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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
8. Buch

15. Die Dämonen stehen wegen ihres luftartigen Leibes so wenig als wegen ihres erhabeneren Wohnsitzes über den Menschen.

Keine Rede also davon, daß ein wahrhaft religiöses und dem wahren Gott ergebenes Gemüt, wenn es diese Tatsachen ins Auge faßt, die Dämonen für besser als sich selbst halten sollte deshalb, weil sie einen vorzüglicheren Leib haben. Sonst müßten wir auch viele Tiere uns überordnen, die uns an Schärfe der Sinne, an Gelenkigkeit und Schnelligkeit, an Fülle der Kraft und an jahresreicher Dauerhaftigkeit ihres Leibes übertreffen. Wo gäbe es einen Menschen, der an Sehkraft den Adlern und Geiern gleichkäme, an Spürsinn den Hunden, an Schnelligkeit den Hasen, Hirschen oder irgend einem Vogel, an Kraftentfaltung den Löwen und Elefanten, an Lebensdauer den Schlangen, die sogar mit ihrer Haut das Alter abstreifen und wieder jung werden sollen? Aber wie wir durch die Vernunft- und Verstandesbetätigung all diese Tiere überragen, so müssen wir auch durch einen guten und ehrbaren Wandel die Dämonen übertreffen. Deshalb hat ja auch die göttliche Vorsehung den Wesen, über die wir unbestritten hervorragen, manche hervorragendere Gaben verliehen, damit uns auch dadurch die Pflicht nahegelegt werde, das, worin wir sie überragen, mit weit größerer Sorgfalt auszubilden als die leibliche Sphäre, und damit wir die leibliche Überlegenheit, die wir den Dämonen eigen wüßten, gegenüber dem guten Wandel, durch den wir sie überragen, gering zu achten lernten, um so mehr als auch wir dereinst die Unsterblichkeit des Leibes erlangen werden, aber nicht eine solche, die von ewiger Pein begleitet ist, sondern eine solche, die durch Reinheit des Herzens eingeleitet wird.

Vollends lächerlich aber wäre es, sich durch die hohe Lage des Wohnsitzes, sofern die Dämonen in der Luft, wir aber auf der Erde hausen, zu der Annahme bestimmen zu lassen, daß sie uns überzuordnen seien. Damit würden wir ja auch alle fliegenden Tiere uns überordnen. Aber die fliegenden Tiere, hält man entgegen, müssen doch, wenn sie vom Fliegen ermüdet sind oder ihren Leib durch Nahrung erquicken müssen, die Erde wieder aufsuchen, sei es zum Ruhen oder zur Nahrungsaufnahme, was die Dämonen nicht tun. Will man damit sagen, daß die fliegenden Tiere uns, die Dämonen aber selbst die fliegenden Tiere überragen? Wenn es heller Unsinn ist, das anzunehmen, so fällt jeder Grund hinweg, die Dämonen wegen ihres Wohnsitzes in einem höheren Element für würdig zu erachten, daß wir uns ihnen in religiöser Ehrfurcht unterwerfen sollten. Denn so gut es möglich und wirklich der Fall ist, daß die Vögel in der Luft uns Erdenwesen nicht nur nicht übergeordnet, sondern sogar wegen der Erhabenheit der vernünftigen Seele, die uns innewohnt, uns untergeordnet sind, so brauchen auch die Dämonen, obschon sie in höherem Grade als die Vögel Luftwesen sind, deshalb noch nicht vortrefflicher zu sein als wir Erdenwesen, weil die Luft über der Erde ist; vielmehr sind die Menschen deshalb über sie zu stellen, weil mit der Hoffnung der frommen Menschen die Verzweiflung der Dämonen gar nicht zu vergleichen ist. Übrigens zeigt auch die Art und Weise, wie Plato die vier Elemente durch Proportion verbindet und ordnet, indem er zwischen die beiden äußersten, das höchst bewegliche Feuer und die unbewegliche Erde, in der Weise zwei Mittelglieder, die Luft und das Wasser, einschiebt, daß, wie die Luft über die Gewässer und wie das Feuer über die Luft, so die Gewässer über die Erde erhaben sind, diese Proportion sage ich, weist uns deutlich darauf hin, daß wir den Wert der Lebewesen nicht nach dem Range der Elemente bemessen dürfen. Und auch Apuleius seinerseits bezeichnet wie die anderen den Menschen als ein Erdenwesen und doch steht der Mensch hoch über den Wasserwesen, obgleich Plato die Gewässer über die Erde stellt; daraus sehen wir, dass man sich, wenn der Wert der Seelen zur Erörterung steht, nicht an die Rangordnung bänden darf, die bei den körperlichen Elementen zu herrschen scheint, sondern daß recht wohl die vorzüglichere Seele in einem niedrigeren Element und die schlechtere in einem höheren hausen könne.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger