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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
7. Buch

34. Von den Büchern des Numa Pompilius, die der Senat verbrennen ließ, damit nicht die darin niedergelegten Ursachen der Mysterien bekannt würden.

Dagegen finden wir — wiederum ist uns der hochgelehrte Varro Gewährsmann —, daß man die in den Büchern des Numa Pompilius dargelegten Ursachen der Mysterien durchaus nicht dulden konnte und sie nicht für wert hielt, daß sie auch nur als Schriften ein verborgenes Dasein führten, geschweige denn als Lesestücke den Gottssfürchtigen bekannt würden. Ich komme nämlich jetzt auf das zu sprechen, was ich schon im dritten Buch dieses Werkes an seinem Orte zu besprechen in Aussicht gestellt habe1 . Wie in Varros Werk über den Götterkult zu lesen ist, „besaß ein gewisser Terentius am Janiculus ein Grundstück und sein Knecht förderte, als er neben dem Grabe des Numa Pompilius pflügte, die Bücher dieses Königs zu Tage, worin die Ursachen der gottesdienstlichen Einrichtungen verzeichnet waren. Terentius schaffte diese Bücher in die Stadt zum Prätor. Dieser besah sich die ersten Zeilen und brachte die wichtige Angelegenheit an den Senat. Als man dort einige der gleich am Anfang erwähnten Ursachen, warum dies und jenes bei den gottesdienstlichen Feiern eingeführt worden sei, verlesen hatte, stimmte der Senat dem verstorbenen Numa bei und die versammelten Väter votierten als frommgesinnte Männer, der Prätor solle diese Bücher verbrennen“. Mag jeder davon halten, was er will; oder vielmehr mag jeder noch so gewandte Verteidiger einer solchen Gottlosigkeit sagen, was ihm sinnlose Streitsucht zu sagen eingibt. Ich beschränke mich auf den Hinweis, daß die vom König Pompilius, dem Stifter des römischen Religionswesens, aufgezeichneten Ursachen der Mysterien weder dem Volke, noch dem Senate, noch auch nur den Priestern selbst bekannt werden durften und daß Numa Pompilius seinerseits durch unerlaubte Neugier Geheimnisse der Dämonen in Erfahrung gebracht habe, die er zwar aufnotierte, damit er durch Nachlesen die Erinnerung auffrischen könne, deren Aufzeichnung er jedoch, obwohl er ein König war, der sich gewiß vor niemand zu fürchten brauchte, weder jemanden mitzuteilen noch auch zu vernichten oder auf irgend eine Weise gänzlich zu zerstören wagte. So vergrub er denn das, was niemand wissen sollte, damit nicht die Menschen Abscheuliches daraus lernten, was er jedoch zu beschädigen sich scheute, damit er nicht die Dämonen wider sich aufbringe, er vergrub es an einem Ort, wo er es für geborgen hielt, da er nicht annahm, daß der Pflug an sein Grab herankommen könne. Der Senat aber erachtete, obwohl er die religiösen Anschauungen der Vorfahren zu verdammen sich scheute und deshalb dem Numa beizustimmen sich genötigt sah, dennoch diese Bücher für so verderblich, daß er sie nicht einmal mehr aufs neue vergraben ließ, damit sich nicht die menschliche Neugier noch viel heftiger auf die schon ruchbar gewordene Sache stürze, sondern die gottlosen Dokumente verbrennen ließ; man hielt es, da man schon einmal diese Götterfeiern als notwendig erachtete, für das geringere Übel, daß man in Unkenntnis über deren Ursachen in die Irre gehe, als daß der Staat durch das Bekanntwerden der Ursachen in Verwirrung gerate.

1: Oben III 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger