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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
10. Buch

21. Das Maß der Gewalt, die den Dämonen gewährt wird, damit die Heiligen, die über die Luftgeister gesiegt haben, indem sie in Gott verharrten und ihnen nicht huldigten, durch Ertragung von Leiden verherrlicht werden.

Indes auch die Gewalt, die zu begrenzten und vorherbestimmten Zeiten den Dämonen eingeräumt wird, daß sie nämlich durch Aufhetzung ihrer Anhänger gewalttätig Feindschaft üben wider die Stadt Gottes und Opfer für sich nicht nur von den Darbringern entgegennehmen und von den Willigen heischen, sondern auch durch Verfolgung der Widerstrebenden gewaltsam erpressen, auch diese Gewalt erweist sich für die Kirche, weit entfernt ihr Verderben zu bringen, sogar nützlich, da auf diesem Wege die Zahl der Märtyrer erfüllt wird1 ; sie sind in der Stadt Gottes die angesehensten und würdigsten Bürger nach dem Maße der Tapferkeit, womit sie wider die Sünde der Gottlosigkeit selbst bis aufs Blut kämpfen2 . Würde es der kirchliche Sprachgebrauch gestatten, wir würden sie weit schicklicher unsere Heroen nennen. Dieser Name soll sich nämlich von Juno herleiten, weil Juno auf Griechisch Hera heißt und deshalb irgendeiner ihrer Söhne nach der griechischen Mythologie den Namen Heros erhalten habe; nach ihrem vermeintlichen Geheimsinn deutet diese Fabel an, daß der Juno die Luft zugewiesen ist3 , und eben in der Luft wohnen angeblich neben den Dämonen die Heroen, womit man die Seelen irgendwie verdienter Toten bezeichnet4 . Man könnte jedoch unsere Märtyrer als Heroen bezeichnen, wenn es, wie gesagt, die kirchliche Ausdrucksweise zuließe, nicht als hätten sie mit den Dämonen in der Luft eine Gemeinschaft, sondern gerade im gegenteiligen Sinn, weil sie nämlich die Dämonen, d. h. die Mächte in der Luft, überwanden und in ihnen die Juno selbst, was immer für eine Ausdeutung man ihr gibt, die Juno, die nicht so ganz unzutreffend von den Dichtern als Feindin der Tugenden und als mißgünstig den nach dem Himmel strebenden Helden dargestellt wird. Aber andrerseits hält ihr Vergil leider nicht stand; er läßt sie zwar sagen5 :

„Bin von Äneas besiegt“;

aber demselben Äneas erteilt Helenus mit frommer Miene den Rat6 :

„Juno rufe williglich an, die gewaltige Herrin Überwinde mit Gaben und Fleh'n“.

Übrigens sei daran erinnert, daß Porphyrius, allerdings nicht als seine Meinung, sondern als die anderer, den Gedanken ausspricht, ein guter Gott oder ein Genius komme zu dem Menschen erst, wenn der böse Genius gnädig gestimmt worden sei; als wären bei ihnen die bösen Gottheiten stärker als die guten, da ja die bösen den Beistand der guten hintertreiben, wofern sie nicht gnädig gestimmt werden, um ihnen Platz zu machen, und die guten nicht nützen können, wenn die bösen nicht wollen, dagegen die bösen schaden können, ohne daß es in der Macht der guten läge, ihnen zu widerstehen. Das ist nicht der Weg der wahren und wahrhaft heiligen Religion; nicht mit solchen Mitteln besiegen unsere Märtyrer die Juno, d. i. die den Tugenden der Frommen mißgünstigen Mächte in der Luft. Nein, nicht durch Gaben und Flehen, sondern durch göttliche Heldenkraft überwinden sie als die wahren Heroen, wenn sie schon diesen Namen nicht führen, die Hera. Hat man doch den Scipio deshalb Africanus zubenannt, weil er durch seine Heldenkraft Afrika besiegt hat, ein Beiname, der ihm kaum zuteil geworden wäre, wenn er die Feinde durch Gaben günstig gestimmt hätte, um sie zur Schonung zu bewegen.

1: Vgl. Off. 6, 11.
2: Vgl. Hebr. 12, 4.
3: Vgl. oben IV, 10.
4: Ebd. IX, 11.
5: Aen. 7, 310.
6: 3, 438 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger