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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
9. Buch

9. Vermag die Vermittlung der Dämonen dem Menschen die Gunst der himmlischen Götter zu verschaffen?

Was sind also das für Mittler zwischen den Menschen und den Göttern, daß sich die Menschen ihrer bedienen sollten, um sich um die Gunst der Götter zu bewerben! Welche Mittler, die das, was im beseelten Wesen das Bessere ist, den Geist nämlich, in so minder guter Beschaffenheit wie die Menschen haben, dagegen das, was im beseelten Wesen das minder Gute ist, den Leib nämlich, in so guter Beschaffenheit wie die Götter haben! Das beseelte Wesen besteht nämlich doch aus Seele und Leib, und von diesen beiden ist die Seele ohne Zweifel besser als der Leib, und selbst wenn sie mit Gebrechen behaftet und schwach ist, gewiß noch besser als der gesündeste und stärkste Leib, weil ihre einer höheren Ordnung angehörige Natur auch durch die Makel von Gebrechen nicht hinter den Leib zurückgeworfen wird, so wie selbst schmutziges Gold höher gilt als das reinste Silber oder Blei; nun haben aber diese Mittler zwischen Göttern und Menschen, durch deren Einschaltung das Menschliche mit dem Göttlichen verbunden wird, mit den Göttern den ewigen Leib, mit den Menschen den mit Gebrechen behafteten Geist gemein, als ob die Religion, durch die die Menschen mittels der Dämonen mit den Göttern verbunden werden sollen, im Leibe und nicht im Geiste ihren Sitz hätte. Was soll das? Ist es ein Schurkenstreich oder eine Strafe, daß diese falschen und trugvollen Mittler gleichsam mit dem Kopf nach unten in die Schwebe gestellt sind, da sie den unteren Teil ihres Wesens d. i. den Leib mit den oberen Wesen, den oberen d. i. die Seele mit den unteren gemein haben und mit den himmlischen Göttern im dienenden Teile verbunden, mit den Menschen auf Erden im herrschenden Teile unselig sind? Denn der Leib ist der dienende Teil, wie auch Sallust1 sagt: „Die Seele ist in uns mehr der befehlende, der Leib der dienende Teil.“ Und da er von den Menschen spricht, die einen sterblichen Leib haben wie die Tiere, so fügt er bei: „Den einen haben wir mit den Göttern, den andern mit den Tieren gemeinsam.“ Aber diese Wesen, die uns die Philosophen als Mittler zwischen uns und den Göttern vorgesehen haben, können allerdings mit Beziehung auf ihre Seele und ihren Leib sagen: „Den einen Teil haben wir mit den Göttern, den andern mit den Menschen gemeinsam,“ allein wie gesagt, sie sind gleichsam verkehrt befestigt und aufgemacht, haben den dienenden Leib mit den seligen Göttern und die beherrschende Seele mit den unseligen Menschen gemein, den unteren Teil nach oben und den oberen nach unten. Wenn man also auch meinte, sie hätten mit den Göttern die Ewigkeit insofern gemein, als ihre Seele nicht, wie die der irdischen Lebewesen, durch den Tod vom Leibe getrennt wird, so ist doch deshalb ihr Leib nicht als der ewige Träger Verherrlichter, sondern als die ewige Fessel Verdammter zu betrachten.

1: Cat. 1, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger