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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
10. Buch

14. Den einen Gott muß man wie um der ewigen, so auch um der zeitlichen Gaben willen verehren, weil alles der Macht seiner Vorsehung untersteht.

Wie nun aber die richtige Erziehung des einzelnen Menschen, so schritt auch die des Menschengeschlechtes, soweit das Volk Gottes in Frage kommt, in gewissen Zeitabschnitten wie in Altersstufen voran, damit man sich vom Zeitlichen zur Ergreifung des Ewigen und vom Sichtbaren zum Unsichtbaren emporschwinge; und zwar in der Weise, daß auch zu der Zeit, da sichtbarer Lohn von Gott verheißen war1 , doch auf des einen Gottes Verehrung gedrungen wurde, damit sich der menschliche Geist auch nicht um der irdischen Gaben des vergänglichen Lebens willen irgendeinem andern als seinem wahren Schöpfer und Herrn hingebe. Denn was Engel und Menschen einem gewähren können, liegt durchaus in der Gewalt des einen Allmächtigen, was nur Aberwitz in Abrede stellen kann. Der Platoniker Plotin wenigstens, der von der Vorsehung handelt2 , beweist, daß sie sich erstrecke vom höchsten Gott angefangen, dem die nur dem geistigen Schauen erkennbare und unaussprechliche Schönheit eigen ist, bis herab zu den irdischen und ganz geringfügigen Dingen, und er beweist es an der Schönheit der Blüten und Blätter; er versichert, daß all diese sozusagen verächtlichen und in kürzester Frist vergehenden Dinge eine so herrliche Harmonie ihrer Formen nicht haben könnten, wenn sie ihre Form nicht von daher hätten, wo die übersinnliche [intellegible] und unwandelbare Form verharrt, die alles zumal in sich schließt. Darauf weist der Herr Jesus hin in den Worten3 : „Betrachtet die Lilien auf dem Felde, sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Und doch sage ich euch, daß selbst Salomon in all seiner Herrlichkeit nicht so bekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Felde, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen!“ Es ist also eine vortreffliche Anordnung, daß sich die an irdischem Begehren noch krankende menschliche Seele daran gewöhnt, die niederen, irdischen, für dieses vorübereilende Leben notwendigen, aber im Vergleich zu den Gaben des ewigen Lebens verächtlichen Güter, die sie sich wünscht, doch eben nur von dem einen Gott zu erwarten, damit sie bei dem Verlangen nach ihnen sich nicht lossage von der Hingabe an den, zu dem sie durch deren Verachtung und durch Abkehr von ihnen gelangen soll.

1: Nämlich im alten Bund.
2: Enn. 3, 2, 13.
3: Matth. 6, 28-30.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger