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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
8. Buch

21. Werden sich wohl die Götter der Dämonen als ihrer Boten und Mittelspersonen bedienen, unwissend oder damit einverstanden, daß sie von ihnen hintergangen werden?

Allein es besteht nun einmal eine zwingende Notwendigkeit und man kann dieser Absurdität und Unschicklichkeit, so groß sie ist, nicht ausweichen; es würde eben den Göttern im Äther, die sich um die menschlichen Dinge nicht kümmern, doch wohl entgehen, was die Menschen auf der Erde treiben, wenn ihnen nicht die Dämonen in der Luft Kunde davon zutrügen; denn der Äther ist weit weg von der Erde und hoch oben ausgespannt, die Luft dagegen berührt sich mit dem Äther und mit der Erde. Eine staunenswerte Weisheit! Ihre Vertreter haben also über die Götter, die alle nach ihnen ganz gut sind, die Ansicht, daß sie sich um die menschlichen Dinge kümmern, damit sie sich nicht der Verehrung unwürdig erweisen, dabei aber wegen des weiten Abstandes der Elemente keine Kenntnis von den menschlichen Dingen haben, so daß man Dämonen für unentbehrlich und demnach auch sie für verehrungswürdig hält, damit durch sie die Götter erfahren könnten, wie es auf Erden zugehe und worin den Menschen Hilfe not tue. Ist dem so, dann ist diesen guten Göttern der Dämon vermöge seiner räumlichen Nähe besser bekannt als ein Mensch vermöge seiner guten Gesinnung. Eine recht bedauerliche Notwendigkeit, oder vielmehr ein lächerliches oder ganz verwerfliches Wahngebilde, erfunden, damit nicht die Gottheit zu einem Wahngebilde herabsinke! Denn wenn die Götter mit einem von den Hemmungen des Leibes freien Geiste unsern Geist zu sehen vermögen, so benötigen sie zu diesem Zweck nicht des Nachrichtendienstes der Dämonen; wenn aber die ätherischen Götter durch Vermittlung ihres Leibes sinnfällige Äußerungen der Seele wahrnehmen, wie das Reden, die Miene, die Bewegung, und darauf auch bei den Nachrichten der Dämonen angewiesen sind, so ist es nicht ausgeschlossen, daß sie von den Dämonen angeführt werden. Wenn jedoch ihre göttliche Natur sie vor Täuschung durch die Dämonen schützt, so ist dieselbe göttliche Natur auch dafür Gewähr, daß sie wissen, was wir tun.

Aber1 das möchte ich zu gern von den Platonikern inne werden, ob die Dämonen den Göttern gemeldet haben, daß die Fabeleien der Dichter über Götterverbrechen Platos Mißfallen erregt haben, und dabei verschwiegen haben, daß sie selbst daran Gefallen finden, oder ob sie beides zumal verheimlicht haben und die Götter von der ganzen Sache nichts wissen lassen wollten, oder ob sie das eine wie das andere bekannt gegeben haben, sowohl die von ehrfürchtiger Scheu vor den Göttern eingegebene weise Maßnahme Platos, als auch ihre eigene von frevelhafter Gesinnung gegen die Götter zeugende unlautere Begehrlichkeit, oder endlich, ob sie zwar von der Ansicht Platos, wonach die Götter nicht durch die skrupellose Frechheit der Dichter mit unwahren Verbrechen in üblen Ruf gebracht werden sollten, die Götter nichts wissen lassen wollten, dagegen weder Scheu noch Bedenken trugen, ihre eigene Verdorbenheit kund zu tun, womit sie die Bühnenspiele lieben, in denen jene Schandtaten der Götter verherrlicht werden. Von diesen vier Fällen, die ich ihnen hier vorgelegt habe, mögen sie sich entscheiden für welchen sie wollen und dann darüber nachdenken, wieviel Schlechtes sie in jedem Falle bei den guten Göttern voraussetzen. Entscheiden sie sich nämlich für das erste, so geben sie damit zu, daß es guten Göttern nicht vergönnt war, mit dem guten Plato zu verkehren, der doch Schmach von ihnen abwehrte, während sie mit bösen Dämonen verkehrten, die doch über die den Göttern zugefügte Schmach jubelten, da eben die guten Götter den weit von ihnen entfernten guten Menschen nur durch die Vermittlung der Dämonen kannten, die Dämonen aber trotz ihrer Nähe nicht zu durchschauen vermochten. Entscheiden sie sich aber für das zweite, daß nämlich beides zumal von den Dämonen verheimlicht worden sei, so daß die Götter weder von der gottesfürchtigen Verordnung Platos noch von dem gotteslästerlichen Ergötzen der Dämonen irgend welche Kenntnis erhielten, was hat dann der Nachrichtendienst der Dämonen bei den Göttern in menschlichen Angelegenheiten überhaupt für einen Wert, wenn die Götter das nicht erfahren, was zur Ehre der guten Götter durch die religiöse Gesinnung guter Menschen wider das Gelüsten der bösen Dämonen angeordnet wird? Und wenn sie sich für das dritte entscheiden und demnach erwidern, daß nicht nur die von den Göttern Schmach abwehrende Ansicht Platos, sondern auch die über die Schmach der Götter jubelnde Verdorbenheit der Dämonen eben durch die Mitteilung der Dämonen den Göttern kund geworden sei, heißt das, eine Mitteilung machen oder Spott treiben? und die Götter vernehmen und erkennen das eine wie das andere und sie wehren den bösartigen Dämonen, deren Verlangen und Gebahren im Widerspruch steht zur göttlichen Würde und zur Religiosität Platos, sie wehren ihnen nicht den Zutritt, nein, sie übermitteln auch noch durch diese bösen Nachbarn dem ferne weilenden guten Plato ihre Gaben? Denn die wie eine Kette festgeschlossene Anordnung der Elemente hat sie in Bande geschlagen, sodaß sie wohl mit ihren Verleumdern, nicht aber mit ihrem Verteidiger in Verkehr treten können, obwohl sie die Stellungnahme beider Teile kennen, ohne jedoch imstande zu sein, die Schwere der Luft und der Erde miteinander zu vertauschen. Noch ist die vierte Möglichkeit übrig, und entscheiden sie sich für diese, so ist das noch das Schlimmste von allem. Es ist doch vollends unerträglich, zu denken, daß die Dämonen den Göttern von den schandbaren Dichterfabeln und den unwürdigen Theaterpossen über die unsterblichen Götter und von ihrer eigenen glühenden Begierde nach all dem und der hellen Freude, die sie daran haben, Kenntnis gegeben, dagegen verschwiegen haben, daß Plato mit philosophischem Ernste all das aus dem Musterstaat verbannt wissen wollte; da befinden sich ja gar die guten Götter in der Zwangslage, durch solche Mittler die Schlechtigkeiten der schlechtesten Wesen und zwar nicht irgend welcher Wesen, sondern gerade eben dieser Mittler inne zu werden, während es ihnen nicht möglich ist, die entgegengesetzten guten Bestrebungen der Philosophen inne zu werden, obwohl jene Schlechtigkeiten den Göttern selbst zur Schmach, diese guten Bestrebungen ihnen zur Ehre gereichen!

1: Nach anderer Zählung beginnt hier Kap. 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger