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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
10. Buch

11. Der Brief des Porphyrius, worin er den Ägypter Anebon um Aufklärung über die verschiedenen Arten von Dämonen angeht.

Da zeigte sich dieser Porphyrius doch noch verständiger in dem Schreiben, das er an den Ägypter Anebon richtete, worin er zum Schein um Rat und Aufschluß bittet und dabei diese gotteslästerlichen Künste in ihrer Nichtigkeit aufdeckt. Hier verwirft er die Dämonen überhaupt und sagt, sie zögen alberner Weise feuchten Dampf an sich, und das sei der Grund, weshalb sie nicht im Äther, sondern in der Luft unter dem Monde und auf der Mondkugel selbst ihren Aufenthalt hätten; indes will er doch nicht soweit gehen, all die Betrügereien, Bosheiten und Albernheiten, an denen er mit Recht Anstoß nimmt, sämtlichen Dämonen zuzuschreiben, und obwohl er sie sämtlich in ihrer Allgemeinheit als Toren gelten läßt, so bezeichnet er doch, nach dem Vorgang anderer, einige Dämonen als gütig. Er findet es aber merkwürdig, daß sich Götter durch Opfer nicht bloß anregen, sondern zwingen und nötigen lassen, den Willen von Menschen zu tun; und wenn der Unterschied zwischen Göttern und Dämonen darin liegt, daß die Götter körperlos sind, die Dämonen nicht, so ist ihm unverständlich, wie man dann Sonne und Mond und die übrigen sichtbaren Wesen am Himmel, die nach ihm zweifellos Körper sind, für Götter zu halten habe; und wenn sie Götter seien, so erhebe sich die Frage, wie man die einen als wohltätig, andere als Unheilstifter bezeichnen könne; ferner auch, wie sie als körperhafte Götter mit den unkörperlichen in Zusammenhang stehen. Er wirft auch wie im Zweifel die Frage auf, ob Wahrsagung und Wundertäterei auf eigene Erregung der Seele zurückzuführen sei oder ob Geister von außen an die Seele herantreten, um sie zu solchen Fähigkeiten zu erheben; dabei neigt er der letzteren Meinung zu, gestützt auf die Beobachtung, daß solche Leute mit Hilfe von Steinen und Kräutern die Bannmacht ausüben, verschlossene Türen öffnen und Ähnliches auf wunderbare Weise bewirken. Er weist deshalb darauf hin, daß andere der Meinung seien, es gebe eine Art Geister, in deren Natur es liege, sich Bitten gegenüber willfährig zu zeigen, Geister, die, von Natur aus voll Trug, jegliche Gestalt annehmen, bald so, bald so auftreten und sich als Götter, als Dämonen und als Seelen Verstorbener verstellen, und diese Wesen seien es, die all das bewirkten, mag es den Schein des Guten oder des Bösen zur Schau tragen; übrigens seien sie bezüglich dessen, was wahrhaft gut ist, keine Helfer, ja sie kannten nicht einmal das wahrhaft Gute, machten sich im Gegenteil den Tugendbeflissenen gegenüber durch schlechte Beratung, durch Bezichtigung und Hinderung nicht selten unliebsam geltend, seien ebenso unbesonnen als hochfahrend, hätten ihre Freude am Opferduft, ließen sich durch Schmeicheleien einnehmen und was sonst noch Porphyrius über diese Art von trügerischen und bösartigen Geistern, die von außen her in die Seele eindringen und die Sinne der Menschen im Schlaf oder in wachem Zustand irreführen, nicht zwar als seine eigene Ansicht, wohl aber in der Form einer leisen Vermutung oder eines Zweifels vorbringt, indem er solche Meinungen anderen in den Mund legt. Es war eben selbst für einen so bedeutenden Philosophen schwer, die ganze teuflische Sippschaft zu erkennen und mit Bestimmtheit schuldig zu sprechen, während im Christentum jedes schlichte Weiblein um deren Vorhandensein weiß und diese Gesellschaft mit allem Freimut verwünscht. Es müßte nur sein, daß Porphyrius befürchtete, Anstoß zu erregen bei dem Adressaten Anebon als einem Hohenpriester solchen Götterdienstes und bei anderen, die solche Werke als göttlich und zur Verehrung der Götter gehörig anstaunten.

Gleichwohl fährt er unbeirrt fort und bringt mit der Miene des Fragenden Dinge vor, die, bei Licht betrachtet, doch nur bösen und trügerischen Mächten zugeschrieben werden können. So fragt er, warum ihnen, an die man sich wende als an bessere Wesen, der Auftrag zuteil werde, unbillige Forderungen von Menschen auszuführen, gleich als wären sie sittlich schlechtere Wesen; warum sie das Flehen von Verliebten nicht erhören, da sie doch ihrerseits unbedenklich jedermann selbst zu unkeuschen Umarmungen geleiten; warum sie von ihren Priestern zur Vermeidung von Verunreinigung durch den Dunst des Fleisches die Enthaltung von Fleischgenuß fordern, während sie selbst an allerlei anderen Dünsten und speziell am Qualm der Opfertiere ihre Freude haben; wie dem Aufseher die Berührung von Leichnamen verwehrt sein könne, da doch die Beschwörungen zumeist über Leichname stattfinden; wie es komme, daß lasterhafte Menschen der Sonne und dem Mond oder sonst einem Himmelsgestirn statt einem Dämon oder der Seele eines Verstorbenen drohen und nichtigen Schrecken einjagen, um aus ihnen die Wahrheit herauszulocken. Sie drohen nämlich mit dem Einrennen des Himmels und mit andern schrecklichen Dingen, die außerhalb der Macht des Menschen liegen, um so zu erreichen, daß diese Götter, eingeschüchtert wie dumme Jungen durch nichtige und lächerliche Drohungen, das Verlangte bewirken. Porphyrius erwähnt auch, daß ein gewisser Chaeremon, der in diesen heiligen oder vielmehr heillosen Dingen bewandert gewesen sei, davon berichte, daß die ägyptische Mythe von Isis und ihrem Gemahl Osiris ganz besonders geeignet sei, die Götter zur Erfüllung der Forderungen zu nötigen, wofern der Beschwörer mit Verrat und Vernichtung des Mythus drohe und im Zusammenhang damit auch mit fürchterlicher Stimme die Zerstreuung der Gebeine des Osiris ankündige, falls seinem Befehl nicht Folge gegeben werde. Mit Recht wundert sich Porphyrius, daß ein Mensch den Göttern mit solchen gegenstandslosen Albernheiten drohe, und nicht bloß drohe, sondern sie gewaltsam und mit Erfolg nötige und zur Erfüllung seiner Wünsche bringe; oder vielmehr mit Recht gibt er durch seine Verwunderung und sein Fragen nach den Gründen dieser Erscheinung zu verstehen, daß hier Geister im Spiele seien von jener Art, wie er sie weiter oben mit den Worten anderer geschildert hat, Geister nämlich, die durch eigene Schuld, nicht, wie er sagt, von Natur aus trügerisch sind, die sich für Götter und für die Seelen von Verstorbenen ausgeben, in Wirklichkeit aber Dämonen sind, nicht, wie er sagt, sich dafür ausgeben. Und wenn er glaubt, mit Hilfe von Kräutern, Steinen, lebenden Wesen, gewissen bestimmten Tönen und Lauten, Bildern und Gestalten, auch durch Beobachtung der Bewegungen der Gestirne, bei der Umdrehung des Himmels würden von Menschen hier auf Erden Gewalten geschaffen, die allerlei zu wirken imstande wären, so liegt auch hier nichts anderes vor als das Werk von Dämonen, die mit den ihnen ergebenen Seelen ihren Spott treiben und sich aus den Verirrungen der Menschen ein lustiges Narrenspiel bereiten. Demnach hat Porphyrius entweder wirklich Zweifel gehegt und sich Aufklärung verschaffen wollen und dabei Dinge vorgebracht, wodurch diese Wesen überführt und entlarvt werden, so daß sich herausstellt, daß sie nicht zu den Mächten gehören, die uns zur Erreichung des ewigen Lebens förderlich sind, sondern zu den trügerischen Dämonen; oder aber — um über den Philosophen eine bessere Meinung zu haben — er wollte auf diese Weise vermeiden, bei dem Ägypter, der solchen Irrtümern ergeben war und sich im Besitze eines bedeutsamen Wissens wähnte, durch den Schein überlegenen Tones der Belehrung anzustoßen oder ihn durch offenen Widerspruch zu reizen, und zog es vor, ihn mit der bescheidenen Miene eines Fragenden und Wißbegierigen zum Nachdenken darüber zu veranlassen und ihn darauf hinzuweisen, wie sehr man derlei verachten und meiden müsse. Und so ersucht er ihn gegen Ende des Briefes um Belehrung darüber, welches der Weg zur Glückseligkeit sei nach der Weisheitslehre der Ägypter. Übrigens verhehlt er nicht, daß die, die mit den Göttern verkehren zu dem Zweck, den göttlichen Geist wegen Auffindung eines entlaufenen Sklaven oder Erwerbung eines Landgutes oder wegen einer Heirat oder eines Kaufhandels zu behelligen, allem Anschein nach sich nicht eben erfolgreich um die Weisheit bemüht hätten, und daß auch die Wesen selbst, mit denen sie verkehren, mögen sie auch im übrigen die Wahrheit verkünden, doch nicht Götter seien noch auch wohlwollende Dämonen, da ihre Lehren über die Glückseligkeit alle Vorsicht und die rechte Tauglichkeit vermissen ließen, sondern entweder der, welcher der Betrüger heißt, oder weiter nichts als menschliche Erfindung.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger