Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
7. Buch

22. Von Neptun, Salacia and Venilia.

Neptun hatte natürlich bereits seine Gemahlin Salacia, womit man das untere Wasser des Meeres bezeichnete; warum wurde ihr auch noch Venilia beigesellt? Keine Spur von Begründung in einem gottesdienstlichen Bedürfnis; lediglich die Gier der geschändeten Seele zügelte immer neue Dämonen heran. Doch nein, jene famose Theologie soll mit ihrer Auslegung herausrücken und unsern Tadel durch Angabe der Begründung in Schranken weisen. „Venilia“, sagt Varro, „ist die Woge, die sich ans Gestade wälzt, Salacia die, die ins hohe Meer zurückflutet“. Warum denn zwei Göttinnen, da doch die herein- und die hinausflutende Woge die gleiche ist? Gerade da haben wirs ja: es ist die rasende Gier nach vielen Gottheiten. Das Wasser, das dahinflutet und zurückkehrt, ist nicht ein verschiedenes, und doch nimmt die Seele, die dahinflutet und nicht zurückkehrt1 , diese törichte Vorstellung zum Anlaß, zwei Dämonen herbeizuzügeln, und befleckt sich dadurch noch mehr. Erklärt mir doch dies, Varro oder ihr, die ihr die einschlägigen Schriften so gelehrter Männer gelesen habt und euch etwas darauf zu gut tut, daß ihr daraus bedeutsame Kenntnisse gewonnen habt, deutet es mir, ich will nicht sagen auf einen Zusammenhang mit der ewigen und unwandelbaren Natur, die Gott allein ist, sondern nur wenigstens auf einen Zusammenhang mit der Weltseele und ihren Teilen, was ihr für die wahren Götter haltet. Daß ihr euch den Teil der Weltseele, der das Meer durchwaltet, zum Gott Neptunus gemacht habt, ist eine immerhin noch einigermaßen erträgliche Verirrung. Stellt denn aber wirklich die zur Küste flutende und ins Meer zurückflutende Woge zwei Teile der Welt oder zwei Teile der Weltseele dar? Wer von euch möchte eine solche Torheit annehmen? Warum haben dann eure weisen Vorfahren zwei Göttinnen daraus gemacht? Doch nur deshalb, weil sie dafür gesorgt haben, daß wieder mehr Dämonen, die an solchen Unwahrheiten und Täuschungen ihre Freude haben, von euch Besitz ergreifen, nicht aber daß sich eine größere Anzahl Götter um euere Leitung annehme. Warum wird ferner Salacia durch diese Auslegung um den unteren Teil des Meeres gebracht, durch den ihre Unterordnung unter ihren Gemahl angedeutet ist? Denn nun versetzt ihr sie an die Oberfläche, da ihr aus ihr die zurückflutende Woge macht. Hat sie vielleicht ihren Gemahl aus den oberen Teilen des Meeres verbannt, erbost darüber, daß er die Venilia zur Maitresse nahm?

1: d. i. die immer tiefer in den Bann der Dämonen verstrickt wird und den Weg zu Gott zurück nicht findet.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. 1. Buch
. 2. Buch
. 3. Buch
. 4. Buch
. 5. Buch
. 6. Buch
. 7. Buch
. . Mehr
. . 14. Die Aufgaben des ...
. . 15. Sterne mit Götter...
. . 16. Von Apollo, Diana ...
. . 17. Varro stellt selbst ...
. . 18. Woraus mag wohl ...
. . 19. Deutungen, die ...
. . 20. Von den Mysterien ...
. . 21. Von den Schändlic...
. . 22. Von Neptun, Salacia ...
. . 23. Über die Erde, ...
. . 24. Über die Beinamen ...
. . 25. Die Deutung, welche ...
. . 26. Der Kult der Großen ...
. . 27. Die Ausdeutung ...
. . 28. Die Lehre Varros ...
. . 29. Die Beziehungen, ...
. . 30. Wahre Frömmigkeit ...
. . Mehr
. 8. Buch
. 9. Buch
. 10. Buch
. 11. Buch
. 12. Buch
. 13. Buch
. 14. Buch
. 15. Buch
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger