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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
10. Buch

19. Die Idee, die dem sichtbaren Opfer zugrunde liegt, das nach der Lehre der wahren Religion dem einen wahren und unsichtbaren Gott darzubringen ist.

Es gibt indes Leute, die da meinen, derlei sichtbare Opfer paßten wohl für andere Götter, dagegen für unsern Gott als einen unsichtbaren geziemten sich nur unsichtbare Opfergaben, für ihn als den erhabeneren und besseren nur erhabenere und bessere, wie etwa der Dienst eines reinen Sinnes und eines guten Willens, Allein dabei wird nicht beachtet, daß das sichtbare Opfer eben der Ausdruck jener inneren Gesinnung ist, so wie das vernehmbare Wort der Ausdruck für eine Sache ist, Wie wir also, wenn wir beten und preisen, bezeichnende Worte an den richten, dem wir die damit bezeichneten Stimmungen in unserm Herzen darbringen, so haben wir, wenn wir opfern, keinem andern ein sichtbares Opfer darzubringen als dem, dem wir mit unserer Person in unseren Herzen eine unsichtbare Opfergabe sein müssen. Dann nur sind uns hold und freuen sich mit uns und helfen uns dazu nach Kräften die Engel alle und die gerade eben an Gutheit und Gottseligkeit überragenden oberen Mächte. Wollten wir dagegen ihnen solchen Dienst erweisen, so nehmen sie es ungnädig auf und verbieten es ausdrücklichst, wenn sie zu Menschen geschickt werden in einer Form, bei der ihre Gegenwart wahrgenommen wird. Es fehlt hierfür nicht an Beispielen in der Heiligen Schrift. Kam es doch vor, daß man Engeln durch Anbetung oder Opferspende die Ehre erweisen zu müssen meinte, die Gott gebührt, und das haben die Engel verwehrt und haben solche Ehre dem darzubringen geheißen, dem sie allein gebührt, wie sie wußten1 . Und nach dem Vorbild der heiligen Engel verfuhren auch heilige Gottesmänner. Paulus und Barnabas wurden für Götter gehalten, als sie in Lykaonien ein Heilwunder vollbrachten, und die Lykaonier wollten ihnen Opfer schlachten; aber sie wehrten in demütiger Frömmigkeit ab und verkündeten ihnen den Gott, an den sie glauben sollten2 . Und gerade deshalb heischen jene trügerischen Wesen in ihrem Hochmut solche Ehre für sich, weil sie wissen, daß sie nur Gott gebührt. Denn in Wirklichkeit haben sie nicht wie Porphyrius und manche andere glauben, am Brodem von Opfertieren ihre Freude, sondern an göttlichen Ehren. Brodem haben sie ja in reichlicher Menge überall, und wenn sie noch mehr davon wollten, könnten sie sich selber solchen veranstalten. Demnach ergötzen sich Geister, die sich die Göttlichkeit anmaßen, nicht am Qualm irgendeines Körpers, sondern an der Gesinnung des Flehenden, dessen Täuschung und Unterwürfigkeit es ihnen ermöglicht, ihn zu beherrschen und ihm dadurch den Weg zum wahren Gott zu versperren, damit der Mensch nicht sein Opfer sei, da das Opfer einem andern gilt als ihm.

1: Richt. 13, 16; Off. 19, 10; 22, 8 f.
2: Phil. 2, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger