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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
7. Buch

8. Warum hat man den Janus doppelstirnig und selbst vierstirnig dargestellt?

Doch es möge nunmehr die Auslegung des doppelstirnigen Bildnisses angeführt werden, Janus habe deshalb zwei Gesichter, sagt man, eines nach vorne und eines nach rückwärts, weil unsere Mundhöhle, wenn wir den Mund öffnen, der Welt ähnlich sehe; das ist auch der Grund, weshalb die Griechen den Gaumen ο??ανός nennen, und manche lateinische Dichter, sagt Varro, haben das Himmelsgewölbe palatum genannt; von der Mundhöhle aus sei ein Zugang nach außen in der Richtung auf die Zähne wie auch nach innen in der Richtung auf den Schlund. Ei ei, dahin ist man mit der Welt gekommen im Anschluß an die Bedeutung, die das Wort palatum im Griechischen und bei den Dichtern hat! Aber was hat das mit der Seele, was mit dem ewigen Leben zu schaffen? Man verehre diesen Gott allein wegen des Speichels, für den die Doppelpforte unter dem Gaumenhimmel offen steht, teils um ihn zu verschlucken, teils um ihn auszuspucken. Und wie ungereimt: man findet an der Welt selbst nirgends zwei einander gegenüberliegende Türen, durch die sie etwas zu sich einläßt und von sich gibt, und will nun, ausgehend von Mund und Kehle des Menschen, womit die Welt keine Ähnlichkeit hat, ein Bild der Welt darstellen an Janus nur wegen des Gaumens, mit dem Janus keine Ähnlichkeit hat? Wenn sie ihn aber vierstirnig darstellen und Doppeljanus nennen, so deuten sie das aus auf die vier Weltgegenden, als ob die Welt nach etwas außer ihr blickte, wie Janus mit allen vier Gesichtern. Sodann, wenn Janus die Welt ist und die Welt aus vier Weltgegenden besteht, so ist das Bildnis des doppelstirnigen Janus unrichtig; oder wenn es richtig ist insofern, als man gewöhnlich unter Morgenland und Abendland die ganze Welt versteht, muß man nun auch von einer Doppelwelt sprechen, da wir die beiden andern Weltgegenden Nord und Süd nennen und man den vierstirnigen Janus als Doppeljanus bezeichnet? Und wenn sie für den doppelstirnigen Janus wenigstens noch im Munde des Menschen einen Anhaltspunkt für ihre Ausdeutung gefunden haben, so wird es ihnen doch ganz unmöglich, die vier Türen, die für Eintritt und Austritt offen stehen sollen, auf eine Ähnlichkeit mit der Welt auszudeuten, es müßte nur eben Neptun zu Hilfe kommen und den Fisch darbieten, der außer der Mund- und Schlundöffnung auch noch rechts und links klaffende Kiemen hat. Und durch all die vielen Türen entkommt gleichwohl keine Seele diesen Wahngebilden, außer sie hört auf die Wahrheit, die da spricht: „Ich bin die Türe“1 .

1: Joh. 10, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger