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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
10. Buch

8. Hinweis auf Wunder, durch die Gott zur Stärkung der Frommen im Glauben seine Verheißungen auch unter Vermittlung von Engeln bekräftigt hat.

Wenn ich da auf die uralten Zeiten zurückgreife, so glaube ich, weiter hinauf, als gerade nötig wäre, nachzuweisen, welche Wunder geschehen sind zum Zeugnis für die Verheißungen, in denen Gott Jahrtausende vorher dem Abraham voraussagt, daß in seinem Samen alle Völker gesegnet werden sollten1 . Wie wunderbar, daß eben dem Abraham ein Sohn geboren wurde von einer unfruchtbaren Gattin, in einem Alter, wo nicht einmal eine fruchtbare Frau mehr hätte gebären können2 ; daß beim Opfer eben dieses Abraham eine Flamme vom Himmel zwischen den zerteilten Opferstücken hindurchfuhr3 ; daß demselben Abraham die Zerstörung Sodomas durch Feuer vom Himmel vorhergesagt wurde von Engeln, die in Menschengestalt gastfreundlich von ihm aufgenommen worden waren und durch die er die göttliche Verheißung der Geburt eines Nachkommen erhalten hatte!4 Sodann die wunderbare Befreiung Loths, seines Brudersohnes, aus Sodoma, unmittelbar vor dem Brande, durch dieselben Engel5 , während Loths Weib auf dem Wege rückwärts schaute und plötzlich in eine Salzsäule verwandelt ward“, eine gar bedeutungsvolle Warnung, auf dem Weg zur Befreiung nicht nach seiner Vergangenheit zurückzubegehren. Ferner die zahlreichen großen Wunder, die nachmals durch Moses in Ägypten zur Befreiung des Volkes Gottes vom Joch der Sklaverei gewirkt worden sind6 , wobei auch den Magiern des Pharao, d. i. des Königs von Ägypten, der das Volk Israel tyrannisch bedrückte, mancherlei Wunderbares zu vollbringen verstattet ward, damit sie noch wunderbarer überwunden würden. Denn sie vollbrachten dies durch Zauberei und magische Beschwörungen, Künste, denen die bösen Engel, die Dämonen, ergeben sind; Moses jedoch überwand sie leicht mit Hilfe der Engel, um so machtvoller je gerechter, im Namen Gottes, der Himmel und Erde erschaffen hat. Und während die Magier bei der dritten Plage erlahmten7 , wurden durch Moses zehn Plagen — eine wichtige und bedeutungsvolle Reihenfolge8 — durchgeführt, die endlich die harten Herzen Pharaos und der Ägypter mürbe machten, so daß sie das Volk Gottes ziehen ließen. Aber bald reute es sie wieder und als sie sich an die Verfolgung der abziehenden Hebräer machten, teilte sich das Meer und ließ das Volk Gottes trockenen Fußes hindurchziehen, während die Verfolger von den wieder zusammenschlagenden Wogen bedeckt und vernichtet wurden9 . Und wie eindrucksvoll hat sich die Gottheit geoffenbart in den sich häufenden Wundern, die sich während der Wüstenwanderung des israelitischen Volkes zutrugen! Ungenießbares Wasser verlor seine Bitterkeit, als auf Gottes Geheiß ein Holz hineingeworfen wurde10 , und spendete den Dürstenden zur vollen Genüge; als sie hungerten, fiel Manna vom Himmel, wovon sie sich ein bestimmtes Maß sammeln sollten, und während jedes Übermaß, das einer etwa sammelte, durch auftretende Würmer der Fäulnis anheimfiel, erlitt das Doppelmaß, das am Vorabend des Sabbats gesammelt wurde, weil man am Sabbat nicht sammeln durfte, keinerlei Schaden durch Fäulnis11 ; und als sie nach Fleischnahrung verlangten, die für ein so zahlreiches Volk, sollte man meinen, in genügender Menge unmöglich zu beschaffen war, da zogen Wolken von Vögeln über das Lager, und das heftige Begehren ward erstickt in Übersättigung12 ; die Feinde, die ihnen entgegentraten und ihren Durchzug mit Waffengewalt zu hindern suchten, wurden, während Moses betend die Arme in Kreuzesform ausstreckte, besiegt und niedergeworfen, ohne daß aus den Reihen der Israeliten einer gefallen wäre13 ; die Meuterer unter dem Volke Gottes, die sich von der gottgeordneten Gemeinschaft lossagten, wurden zum sichtbaren Zeichen ihrer unsichtbaren Strafe lebendig von der sich spaltenden Erde verschlungen14 ; der Fels ergoß auf einen Schlag mit dem Stabe Wasser in Überfluß für die große Volksmenge15 ; die todbringenden Schlangenbisse, die zur gerechten Strafe für Sünden verhängt wurden, fanden Heilung durch den Aufblick zu einer ehernen, an einem Holz aufgerichteten Schlange16 , so daß einerseits dem schwer heimgesuchten Volke Hilfe zuteil ward und anderseits die Vernichtung des Todes durch den Tod im Bilde des gekreuzigten Todes angedeutet wurde. Diese Schlange, die man zur Erinnerung an das Geschehnis aufbewahrte, ist nachmals, da sich das Volk beifallen ließ, sie wie ein Götzenbild zu verehren, von König Ezechias, der als gottesfürchtiger Herrscher Gott diente, zum großen Ruhm seiner Frömmigkeit zertrümmert worden17 .

1: Gen. 18, 18.
2: Ebd. 21, l ff
3: Ebd. 15, 17. Vgl. Augustins Retraktationen II 43, oben Bd. 1, S. 23.
4: Gen. 18, l ff.
5: Ebd. 19, 13 ff.
6: Exod. 7, 10 ff.
7: Ebd. 18, 18.
8: Vgl. S. Augustini sermo 8: De decem plagis et decem praeceptis.
9: Exod. 14, 21 ff.
10: Ebd. 15, 25.
11: Ebd. 16, 14 ff.
12: Ebd. 16, 13. Num. 11, 4; 13; 20 ff.
13: Exod. 17, 8 ff.
14: Num. 16, 1-35.
15: Exod. 17, 6.; Num. 20, 8-11.
16: Num. 21, 6-9.
17: 4 Kön. 18, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger