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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
5. Buch

4. Esau und Jakob waren Zwillinge und gleichwohl in Charakter und Taten sehr verschieden voneinander.

Zu den Zeiten der alten Väter wurden [um ein altbekanntes Beispiel anzuführen] Zwillinge geboren, einer so unmittelbar nach dem andern, daß der zweite den ersten an der Ferse hielt1 . In ihrem Leben und in ihrem Charakter zeigte sich aber ein solcher Unterschied, in ihren Handlungen eine solche Ungleichheit, in der Liebe von seiten der Eltern eine solche Unähnlichkeit, daß der sich ergebende Abstand sie sogar einander zu Feinden machte. Damit meint man aber doch nicht, daß der eine ruhig dasaß, wenn der andere umherging, daß der eine schlief, wenn der andere wachte, daß der eine schwieg, wenn der andere redete; das eben wären solche Kleinigkeiten, die nicht wahrgenommen werden können [an der Konstellation der Gestirne] von denen, welche die Nativität stellen, auf Grund deren man die Mathematiker befragt. Vielmehr diente der eine um Lohn, der andere diente nicht; den einen liebte die Mutter, den andern liebte sie nicht; der eine verlor das Erstgeburtsrecht, das bei ihrem Volke hoch in Ehren gehalten wurde, der andere gewann es. Und erst hinsichtlich ihrer Frauen, ihrer Kinder, ihres Besitzes, welche Verschiedenheit! Hängen also solche Unterschiede von den Zeitteilchen ab, die zwischen der Geburt von Zwillingen liegen, und werden sie nicht auf Rechnung der Konstellationen geschrieben, warum macht man dann Aussagen auf Grund der Einsichtnahme von Konstellationen anderer? Beruft man sich aber darauf, daß sich hier die Aussagen nicht auf so geringe Zeitabstände stützen, die sieh der Wahrnehmung entziehen, sondern auf längere Zeiträume, die man verfolgen und aufzeichnen kann, was soll dann das Gleichnis von der Töpferscheibe, das doch nur Menschen mit erdhaftem Herzen im Kreise herumtreibt, damit der Schwindel, den die Mathematiker treiben, nicht aufkomme.

1: I Mos. 25, 24 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger