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Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
5. Buch

23. Der Krieg mit dem Gotenkönig Radagais, einem Verehrer der Dämonen, und seinem mächtigen Heere ward durch einen Sieg an einem einzigen Tage beendigt.

Hat sich dagegen unter unseren Augen in jüngster Zeit noch Gott wunderbar und barmherzig erwiesen, so suchen sie das, weit entfernt, es dankbaren Sinnes hervorzuheben, vielmehr, soweit an ihnen liegt, womöglich bei allen Menschen aus der Erinnerung zu tilgen; wir wären geradeso undankbar, wollten auch wir darüber weggehen. Als der Gotenkönig Radagais mit ungeheuren Barbarenhaufen den Römern auf dem Nacken saß und schon der Hauptstadt nahe gekommen war, wurde er an einem einzigen Tage mit solcher Schnelligkeit überwunden1 , daß seine Kriegsmacht, die sich auf weit mehr als 100.000 Mann belief, niedergeschmettert und er selbst kurz danach gefangen und zur gebührenden Strafe hingerichtet wurde, während auf Seiten der Römer nicht ein Mann fiel oder auch nur Wunden davontrug. Wäre dieser gottlose Heerführer mit der Unmasse seiner gottlosen Truppen in Rom eingedrungen, wen hätte er verschont? welchen Martyrerstätten hätte er Ehre zuteil werden lassen? in wessen Person hätte er Gott respektiert? wessen Blut zu sparen, wessen Keuschheit zu achten, wäre ihm zu Sinne gestanden? Und welches Geschrei hätten unsere Gegner zugunsten ihrer Götter erhoben, mit welch triumphierendem Hohn würden sie darauf hinweisen, daß Radagais deshalb gesiegt, deshalb soviel zuwege gebracht hätte, weil er durch tagtägliche Opfer die Götter versöhnte und auf seine Seite zog, was den Römern die christliche Religion nicht gestattete? Sagte man doch, als er sich bereits den Gefilden näherte, die nach dem Winke der höchsten Majestät sein Grab wurden, bei uns in Karthago — überallhin drang ja die Kunde von ihm —, die Heiden glaubten und verbreiteten und prahlten, er könne als Schützling und Günstling der Götter, denen er angeblich Tag für Tag Opfer darbrachte, überhaupt nicht besiegt werden von den Römern, die ihren Göttern keine solche Verehrung erwiesen noch auch dies irgend jemand gestatteten. Und da unterlassen es diese Elenden, für eine so große Erbarmnis Gott Dank zu sagen. In seinem Ratschluß war es gelegen, die Menschen um ihrer Sitten willen, die noch schlimmeres verdient hätten, zu züchtigen; aber er mischte in seinen Unwillen Milde genug und gewährte zunächst einen wunderbaren Sieg über Radagais, damit nicht zur Verwirrung schwacher Seelen den Dämonen, zu welchen dieser, wie bekannt war, eifrig flehte, Ruhm zuteil werde; dann erst sollte Rom eingenommen werden, und zwar von Barbaren, die wider alle bisherige Kriegsgepflogenheit den Flüchtlingen an heiliger Stätte aus Ehrfurcht vor der christlichen Religion ihren Schutz angedeihen ließen und sich als Christen gegen die Dämonen und den Kult gottloser Opfer, auf den Radagais sein Vertrauen gesetzt hatte, so feindlich erwiesen, daß es den Anschein hatte, als führten sie wider die Dämonen einen viel grimmigeren Kampf als gegen die Menschen. So hat der wahre Herr und Lenker der Geschicke sowohl die Römer mit Erbarmnis gezüchtigt als auch durch den unerhörten Sieg über die Verehrer der Dämonen dargetan, daß derlei Opferdienst nicht einmal für das zeitliche Wohlergehen nötig sei, damit so alle, die nicht hartnäckig auf ihrer Meinung verharren, sondern klar den Dingen ins Auge sehen, keine Veranlassung hätten, im Hinblick auf die dermaligen Drangsale der wahren Religion den Rücken zu kehren, sondern vielmehr an ihr festhalten in der zuversichtlichen Erwartung des ewigen Lebens.

1: Im J. 405 n. Chr.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger