bemühte, in den Augen der gerechten Götter der Reinigung etwa nicht würdig, so durften sie diese doch nicht aus Furcht vor einem Neidling oder, wie Porphyrius sagt, aus Furcht vor einer mächtigeren Gottheit vorenthalten, sondern hätten sie aus freiem Ermessen versagen sollen. Merkwürdig, daß der freundliche Chaldäer, der durch theurgische Weihungen eine Seele zu reinigen wünschte, nicht irgendeinen höheren Gott ausfindig machte, der den erschreckten Göttern noch heftigeren Schrecken hätte einjagen und sie dadurch zum Wohltun hätte nötigen oder von ihnen den schreckbaren Neidling hätte abwehren sollen, damit sie ungehindert die Wohltat spenden konnten, wenn nun schon einmal der treffliche Theurg über keine solchen Weihungen verfügte, durch die er zunächst die Götter, die er zur Reinigung der Seele anrief, von der Pest der Furcht hätte reinigen können. Warum sollte man nicht eine mächtigere Gottheit heranziehen können zu ihrer Reinigung, wenn man dies kann zu ihrer Einschüchterung? Oder läßt sich zwar ein Gott auftreiben, der den Neidling erhört und die Götter vom Wohltun abschreckt, nicht aber einer, der den Wohlwollenden erhört und die Götter zum Wohltun ermutigt? Welch herrliche Theurgie, welch famose Seelenreinigung, bei der unlauterer Neid mehr ertrotzt als lauterer Sinn zu erflehen vermag! Doch nein, Trug ist's böser Geister, den man meiden und verabscheuen muß und statt dessen man auf die heilbringende Lehre hören muß. Denn die wunderbar schönen Bilder von Engeln oder Göttern, welche die Adepten dieser unsauberen Reinigungen nach der Angabe des Porphyrius mit ihrem vermeintlich gereinigten Geiste schauen [wenn sie überhaupt auch nur derlei schauen], gehören zu den Trugspiegelungen, bezüglich deren der Apostel sagt1 : „Denn der Satan verstellt sich zu einem Engel des Lichtes“. Es sind Blendwerke dessen, der sich, um die bejammernswerten Seelen in den trügerischen Dienst der vielen und falschen Götter zu verwickeln und von der wahren Verehrung des wahren Gottes, durch die allein sie gereinigt und geheilt werden, abwendig zu machen, „in alle möglichen Gestalten verwandelt“, wie es von Proteus heißt2 , bald feindselig auftritt, bald arglistig Hilfe bringt, aber so oder so Unheil anrichtet.

1: 2 Kor. 11, 14.
2: Verg. Georg. 4, 411.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger